Sinnvolle Diversifikationsoption für Wandelanleihenportfolios

Stephanie Zwick, Portfolio Managerin bei Fisch Asset Management, äußert sich zur Anlageklasse der Umtauschanleihen.

Innerhalb der Neuemissionen des Wandelanleihen-Universums weisen Umtauschanleihen (Exchangeable Bonds) ein deutlich höheres Volumen auf. 840 Milliarden USD entfallen auf neun Exchangeable Bonds, während die rund 180 emittierten Wandelanleihen ein Volumen von 375 Milliarden USD aufweisen gemäß UBS-Daten. “Anders als die klassische Wandelanleihe ist die Umtauschanleihe nicht in Aktien des Emittenten wandelbar, sondern in Aktien einer anderen Gesellschaft. Aus Investorensicht ist die meist hohe Schuldnerbonität von Exchangeable Bond-Emittenten und der damit verbundene Sicherheitsaspekt interessant. Ein weiteres wichtiges Argument für Anleger ist die Liquidität. Das hohe Emissionsvolumen macht Umtauschanleihen deutlich besser handelbar als klassische Wandelanleihen. Last but not least erreichen Anleger mit einer Investition in Exchangeable Bonds auch eine Diversifizierung hinsichtlich des Unternehmensuniversums”, sagt Stephanie Zwick, Portfolio Managerin bei Fisch Asset Management.

Klassische Wandelanleihen werden überwiegend von Wachstumsunternehmen mit kleinerer und mittlerer Marktkapitalisierung als Finanzierungsinstrument genutzt. Diese Wachstumsunternehmen können trotz häufig tieferer Schuldnerbonität ihre Zinskosten durch die Emission einer Wandelanleihe im Rahmen halten. Exchangeable Bonds hingegen werden häufig von Großunternehmen begeben. “Somit bietet eine Umtauschanleihe nebst normalerweise hoher Schuldnerbonität und ausreichender Liquidität eine sinnvolle Diversifikation im klassischen Wandelanleihenportfolio”, so Zwick.

Komplexe Ausgestaltung
Ein Hauptmotiv für Emittenten von Exchangeable Bonds liegt darin, dass sie sich schrittweise und indirekt von einer Aktienbeteiligung trennen können. Dazu ein Beispiel: Mitte Mai 2015 platzierte der lateinamerikanische Telekommunikationsanbieter America Movil einen Exchangeable Bond, wandelbar in die holländische KPN. America Movil besitzt gemäß Jahresbericht 21,1% an KPN und könnte nach Ablauf der fünfjährigen Laufzeit diesen Anteil elegant reduzieren, wenn nicht sogar vollständig abbauen. So beträgt das Volumen der Anleihe drei Milliarden Euro, dies entspricht in etwa der Höhe der gehaltenen Aktienposition. Des Weiteren nutzen staatsnahe Unternehmen das Instrument gerne zur schrittweisen Privatisierung einer Aktiengesellschaft.

Im Extremfall kann ein Exchangeable Bond den Investor sogar vor einem Kreditausfall bewahren, gesetzt den Fall, dass der Umtausch in die fremden Aktien mittels einer Schutzklausel gewährleistet ist. Das so genannte „Ring-Fencing“ (auf Deutsch “Einzäunung”) hat zum Ziel, Vermögenswerte insolvenzsicher zu machen. Das heißt, dass die Aktienposition, die der Emittent hält und in die ein Exchangeable Bond gewandelt werden kann, im Falle einer Firmenpleite nicht in die Konkursmasse fällt. Der Anleger bliebe somit im Konkursfall des Emittenten unbeschadet und könnte seine Anleihe weiterhin in die Aktien tauschen. Das Ring-Fencing ist eines der wichtigsten Bewertungskriterien von Exchangeable Bonds und hat maßgeblichen Einfluss auf den Wert dieser Anleihe.

“Alles in allem sind Umtauschanleihen wesentlich komplexer ausgestaltet als klassische Wandelanleihen. Für eine korrekte Bewertung müssen sowohl der Emittent des Exchangeable Bonds als auch die Aktie, in die getauscht werden kann, genau analysiert werden. Die Beurteilung der Attraktivität eines Exchangeable Bonds erfordert sowohl detaillierte Kenntnisse über die Struktur der Anleihe wie auch eine vertiefte Analyse der speziellen Vertragskauseln und -mechanismen”, so Zwick.