Schnittmengensuche!

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Überall ist es zu lesen: Der Krankenversicherungsbranche ging es angeblich schon weit besser. Man denke in diesem Zusammenhang nur exemplarisch an die deutlichen Beitragsanpassungen des privaten Krankenversicherers DKV Anfang April dieses Jahres, deren anschließend scharfzüngige Kommentierung es sogar bis in die einschlägige Boulevardpresse hinein schaffte.

Von „explodierenden“ Beiträgen praktisch über die gesamte Branche hinweg war da zu lesen, oder auch, dass dies die Retourkutsche für all jene sei, die sich aus dem Solidarsystem verabschiedet hätten. Zeit also, sich der Frage zuzuwenden, ob das System der Gesundheitsvorsorge, wie wir es kennen, wirklich ernsthaft erkrankt ist und was die Branche zu tun gedenkt, um Beitragsstabilität, Servicequalität und Kundenzufriedenheit in Zukunft auf gewohnt erstklassigem internationalen Niveau sicherzustellen.

Die Experten am Roundtable:

Michael Albrecht, Hauptabteilungsleiter Maklervertrieb Barmenia Versicherungen Nikolaos Becker, Leiter Vertrieb Die Schwenninger Krankenkasse Peter Schneider, Geschäftsführer Morgen & Morgen GmbH Dr. Johannes Weingart, Geschäftsführer DOC Weingart GmbH & Co. KG

finanzwelt: Steigende Gesundheitsausgaben, demografischer Wandel und nun auch noch der leidige Niedrigzins. Vor dem Hintergrund derzeitiger gesetzlicher Rahmenbedingungen wie auch der fortgesetzten lockeren Geldpolitik der EZB: Wie ist es um die GKV und PKV bestellt? Krankt unser System womöglich ernsthaft und kommt es zwangsläufig zu weiteren Beitragsanpassungen oder Leistungskürzungen? Schneider: Die von Ihnen genannten Punkte treffen sicher sowohl PKV als auch GKV. Allerdings war ich zugegebenermaßen überrascht darüber, wie im Besonderen das Thema speziell rund um die Beitragsanpassung der DKV derart aufgegriffen und aufgebauscht wurde. Denn bei genauerer Betrachtung und über die Jahre hinweg lassen sich für die Gesamtbranche der PKV im Durchschnitt insgesamt eher moderate Anpassungssteigerungen feststellen. Bei manch einem Tarif, bei dem aktuell eine kräftige Beitragsanpassung vorgenommen wurde, hat zuvor mitunter über Jahre hinweg keine Erhöhung stattgefunden. Dieser Umstand sollte im Rahmen einer unvoreingenommenen, kritischen Bewertung zum Thema nie unberücksichtigt bzw. vorschnell ad acta gelegt werden. Ansonsten finde ich es grundsätzlich gut, dass es gleichzeitig 2 Systeme in einem Land geben darf. Becker: Wir sehen spätestens in 2017 weitere und mitunter deutliche Beitragsanpassungen auf die PKV-Versicherten zukommen. Es zeigt sich ja schon heute u. a. anhand des steigenden Anteils aus der Generation 50plus, der den Weg zurück in die GKV sucht, dass da immer mehr Menschen ihre private Krankenversicherung für nicht mehr dauerhaft finanzierbar halten. Und das, obwohl die PKV fleißig Altersrückstellungen sammelt. Wir als GKV hingegen sind ja vom Gesetzgeber dazu verpflichtet, praktisch keine nennenswerten Rücklagen zu halten. Insofern sind wir in besonderem Maße dazu angehalten, permanent über z. B. kundenförderliche Gesundheitsvorsorgeinitiativen oder nachhaltig effektive Kostensenkungspotenziale nachzudenken. Albrecht: Die Diskussion darüber, ob das Gesundheitssystem nun krankt oder nicht, kennen wir bereits seit Jahrzehnten. Wir sind allerdings der Meinung, dass dies nicht der Fall ist. Wir haben in Deutschland Zugang zu erstklassigen, hochqualifizierten Ärzten, Fachkräften und medizinischem Material. Und das auf weltweit höchstem Versorgungsniveau. Ich möchte an dieser Stelle allerdings auch klar stellen, dass die PKV nicht einfach Reserven zurückhalten kann. Auch Beiträge dürfen nicht willkürlich erhöht werden. Hier greift die Kalkulationsverordnung, die uns u. a. dazu verpflichtet, 90 % der Überschüsse an unsere Kunden zurückzugeben. Es ist schlicht unmöglich, Kundenvermögen zu parken und es im Gegenzug aufzuzehren. Des