Schwellenländer sind in Mode

Michael Beck

Es war ja schon erstaunlich, dass das Schwellenland Saudi-Arabien eine Anleihenemission in Höhe von 17,5 Milliarden USD platzieren konnte. Noch erstaunlicher war jedoch, dass das Land eigentlich 67,5 Milliarden USD platzieren hätte können, denn Kapital in dieser Höhe hat sich im Orderbuch um diese Anleihe beworben. Aber nach drei Jahren der Tristesse und des Misstrauens vieler Marktteilnehmer Schwellenländern gegenüber hat sich das Blatt gedreht. Die Kapitalströme haben sich wieder in Richtung dieser Märkte gewandt und sorgen für steigende Notierungen. Aufgrund der steigenden Rohöl- und Rohstoffnotierungen erholen sich auch rohstoffabhängige Länder wie Brasilien und arbeiten sich aus ihrem Tal der Tränen heraus.

Gestützt wird dieses Interesse auch durch das Bild, das die etablierten Industrieländer derzeit abgeben. In den USA findet ein Wahlkampf statt, den sich wohl niemand jemals im Vorfeld in dieser Form ausmalen hätte können. Der Präsidentschaftskandidat Trump steht für einen neuen Politikertypus, der in den westlichen Industrieländern mehr und mehr goutiert wird. Etablierte Strukturen in Frage stellend, populistische Schlagworte verwendend und harte Fakten entweder aus Nichtwissen oder gar willentlich ignorierend. Ein sehr gutes Beispiel lieferten hier die Protagonisten des „Brexit“, die am Morgen nach der Abstimmung wesentliche Argumente wieder einsammeln mussten und viele Wähler mit dem Gefühl zurückließen, in die Irre geführt worden zu sein. Dies alles geht mit einer nationalistisch und protektionistisch geprägten Haltung einher, die leider in sehr vielen europäischen Staaten auf dem Vormarsch ist. Mittelfristig befördert dies nicht unbedingt die wirtschaftlichen Wachstumsmöglichkeiten. Die BrexitBefürworter in Großbritannien werden allerdings dieser Tage wieder in ihrem Ansinnen, der EU den Rücken zu kehren, bestätigt. Mit blassem Erstaunen verfolgt die Welt, wie es möglich ist, dass eine Staatengemeinschaft mit circa 500 Millionen Einwohnern nicht in der Lage ist, ein Handelsabkommen mit Kanada abzuschließen, weil ein Regionalparlament (!), das 3,5 Millionen Einwohner vertritt (0,7 Prozent der EU-Bevölkerung), sich verweigert. Dies wirft ein Schlaglicht auf den dringenden Reformbedarf in der EU, der schon mit dem Brexit deutlich erkennbar war und überstrahlt die eigentlich guten Konjunkturdaten, die den EU-Raum aktuell prägen. Sowohl der europäische Einkaufsmanagerindex als auch der ifo-Geschäftsklimaindex zeigen nach oben und deuten weiteres Wachstum an. Und solange die Unternehmensgewinne im Schnitt ihre Erwartungen erfüllen, wie sie das derzeit tun, sind die Märkte relativ gut unterstützt. Innerhalb einer weltweit diversifizierten Anlagestrategie waren Schwellenländer schon immer ein wichtiger Baustein. Sie sollten jedoch einen wachsenden Anteil an der weltweiten Kapitalallokation einnehmen. 

Kolumne von Michael Beck, Leiter Asset Management bei Ellwanger & Geiger