Schnäppchenpreise bei DAX-Titeln?

Dr. Thomas Heidel, Leitung Research Fidal AG / Foto: © Fidal AG

Was ist los mit den deutschen Aktien? Mit dem starken Dow Jones Anstieg im dritten Quartal 2018 konnte der DAX als deutsches Pendant nicht mithalten, ist aber bei der Achterbahnfahrt der Kurse im Oktober nach unten mit dabei. Viele Anleger fragen sich, ob die Talfahrt der Kurse weitergeht oder schon ein Boden gefunden ist.

Die Probleme deutscher Aktiengesellschaften resultieren zum einen auf der internationalen Ebene. Von dem durch US-Präsident Donald Trump ausgelösten Handelskonflikt zwischen den USA und dem Rest der Welt, war besonders Deutschland als exportoffensivem Land betroffen. Die DAX-Konzerne erzielen rund drei Viertel ihrer Erlöse im Ausland.

Die Freizügigkeit des Warenhandels innerhalb eines gemeinschaftlichen Europas ohne Grenzen eröffnet gerade den deutschen Firmen mit ihren international gesuchten Produkten hervorragende Absatzchancen. Laut einer Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft würden bei einem Austritt Großbritannien aus der EU ohne Freihandelsabkommen jährliche Zollbelastungen auf deutsche Firmen (besonders auf die Automobilindustrie) in Höhe von drei Milliarden Euro zukommen. Fünf Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung sind direkt oder indirekt vom Handel mit Großbritannien abhängig. Die Neuverschuldungspläne der italienischen Regierung bergen ein hohes Konfliktpotenzial.

Die Wirtschaftsstimmung im Euroraum hat sich in diesem Monat erneut eingetrübt. Das Wirtschaftswachstum war laut ersten Schätzungen im dritten Quartal mit 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal bzw. 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal so schwach wie seit langem nicht mehr. Im zweiten Quartal hatte der Anstieg des Bruttoinlandsproduktes noch bei 2,2 Prozent gelegen. Italiens Wirtschaft hat im abgelaufenen Quartal ein Nullwachstum realisiert. Nach Einschätzungen der Deutschen Bundesbank könnte auch das deutsche Wirtschaftswachstum im dritten Quartal vorübergehend zum Erliegen gekommen sein.

In den Quartalsberichten der letzten Wochen war bei einigen DAX-Konzernen von schlechteren Geschäften oder reduzierten Gewinnerwartungen zu lesen. Am stärksten hat es die Automobilbranche getroffen. Daimler und BMW senkten im Zuge der Rabattschlachten mit den Konkurrenten, der Dieselaffäre und der Zertifizierung von Fahrzeugen nach dem neuen WLTP-Emissionstestverfahren die Prognosen. Ebenso betroffen sind natürlich auch die Zulieferer, wie auch der Reifenhersteller Continental, der seine Erwartungen zurückschrauben musste. Auch Chemiefirmen wie BASF und Covestro sind mit ihrer Geschäftsentwicklung nicht zufrieden. Der Baustoffkonzern HeidelbergCement reduzierte seine Gewinnerwartungen unter anderem wegen gestiegener Energiekosten. Unter den hohen Flugbenzinpreisen litt ebenfalls die Deutsche Lufthansa.

Das Kursgewinnverhältnis (KGV) setzt als ertragsorientierte Kennzahl den Aktienkurs ins Verhältnis zum Gewinn pro Aktie und das Kursbuchwertverhältnis (KBV) vergleicht als substanzorientierte Kennzahl den Aktienkurs mit dem Buchwert, der sich in der Bilanz aus dem Eigenkapital geteilt durch die Anzahl der ausgegebenen Aktien ergibt. Das Kursziel der Analysten ergibt sich als Mittelwert der Kursprognosen der Analysten auf Sicht von zwölf Monaten.

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