Weiteren dürfen wir nur unter Einhaltung strengster Kriterien überhaupt Anpassungen vornehmen. Auch der Aspekt „Bezahlbarkeit im Alter“ bedarf einer differenzierten Betrachtung. Was in der öffentlichen Wahrnehmung kaum zutage tritt, ist die Tatsache, dass unsere Versicherten seit über 10 Jahren einen 10 %-igen gesetzlichen Zuschlag zahlen, mit dem Beitragsanpassungen im Alter finanziert werden. Im Übrigen bewegen sich die genannten Alterungsrückstellungen bei mittlerweile über 200 Mrd. Euro. Sie haben sich damit alleine in den vergangenen 10 Jahren mehr als verdoppelt. finanzwelt: Ungeachtet dessen ist immer wieder zu hören, dass es hinsichtlich künftiger Finanzierbarkeit notwendig sein wird, sukzessive bestimmte Maßnahmen aus dem Leitungskatalog herauszunehmen? Becker: Um das Beitragsniveau trotz des unerbittlichen Demografiewandels langfristig stabil halten zu können, wird es letztlich kaum anders gehen, als sorgsam ausgewählte Einzelaspekte einer kritischen Begutachtung zu unterziehen. Im Ergebnis könnte dabei durchaus stehen, dass bestimmte Leistungsmerkmale künftig mithilfe einer privaten Zusatzversicherung abgedeckt werden können. Mit perspektivischem Blick Richtung privater Anbieterseite bedeutet dies für uns als gesetzliche Kasse künftig nicht mehr ein kategorisches wie strikt getrenntes Neben-, sondern eher ein sich ergänzendes Miteinander beider Systemanbieter. Albrecht: Ich sehe zunächst unser duales System mit einer erstklassigen Versorgung, um die uns unsere Nachbarn allenthalben beneiden. Dieses gilt es, aufrecht zu erhalten. Im Übrigen geben die privaten Krankenversicherer ein Leistungsversprechen, an dem über die gesamte Laufzeit des Vertragsverhältnisses nicht gerüttelt werden kann, nach dem Motto: Pacta sunt servanda! Sollte die GKV ihren Leistungskatalog kürzen, können die Versicherten ihre individuellen Wünsche in Bezug auf eine gute Gesundheitsversorgung sicherlich mit uns umsetzen. Wichtig ist, dass das Beitragsniveau auf einem stabilen und vor allem für Arbeitnehmer wie Arbeitgeber bezahlbaren Level bleibt. finanzwelt: Dr. Volker Leienbach, Direktor des Verbandes der Privaten Krankenversicherung ließ kürzlich verlauten: „Ohne die Konkurrenz durch das jeweilig andere System würde der Anreiz zu Leistungsverbesserungen schlicht wegfallen.“ Stimmt das so? Teilen die Vertreter beider Lager diese Einschätzung? Albrecht: Wettbewerb ist immer hilfreich. Insoweit teile ich die Aussage von Herrn Dr. Leienbach voll und ganz. Becker: Es zeigt sich an anderer Stelle immer wieder, dass dem Markt immer dann am besten geholfen ist, wenn sich die Anbieterseite im gesunden wirtschaftlichen Wettbewerb miteinander selbst regulieren kann. Das zeitigt im Ergebnis auch für Verbraucher stets die besten Ergebnisse. Dr. Weingart: Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass das Ärztesystem, dass sich ja gleich aus 2 Einkommensquellen speist, massiv notleiden würde. Rund ein Viertel der Arzthonorare wird durch die Privatversicherten getragen. Damit liegt dieser Anteil rund 2,5-mal höher als der eines gesetzlich Versicherten. Ich wage allerdings zu bezweifeln, ob mit diesem Argument alleine unser zweigleisiges System auf Ewigkeiten unantastbar bleibt. Es gibt ja durchaus politische Strömungen, die das Ganze mit Verweis auf unsere europäischen Nachbarn zugunsten eines Einheitssystems abschaffen wollen. Aber: Keines dieser Länder ist versorgungstechnisch so gut aufgestellt wie hierzulande. Es kommt politischer Feigheit nahe, wenn man diesen Fakt aus populistischen Erwägungen heraus den Menschen gegenüber an dieser Stelle schlicht unterschlägt. finanzwelt: Ist als Schuldiger für die diskussionswürdige Gemengelage rund um die Beitrags- und Kostensituation demnach zuallererst die Politik auszumachen? Albrecht: Die politischen Gegebenheiten nehmen wir zunächst einmal so zur Kenntnis. Sicherlich ist die Gesundheitspolitik ein Bereich, der