Sei kein Frosch: Über Handlungsoptionen in der (Kündigungs-)Krise

4. Nicht persönlich nehmen

Eine Kündigung ist ein schwerer psychologischer Schock. Es entsteht eine diffuse, schwer zu durchschauende Gemengelage an Gefühlen, Gedanken, Ängsten, die oftmals auch die Leistung beinträchtigen oder sich gesundheitlich auswirken können. Das Kopfkino ist gnadenlos: „Ich bin nicht mehr gewollt!“ „Die wollen mich loswerden!“ „Ich gehör nicht mehr dazu.“ „Was habe ich nur falsch gemacht?“ „Was soll ich denn jetzt bloß machen?“ „Ich bin zu alt, um mich noch mal zu bewerben.“ „Was sagen meine Frau, die Familie, mein Freundeskreis dazu?“

Zu den existenziellen Befürchtungen gesellen sich gerne die großen Selbstwertthemen. Die Ablehnung durch das Unternehmen, bezogen auf sich als Arbeitnehmer bzw. die eigene Arbeitsleistung, führt häufig dazu, dass man sich auch als Mensch abgelehnt fühlt. Versuchen Sie, diese beiden Seiten zu trennen, um handlungsfähig zu bleiben. Leider gibt es kein Patentrezept dafür, wie man diese sehr energieraubende und destruktive Phase hinter sich lässt. Holen Sie sich im Zweifelsfalle Unterstützung bei einem erfahrenen Coach oder bei einem Therapeuten, wenn Sie merken, dass Sie in eine ernste depressive Verstimmung geraten. Je schneller Sie diesen Teil im Ihrem Verarbeitungsprozess hinter sich lassen, umso besser!

5. Nach vorne gehen

Was haben andere in ihrer Freistellung gemacht? Hier habe ich die unterschiedlichsten Varianten im Kontakt mit meinen Klienten erlebt. Es gibt ein paar wiederkehrende Muster, die Sie vielleicht inspirieren können. Dem Urlauber/Abenteurer-Typus gelingt es, die Zeit der Freistellung als Ferien zu sehen. Er ist vielleicht finanziell ausreichend aufgestellt und gönnt sich nun eine Welt- oder Fernreise – auch wenn das in Coroanzeiten nicht die erste Alternative ist.

Der Existenzgründer realisiert seine schon länger unterdrückten Ambitionen, endlich sein eigener Boss zu sein: durch eine freiberufliche Selbstständigkeit, eine gewerbliche Unternehmensgründung oder gar einen Unternehmenskauf. Andere gründen erst mal zum Nebenerwerb und bauen das Ganze nach erfolgreichem Anklang schrittweise zum Vollerwerb aus.

Beneidenswert ist der entspannte Typ. Er genießt es, einfach mal nichts zu tun, den Tag zu genießen, zu kurz gekommene Hobbys wiederaufzunehmen. Slow down and relax! Wenn nicht jetzt, wann dann? Und dann gibt es noch den „lebenslangen Lerner“, für den es ab jetzt keine Ausreden mehr gibt. Er bildet sich weiter, frischt häufig seine Sprachkenntnisse auf, gerne auch über eine Sprachreise im entsprechenden Land. Die Weiterbildungsangebote sind heute breit gefächert, durch das Internet recht „barrierefrei“ und vor allem ortsunabhängig zugänglich. So kommen neben dem klassischen autodidaktischen Selbststudium auch Kursangebote großer Bildungsanbieter oder Studiengänge an den Fernuniversitäten infrage.

Aber was steckt nun wirklich hinter der ganzen Froschkocherei? Ich bin wie viele andere der Meinung: Sie ist frei erfunden, aber eine schöne Analogie zu menschlichen Verhaltensweisen. Victor Hutchison (Zoology, University of Oklahoma) bringt es auf den Punkt: „The legend is entirely incorrect!“ Findet ein Frosch die Möglichkeit zur Flucht, ist er weg. Klar, wenn der Deckel drauf ist, hat er keine Chance und stirbt. Aber sonst: Flucht nach vorn! Und rechtzeitig eine andere berufliche Herausforderung finden, die das Gute in einem wachküsst.

Gastbeitrag von Stephan Lindner,
Business Coach, Mediator und Trainer

Das Buch zum Thema:

Dr. Lutz-Ulrich Haack / Stephan Lindner

FREIstellung

Ein Ratgeber und Mutmacher
ISBN: 978-1-70840-885-5
203 Seiten, Broschur
€ 17,90 | € 9,99 Kindle E-Book
Eigenverlag

www.freistellungs-wissen.de