Sei kein Frosch: Über Handlungsoptionen in der (Kündigungs-)Krise

Stephan Lindner, Business Coach, Mediator und Trainer / Foto: © Stephan Lindner

Geht es nach der Einschätzung des Internationalen Währungsfonds, wird die aktuelle Pandemie den größten wirtschaftlichen Niedergang seit 100 Jahren verursachen. Der Schock sei riesig, die Auswirkungen viel schlimmer als die der dramatischen globalen Finanzkrise vor einer Dekade, so der IWF. Und wenn Allianz-CEO Oliver Bäte den Coronaausbruch mit einer Atombombe oder einem Meteoriteneinschlag vergleicht, dann hat wohl jeder im Finanzsektor verstanden, was die Stunde geschlagen hat. Bäte prognostiziert massive Verluste und sieht Banken und Versicherungen – wie andere Wirtschaftszweige auch – auf eine tiefe Rezession zusteuern.

Rückgänge in vielen Versicherungssparten, gekündigte oder ausgesetzte Verträge, ein verändertes digitales Verhalten der Verbraucher – derzeit kommen wenig News, die den Ängsten der Makler und Mitarbeiter in der Finanzbranche entgegenwirken könnten.

Szenenwechsel: Der Frosch im Topf

Sicherlich haben Sie schon von dem Phänomen gehört: Wirft man einen Frosch in einen Topf mit kochendem Wasser, springt er unter Aufbietung aller Kräfte sofort heraus; er flieht. Nimmt man hingegen das Tier und setzt ihn in einen Topf mit kaltem oder lauwarmem Wasser und stört ihn nicht weiter, bleibt er dort sitzen. Das Wasser wird nun langsam und stetig erhitzt, möglicherweise erreicht es irgendwann sogar eine froschgerechte, angenehme Wohlfühltemperatur. Aber – und das ist das Grausame an diesem Experiment – erhöht man die Temperatur langsam weiter, wird unser Frosch träge und müde. Am Ende ist er so kraftlos, dass er seiner Falle nicht mehr entkommen kann und gekocht wird.

So ergeht es derzeit auch vielen Menschen; sie werden von den Auswirkungen der Krise langsam weichgekocht. Erst ist es nur das Homeoffice (das übrigens nach einer aktuellen DAK-Studie sehr gut angenommen wird). Oder die Kurzarbeit, bei der das Kurzarbeitergeld von wohlwollenden Arbeitgebern freiwillig noch etwas aufgestockt wird. Kleinere und mittlere Maklerbüros profitieren vielleicht von den Soforthilferegelungen und kommen so über den ersten Schock hinweg.

Natürlich kann keiner von uns sagen, was dem Frosch im Topf durch den Kopf geht. Bezogen auf uns Menschen würden wir vielleicht sagen: „Schlimmer kann’s jetzt auch nicht mehr werden.“ Und dann wurde es noch schlimmer … Man muss kein Kulturpessimist sein, um an dramatische Umwälzungen zu glauben. Im Zeitalter der Globalisierung, der rasanten Entwicklung durch die Digitalisierung und der Covid-19-Pandemie, müssen wir uns alle schnell und flexibel auf sich ändernde Rahmenbedingungen einstellen. Was heute noch erfolgreich ist, kann morgen schon veraltet sein. Kodak, Quelle oder Nokia sind Paradebeispiele für solchermaßen gekochte Frösche.

Darum genau geht es bei der Metapher des Fröschekochens. Schleichende Verschlechterungen haben Gewöhnungseffekte zur Folge, da sie eben nur langsam passieren. Und plötzlich ist Schluss mit Kurzarbeit, Homeoffice oder jedweder anderen Perspektive. Die Kündigung flattert ins Haus und man steht plötzlich vor dem Nichts.

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