mit Ernsthaftigkeit betrieben werden sollte und nach Möglichkeit auch mit einer gewissen Kontinuität. Was meiner Meinung nach mithilfe politischer Unterstützung weit mehr in den Fokus rücken sollte, ist das Thema Stärkung von Gesundheitskompetenz und Eigenverantwortung. Insbesondere die jüngere Generation achtet ja erkennbar bereits mehr darauf und schenkt Aspekten wie gesunde Ernährung, Work-Life-Balance etc. weit mehr Beachtung als dies noch vor Jahren zu beobachten war. Dr. Weingart: Dem kann ich nur voll und ganz beipflichten. Auch bei den Unternehmen stand die Kostensenkung bislang häufig im Vordergrund, wenn diese sich für eine Gesundheitsvorsorge Maßnahme, ein BGF oder BGM entschieden hat. Dabei konzentrierte man sich nach meinem Dafürhalten auf vordergründig sinnvoll erscheinende messbare Parameter, wie Leistungssteigerung, Fehltagereduktion. Die Kostensenkungsthematik ist jedoch viel differenzierter zu sehen, weil sie immer komplexere Ausmaße annimmt, die letztlich den Nerv des Unternehmens in ganz anderer, bislang nicht gekannter Form treffen können. Neuartige unternehmerische Herausforderungen, die der demografische Wandel mit sich bringt mit all ihren Folgen, können zu völlig andersartigen Kostenproblemen führen, die in dem Zusammenhang zwingend durchleuchtet werden sollten, weil sie letztlich das unternehmerische Zielsystem tangieren. finanzwelt: Zurück zur Krankenversicherung. Noch in der jüngeren Vergangenheit waren billige Einsteigertarife ein Verkaufsschlager. Die Zeiten sind offenkundig passé. Stürzen sich private Anbieter stattdessen nun nur noch auf Beamte & Co., da sie praktisch die einzig noch verlässliche Gutverdienerklientel sind? Schneider: Das mit den billigen Lockangeboten war nicht gerade eine Glanzleitung der Branche. Denn gerade auch beim Thema Krankenversicherungsschutz ist die Frage der einzufordernden Beratungsqualität von entscheidender Bedeutung. Es geht hier ja praktisch um eine wichtige Lebensentscheidung, die zwingend mit Qualitätsberatung einherzugehen hat. Im Übrigen sollte an dieser Stelle nicht vergessen werden, als gäbe es bei der GKV nicht zumindest auch indirekte Beitragsanpassungen u. a. in Gestalt von Leistungsstreichungen. Nichtsdestotrotz haben beide Systeme viel dazu getan, um ihren Job gut zu erledigen und es ist für alle Beteiligten von Vorteil, dass es in Deutschland dieses zweigleisige System gibt. Albrecht: Unisex und diverse Gesetzgebervorgaben haben in der PKV dazu geführt, sich auf gewisse Zielgruppen zu fokussieren. Uns stellt sich die Frage, ob tatsächlich 90 % der Bevölkerung derart „sozial geschützt“ sein müssen? Fakt für uns ist aber: Grundsätzlicher Verzicht auf billige Lockangebote, stattdessen Fokus auf erstklassige Qualität, verknüpft mit leistungsstarken Produkten und Standards. Und natürlich weltweite Leistungs- und Vertragssicherheit. Wir müssen uns weiterentwickeln, Digitalisierung und Telematik vorantreiben und dabei erstklassige Beratung sowie Service bieten. finanzwelt: Kommen wir auf Marktpotenziale im KV-Bereich zu sprechen. Wie bewerten Sie da im Besonderen die aktuelle Situation rund um Schlagworte wie betriebliches Gesundheitsmanagement (bGM) oder betriebliche Krankenversicherung (bKV)? Becker: An und für sich ist das Thema hochinteressant und verfügt über enormes Potenzial. Auf beiden Seiten haben viele z. B. den Mehrwert einer bKV sofort erkannt. Nur der Haken an der Sache liegt in der offenkundig fehlenden Rechtssicherheit. Man kann nun mal keine verlässliche Beratungsstrategie fahren, wenn der Gesetzgeber alle 2 Jahre seine Meinung ändert. So wurde in 2014 der bKV der Steuervorteil als Sachbezug entzogen. Bis dahin galt als verkaufsförderliches Argument, dass sich, wenn eine Firma eine entsprechende Zusatzpolice zahlte, für den Arbeitnehmer der Beitrag bis zu 44 Euro im Monat steuer- und sozialabgabenfrei gestaltete. Ansonsten setzen wir in unserem Hause