Sind Deutsche Vorsorge-Muffel?

Die Niedrigzinsen sind eine Politik gegen Vorsorgesparer. Laut einer aktuellen Studie lassen sich die Deutschen aber dadurch noch nicht abhalten für das Alter vorzusorgen um Altersarmut zu meiden. 

2015-11-18 (fw/db) Trotz Mini-Zinsen werden die Deutschen nicht zu „Vorsorge-Muffeln.“ Sollte die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) allerdings noch einige Jahre anhalten, würde immerhin jeder Fünfte weniger sparen. Die Deutschen wollen eher „Muffeln“ entfliehen, und beim Thema Wohnen weniger von Vermietern und unliebsamen Nachbarn geärgert werden.

Das ist ein Ergebnis der Herbstumfrage 2015 zum Sparverhalten der Deutschen. Die TNS Infratest befragte dazu im Auftrag des Verbandes der Privaten Bausparkassen e.V. zum 55. Mal über 2.000 Bundesbürger im Alter von über 14 Jahren.

Die Mini-Zinsen locken die Deutschen nicht in riskantere Geldanlagen. Sie bleiben auf Sicherheit bedacht. Die „Altersvorsorge“ ist aktuell mit 60 Prozent der Nennungen wieder das am meisten genannte Sparziel. Im Sommer waren es nur 55 Prozent.

Das Sparziel „Konsum/Langfristige Anschaffungen“ kommt auf 53 Prozent – nach zuvor 56 Prozent.

Auf Platz drei der Rangliste folgt mit 44 Prozent das Sparziel „Wohneigentum“. Das Zielsparen für den Traum vom Eigenheim wurde in der letzten Umfrage bereits von 43 Prozent genannt.

Eine höhere Risikobereitschaft der Sparer und Investoren hätte sich in einem Zuwachs beim Sparziel „Kapitalanlage“ zeigen müssen. Hier ist jedoch sogar ein Rückgang von 32 auf 30 Prozent zu verzeichnen. Unverändert nennen jeweils vier Prozent die Sparziele „Ausbildung der Kinder“ und „Notgroschen/Reserve“.

„Die Mini-Zinsen werden zähneknirschend hingenommen“, erklärt Andreas J. Zehnder, Vorstandsvorsitzende des Verbandes der Privaten Bausparkassen.

Zehnder warnt die EZB und die Politik davor, die Geduld der Sparer überzustrapazieren. Erstmalig habe der Verband fragen lassen, wie die Deutschen reagieren würden, wenn die Niedrigzinspolitik noch mehrere Jahre andauert. Das Ergebnis: Immerhin jeder Fünfte würde weniger sparen, weil es sich für ihn dann nicht mehr lohnt. Nur jeder Zwanzigste würde mehr sparen, um das auszugleichen. Die Versorgungslücke im Alter nähme insgesamt damit zu.

„Auch um das zu verhindern sollte sich die EZB schnellstmöglich von ihrer Nullzinspolitik verabschieden“, so Zehnder. Diese berge schon heute genügend Risiken in sich: allen voran die Gefährdung bewährter Geschäftsmodelle bei Kreditinstituten und Versicherungen und die Gefahr regionaler Preisblasen auf den Immobilienmärkten, warnt der Sprecher der Privaten Bausparkassen.

Dietmar Braun