Sind Dividenden der neue Zins?

Ausschüttungsquoten sollte man differenziert betrachten

Viele Investoren sehen hohe Ausschüttungsquoten deswegen kritisch. Anleger, die ihr Geld mit Kurs- bzw. Kapitalgewinnen verdienen wollen, bevorzugen entweder keine Dividenden oder niedrige Ausschüttungsquoten. Sie vertreten die Meinung, dass ein Unternehmen seine Gewinne reinvestieren soll. Dadurch wird das Wachstum beschleunigt. In der Folge steigen die Aktienkurse weiter an. Für einkommensorientierten Anleger dagegen ist die laufende Ausschüttung natürlich von größerer Bedeutung. Vor allem im angelsächsischen Raum, wo Aktien für viele ein wichtiger Baustein der Altersvorsore sind, legen viele Anleger großen Wert auf regelmäßige Dividenden. Aus diesem Grund sind Dividenden dort tendenziell niedriger, da auch bei schlechten Unternehmensentwicklungen ein Anspruch auf Dividende erwartet wird.

Geschäftsmodelle sind entscheidend

Grundsätzlich sollten Anleger die Dividendenhöhe bei Unternehmen nicht überbewerten. Letztlich sind stabile Dividendenzahlungen nur das Ergebnis von funktionierenden Geschäftsmodellen. Wer bei der Aktienauswahl vieles richtig macht, wird häufig durch stabile Dividendenerträge belohnt. Dividenden sind jedoch nicht der neue Zins. Sie sind weder für kurzfristig orientierte Investoren geeignet noch garantiert. Als alleiniges Auswahlkriterium für Aktien sind sie sogar für Anleger gefährlich. Eine hohe Dividendenrendite bedeutet nicht automatisch, dass eine Aktie eine gute Anlage ist. Allerdings sind sie eine zusätzliche Belohnung für eine gute Arbeit bei der Aktienauswahl. Denn nur nachhaltig funktionierende Geschäftsmodelle zahlen auch Dividende. Dann liegt die Höhe sogar weit über dem, was man von einem klassischen Zins in der Vergangenheit erwarten durfte.

Kolumne von Markus Richert,
CFP® und Seniorberater Vermögensverwaltung bei der Portfolio Concept Vermögensmanagement GmbH in Köln

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