Sicherheit wichtiger als Ertrag

Es weden falsche Prioritäten gesetzt

Dass die Deutschen bei der Geldanlage trotz anhaltender Niedrigzinsphase weiterhin auf klassische Anlageprodukte setzen, hängt wohl vor allem mit den von ihnen bevorzugten Eigenschaften einer Geldanlage zusammen: So sind möglichst geringe Kosten für 81 % der Befragten bei einer Geldanlage wichtig. Dabei vergessen die Anleger, dass der Preis, den sie für dieses Sparverhalten zahlen, deutlich höher ist als die Kosten einer Geldanlage – nämlich massiven Kaufkraftverlust. Zudem ist für 80 % der Befragten Sicherheit ein entscheidender Faktor bei der Investitionsentscheidung. Als fast genauso wichtig wird Flexibilität erachtet, die 78 % der Befragten als wichtiges Anlagekriterium nannten. Erstaunlich: Obwohl es bei der Geldanlage vor allem um die Vermehrung des Kapitals geht, ist für lediglich 58 % der Befragten die Rendite ein vordergründiges Kriterium.

„Geringes Risiko, hohe Flexibilität und hohe Rendite: alle drei Punkte sind mit Blick auf das sogenannte Anlagedreieck in der Praxis kaum in Einklang zu bringen. Bei einem der drei Eigenschaften müssen zumindest Abstriche in Kauf genommen werden – wobei hier zu oft Renditepotential verschenkt wird“, erklärt Dr. Andreas Steinert, Head of 3rd Party Distributors und Mitglied der Geschäftsführung bei Amundi. „In der Beratung sollte es daher eine Kernaufgabe sein, die jeweiligen Kundenpräferenzen genau zu erfassen und eine darauf passende Anlagestrategie mit geeigneten Produkten zu entwickeln.“

Nur wenig Interesse an Beratung

Die Mehrheit der Deutschen verzichtet in der Geldanlage jedoch auf eine professionelle Beratung. So gaben 45 % derjenigen an, die zumindest gelegentlich Geld zurücklegen, ihre Anlageentscheidungen ausschließlich selbständig zu treffen, 17 % holen sich Rat aus ihrem privatem Umfeld. Wenn eine professionelle Beratung in Anspruch genommen wird, soll diese nach dem Willen der Befragten vor allem von Mensch zu Mensch geschehen. So sagten 44 % der Umfrageteilnehmer, die ihre Anlageentscheidung nicht ausschließlich selbst treffen, dass sie sich an einen Bank- oder Vermögensberater wenden würden. Weitere 20 % würden ein hybrides Modell aus persönlicher Beratung und digitalen Anwendungen vorziehen. Lediglich 7 % sind für ein rein digitales Angebot zu haben. Selbst für digital natives ist die Geldanlage eine nach wie vor menschliche Angelegenheit: So gaben von den Befragten in der Altersgruppe zwischen 18 und 34 Jahren lediglich 10 % an, dass sie bei der Finanzberatung auf ein rein digitales Modell setzen würden. „Einkaufen, Reisen buchen, Online-Banking. Viele Bereiche unseres Alltags erledigen wir heute zu einem großen Teil auf digitalen Wegen. Geht es aber um die Geldanlage, ist eine persönliche Ansprache und ein Gespräch von Mensch zu Mensch gewünscht“, erklärt Steinert.

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