Sie lebt

Das kürzlich verabschiedete Lebensversicherungsreformgesetz (LVRG) ist ein kluger Kompromiss zwischen Verbraucherinteressen und den dringenden Erfordernissen des Lebensversicherungs-Marktes. Auch die Vermittler sind gut dabei weggekommen.

Lange hatten Lobbyisten der Versicherungswirtschaft, der Vermittlerverbände und der Verbraucherseite bei Abgeordneten in Berlin geschachert, gefeilscht um jeden Satz und jedes Wort. Es stand für alle viel auf dem Spiel. Herausgekommen ist mit dem LVRG ein Kompromiss. Kernelemente sind die Erlaubnis für die Versicherer, kündigende Kunden von den Bewertungsreserven auszuschließen, wenn ansonsten ihre eigene Risikotragfähigkeit auf dem Spiel stünde. Diese Regelung ist bereits in Kraft. Ab 2015 wird zudem der Höchstzillmerungssatz für Abschlussprovisionen von 40 ‰ auf 25‰ abgesenkt. Theoretisch kann ein Versicherer jedoch auch weiterhin den höheren Satz zahlen.

Doch Dr. Karsten Eichmann, der neue Vorstandschef der Gohaer, sagt: „Das LVRG nehmen wir zum Anlass, unser bislang rein abschlussorientiertes Provisionsmodell zu überprüfen.” Dies geschehe unter Hochdruck. Darüber hinaus wird – ebenfalls mit Wirkung zum 01.01.2015 – der Höchstrechnungszins von 1,75 % auf 1,25 % gesenkt. Viele Berufskritiker haben deshalb bereits ihren Abgesang auf dieses Altersvorsorge-Modell angestimmt. Towers Watson hingegen sieht die Veränderungen eher positiv. Das LVRG biete „eine Chance für die Branche, die Lebensversicherung fit für das nächste Jahrhundert zumachen”. Es könnten nun völlig neue und sinnvolle Garantiemodelle entwickelt werden. Guter Dinge ist auch GDV-Präsident Dr. Alexander Erdland. Die Neuregelung der Beteiligung an Bewertungsreserven schaffe zum einen mehr Gerechtigkeit „zugunsten der großen Mehrheit, die langfristig in der Versichertengemeinschaft bleibt.” Zum anderen würden „die Eigenkräfte der Versicherungswirtschaft” insgesamt wiederhergestellt. Die sind auch nötig, müssen doch ab 2015 die Kunden mit 90 % statt wie bisher 75 % an den Risikogewinnen beteiligt werden.

Dass fast in letzter Minute noch die Offenlegung von Provisionen aus der Gesetzesvorlage gestrichen und durch einen Ausweis der Kosten ersetzt wurde, freut wiederum den BVK, dessen Präsident Michael H. Heinz sagt: „Es war ein hartes Stück Arbeit, den Gesetzgeber davon zu überzeugen, dass die zwingende Offenlegung der individuellen Provision nicht zur Transparenz für den Verbraucher beiträgt.” Allerdings ist das allerletzte Wort noch nicht gesprochen. Experten im Bundespräsidialamt wollen das LVRG noch auf seine Verfassungsmäßigkeit hin prüfen. Axel Kleinlein, Vorstandssprecher des BdV, erhofft sich einiges davon: „Wir sind froh, dass Herr Gauck unsere Bedenken ernst nimmt und die Bedeutung des Gesetzes für Millionen von Versicherungskunden erkannt hat.” (hwt)

Das LVRG – Onlineausgabe 03/2014