Schwacher Euro als Warnsignal

Dr. Marc-Oliver Lux, Geschäftsführer Dr. Lux & Präuner GmbH & Co. KG in München / Foto: © Dr. Lux & Präuner

2017 war ein Aufwertungsjahr für die europäische Gemeinschaftswährung. Gegenüber dem US-Dollar hatte sich der Euro in relativ kurzer Zeit von 1,06 US-Dollar auf bis zu 1,25 US-Dollar hochgeschraubt. Dieses Jahr hingegen scheint sich der Trend schon wieder umzukehren. Mit der zweifelhaften Regierungsbildung in Italien kamen Ängste einer neuen Eurokrise auf, denn wenn sich Italien mit seinen Staatsschulden zu einem zweiten Griechenland entwickelt, würde angesichts der Größe und wirtschaftlichen Bedeutung des Landes eine Rettung durch die Staatengemeinschaft kaum mehr darstellbar sein.

Das populistische Regierungsprogramm, das auf eine ungezügelte Ausweitung der Staatsschulden abstellt und damit eine Staatspleite innerhalb der Eurozone wieder als realistisches Szenario erscheinen lässt, brachte den Euro schlagartig unter Druck. Ganze acht Cents verlor die Devise gegen den US-Dollar. Eine zeitweise Erholung wurde zudem diese Woche zunichte gemacht durch die zinsbullischen Töne der amerikanischen Notenbank, die überraschenderweise noch zwei weitere Zinserhöhungen für diese Jahr ankündigte, während sich der Markt auf nur eine weitere eingestellt hatte.

Die EU-Gemeinschaftswährung erlebt aktuell eine so dynamische Abwertung wie zuletzt vor mehr als drei Jahren. Zwar gilt normalerweise, dass eine Euro-Abwertung die Anleger am hiesigen Aktienmarkt jubeln lässt und die Notierungen von DAX und Co. befeuert. Denn ein Wertverlust des Euros lässt die im Ausland erzielten Erträge bei der Umrechnung in die Heimatwährung wie von Zauberhand wachsen. Davon profitieren vor allem stark internationalisierte Konzerne, die einen Großteil ihrer Umsätze außerhalb des Euroraums generieren – so wie die deutschen Börsen-Schwergewichte aus dem Leitindex DAX.

Doch zuletzt haben diese Aktien kaum noch von dieser Gesetzmäßigkeit profitiert. Obwohl der Euro mittlerweile nur noch um die 1,16 US-Dollar liegt, und damit auf dem Niveau von Mitte letzten Jahres, tat sich der DAX in den letzten Wochen schwer, die Marke von 13.000 dauerhaft zurückzuerobern. Denn mittlerweile sehen Profis in der Euro-Schwäche vor allem ein Warnsignal. Das sollten auch Privatanleger ernst nehmen.

Wegen des Konfrontationskurses der europa- und eurokritischen Protagonisten gegenüber ihren EU-Partnern und der europäischen Zentralbank könnte bald wieder die Solidität des Währungsraums auf den Prüfstand kommen. Sollte die drittgrößte Ökonomie tatsächlich aus dem Euro austreten, so wie es der designierte Wirtschaftsminister Paolo Savona anstrebt, wäre dies der Anfang vom Ende der Gemeinschaftswährung. Von ihr aber profitiert gerade Deutschlands Wirtschaft.

Die Folgen eines Euro-Crash wären laut Ökonomen rückläufige Ausfuhren, sinkende Unternehmensgewinne und geringere Lohneinkommen sowie Konsumausgaben. Dieses Risiko preisen die Akteure an den Aktienmärkten zunehmend stärker ein als vorübergehende Wechselkursprofite in den Bilanzen der deutschen Blue Chips.

Unsere Einschätzung: Die Währungsmärkte reagieren viel sensibler auf Veränderungen in der Weltpolitik. Nicht jede kleine Zuckung der Devisenkurse muss einen beunruhigen. Größere Verwerfungen in die eine oder andere Richtung sollten jedoch Anlass geben, die Lage der Märkte zumindest genauer unter die Lupe zu nehmen.

Kolumne von Dr. Marc-Oliver Lux,
Geschäftsführer Dr. Lux & Präuner GmbH & Co. KG in München