schwerpunktmäßig auf nachhaltige Fördermaßnahmen des Arbeitnehmers, indem wir z. B. Arbeitgeber- wie Arbeitnehmer-Boni implementieren, um den Mitarbeiter zunächst dort abzuholen, wo er sich aktuell befindet und um ihn dann zu motivieren, sich möglichst aktiv mit der Frage nach Verbesserung seiner Gesundheitssituation auseinanderzusetzen. Gelingt dies, dann ist auch der jeweilige Arbeitgeber motiviert. Ihn gilt es an dieser Stelle im besonderen Maße zu überzeugen, dass sich derartige Investitionen letztlich durch niedrigere Krankenstände und motivierte Belegschaft für ihn mehr als auszahlt. Schneider: Nicht nur in Zusammenhang mit dem vielzitierten „War for Talents“ sollten genannte Möglichkeiten mittlerweile selbstverständlicher Teil eines Gesamtangebotes sein, das ein Arbeitgeber seinem Mitarbeiter gegenüber offerieren kann. Nur, wie kriegen wir da vertrieblich endlich „PS“ auf die Straße, denn das Ganze gleicht derzeit augenscheinlich eher noch einem Dornröschenschlaf. Hier geht es doch konkret um die Frage, wie man eine gute Sache auch verkauft bekommt? finanzwelt: Ist an dieser Stelle der Vertrieb nun das eigentliche Problem? Denn laut mehreren Umfragen zum Thema scheinen ja insbesondere Arbeitnehmer beispielhaft gerade auch sehr interessiert am Thema bKV. Schneider: Den Vertrieb alleinig dafür verantwortlich zu machen, würde sicher zu kurz greifen. Aber sicher ist die „richtige Ansprache zu den richtigen Entscheidern“ ein diskutabler Punkt, denn eigentlich ist eine bKV für jeden eine vernünftige Sache. Das Thema scheint aber vertriebsseitig immer noch in den Kinderschuhen zu stecken. Momentan ist da systemisch anscheinend kaum einer so richtig unterwegs. Dr. Weingart: Der Erfolgsweg der Gesundheitsvorsorge und des BGF oder BGM muss und kann für die Unternehmen nur dann zukunftsweisend sein, wenn es durch die Summe der Maßnahmen gelingt, die Zukunft des Mitarbeiters positiv zu fördern, ihn für das Unternehmen und seine Ziele zu begeistern und nachhaltig dafür zu gewinnen. Erfolgreich sind die Unternehmen, die den Mitarbeiter dabei in den Mittelpunkt stellen. Denn das machen die meisten Unternehmen weiterhin oder immer noch nicht. Becker: Viele haben womöglich Angst davor, Unternehmen zu kontaktieren und sich dabei ggf. eine Abfuhr einzuholen. Als Vertriebler musst du heutzutage auch zu diesen Themen fachlich fundiert aufgestellt sein und wissen „was Sache ist“, wenn du angesprochen wirst. Wir haben uns hierfür beispielsweise extra einen Demografieberater mit ins Boot geholt, um unser Angebotsportfolio noch zielgruppengerechter auszurichten. Ich denke in diesem Zusammenhang gerade auch z. B. an spezielle Tarife, die sich den individuellen Bedürfnissen eines Unternehmens exakt anpassen können. finanzwelt: Wie schaut es anbieterseitig aus? Ist man da auf gutem Wege, dem Vertrieb hier unter die Arme zu greifen, damit das Ganze an Fahrt gewinnt? Albrecht: Die Anbieterseite beschränkt sich im Regelfall noch zu sehr darauf, ihre Produkte lediglich ins Schaufenster zu stellen. Aber gerade im Segment der bKV müssen sich Angebote noch individueller in die jeweiligen Prozesse eines Betriebs einbinden lassen. Das bedeutet, dass wir uns als Produktgeber an dieser Stelle noch mehr einbringen müssen. Erste erfolgversprechende Ansätze individueller Arbeitgeber/Arbeitnehmer-Produkte sind ja bereits da. Das Ganze muss sich allerdings vermittlerseitig noch weit stärker durchsetzen, als dies bisher geschehen ist. Die bKV als ideales Mittel, um Mitarbeiter an sich zu binden und dazu auch noch die eigene Fehlarbeitszeitquote zu drücken, sind Argumente, die eindeutig verkaufsfördernd wirken. Es muss nur weit offensiver kommuniziert werden. Becker: Wir sehen Gesundheitsmanagement, -förderung und bKV allesamt als umsatzförderliche Zahnräder, die idealerweise ineinandergreifen und allen Beteiligten unmittelbar und nachhaltig zugutekommen. Gerade die bKV stellt sich