Skandalumwitterter Käufer für Wirecard?

Foto: © laplateresca - stock.adobe.com

Laut einem Pressebericht gibt es nur noch zwei Unternehmen, die sich für den Kauf von Wirecard interessieren. Einem davon haftet allerdings ein schlechter Ruf an.

Zu Beginn des Verwertungsverfahrens von Wirecard hatte Insolvenzverwalter Michael Jaffé Angebote von 77 Kaufinteressenten. Dieser Kreis ist aber nun offenbar deutlich zusammengeschrumpft: So sind laut Finance Forward mit der Großbank Santander und dem Mobilfunkanbieter Lycamobile nur noch zwei Interessenten übrig.

Santander sei nicht an der deutschen Banklizenz von Wirecard interessiert, sondern wolle das Payment-Geschäft zukaufen. Die Bank sei vor allem an der Technologie und den Kunden interessiert. Santander besitzt bereits im spanischen Heimatmarkt einen wichtigen Geschäftsbereich im Payment-Sektor und wolle durch den Erwerb der Wirecard-Anteile das Angebot auch in andere wichtige Länder in Südamerika bringen. Weil Santander nicht an der deutschen Banklizenz von Wirecard interessiert sei, liege die Preisvorstellung auch niedriger als bei Lycamobile. Vor wenigen Wochen berichtete die Süddeutsche Zeitung, dass Santander 100 Mio. Euro für die Wirecard-Anteile zahlen wolle.

Eine andere Absicht bezweckt Lycamobile mit dem Interesse an Wirecard. So dürfte der britische Telekommunikationsanbieter laut Finance Forward seine eigene Plattform stärken wollen. Das Unternehmen ist auf Migranten spezialisiert, die günstig in ihre Heimatländer telefonieren wollen und betreibt auch andere Geschäftsbereiche, bspw. eine Flugsuchmaschine. Weil es durch die vielen kleinen Telefonshops bereits Zugang zu vielen kleinen Händlern hat, wäre laut Finance Forward ein günstiges Zahlungsgeschäft zwischen den Ländern denkbar.

Würde Lycamobile tatsächlich Teile des Skandal-Unternehmens Wirecard erwerben, hätte das durchaus eine ironische Komponente: So sorgte das Unternehmen laut Finance Forward in den vergangenen Jahren selbst  regelmäßig für Negativschlagzeilen, u.a. wegen des Vorwurfes der Geldwäsche für kriminelle Organisationen. (ahu)