für uns auch vertriebsseitig als idealer, dazu stornofreier Türöffner mit interessanter Perspektive für Folgegeschäfte dar. Zu alledem können private Zusatzversicherungen ein insgesamt probates Mittel sein, um Kunden Alternativen gegenüber einem vermeidlich vorschnellen Wechsel in einen PKV-Volltarif aufzeigen zu können. GKV und privater Zusatz ist eine kundenseitig attraktive Kombi-Lösung. Übrigens haben wir feststellen können, dass jeder Versicherte, der über eine private Zusatzversicherung verfügt, doppelt so lange bei uns bleibt, als wenn dies nicht der Fall ist. Insofern plädieren wir auf dieser Ebene ganz offen für mehr Kooperation mit den Kollegen des PKV-Lagers. finanzwelt: Klingt nach Joint-Venture-Angebot. Läge eine grundsätzlich engere Verzahnung auch im ureigenen Interesse der PKV? Albrecht: Prinzipiell spricht nichts dagegen. Systemisch betrachtet steht ein praktikables Format aber noch aus. Schneider: Man darf bei allem gegenseitig ausgesprochenen „good will“ natürlich nicht vergessen, dass wir es hier mit 2 völlig unterschiedlichen Systemen zu tun haben, deren Kalkulationsgrundlagen und Zielgruppenausrichtung auf äußerst unterschiedlichen Fundamenten fußen. Becker: Synergiepotenziale sind nichtsdestotrotz aus unserer Sicht nicht von der Hand zu weisen. Ob nun Ergänzungstarife für Verbraucher, Rabattverträge mit Ärzten oder Mehrwertangebote für Mitglieder. Es gibt eine Reihe spannender Themen, bei der sich eine gemeinsame Schnittmenge von GKV, PKV und professionellem Gesundheitsmanagement ausmachen lässt. finanzwelt: In Sachen Gesundheitsmanagement und Präventionsengagement hat es den Anschein, dass diese – Stand heute – immer noch mit einer vergleichsweise verhaltenen Öffentlichkeitswahrnehmung und Akzeptanz einhergehen. Oder täuscht der Eindruck? Albrecht: Es gibt ja immer wieder Aufklärungskampagnen und punktuelle Maßnahmen, wie beispielsweise die Kampagne des PKV-Verbands zum Thema Alkoholkonsum. Diese macht sicherlich Sinn, zeigt aber nur nachhaltig Wirkung, wenn man sie über Jahre bedient. Man muss sich im Klaren sein, dass Verhaltensänderung Zeit braucht. Moderne Aufklärungsmethoden mithilfe digitaler Kommunikationskanäle können an dieser Stelle vielleicht künftig effektivere und kostensparende Möglichkeiten schaffen. Ich denke hier exemplarisch an Telemedizin, sprich: die persönliche Beratung über digitale Medien. Feldversuche lassen bereits erkennen, dass in diesem Bereich großes Potenzial schlummert. finanzwelt: Als ausgewiesener Gesundheitsexperte mit nunmehr über 30-jähriger ärztlicher Berufserfahrung fragen wie Sie, Herr Dr. Weingart: An welchen Stellschrauben gilt es aus Ihrer Sicht noch zu drehen, damit sich unser Gesundheitssystem auch künftig auf derart hohem Niveau behaupten kann? Dr. Weingart: Ein großes Problem sehe ich darin, dass weiterhin viele falsche medizinische Dogmen gepredigt werden. Diese tragen nämlich eine Mitschuld an dem Vertrauensverlust in so manche medizinische Information. Unser Expertenteam hat nach jahrelangen Analysen feststellen müssen, dass grundlegende Informationen, um Menschen jung und gesund zu halten, sie in ihrer Entwicklung zu unterstützen, einfach nicht klar und verständlich vermittelt werden. Kein bisheriges BGF System geht auf die Probleme des demografischen Wandels ein. Sehenden Auges marschiert man reaktionslos in die tiefgreifenden Änderungen für die gesamte Volkswirtschaft und den Wohlstand der Menschen. Die damit verbundenen Probleme stellen eine geradezu schicksalhafte Herausforderung dar, die zwingend thematisiert werden muss unter anderem auch in einem Betrieblichen Gesundheitsförderungskonzept (BGF). All das zusammen war Herausforderung genug, ein völlig neuartiges betriebliches Gesundheitsförderungskonzept – DOC OFFICE BGF® – zu entwickeln, das Zeug dazu hat, die Zukunft der Mitarbeiter zu verändern.   (Roundtable , finanzwelt extra 03/2016 , Krankenversicherung)