Schluss mit dem Gejammer über die US-Zinsstrukturkurve!

Lukas Daalder, Chief Investment Officer von Robeco Investment Solutions / Foto: © Robeco

„Befürchtungen, dass eine invertierte Zinsstrukturkurve in den USA eine Rezession ankündigt, sind völlig unangebracht”, davon ist Lukas Daalder überzeugt. Robecos Chefanlagestratege erklärt in seinem aktuellen Monatskommentar, warum die abflachende Kurve, die die Renditeunterschiede zwischen Staatsanleihen mit kürzeren und längeren Laufzeiten anzeigt, kein schlechtes Omen ist – und welche Rolle die US-Notenbanker dabei spielen.

„Die flachere US-Zinsstrukturkurve hat zu großer Unruhe geführt, da viele Anleger dies als Zeichen für das Ende der Wachstumsphase in den USA deuten”, erklärt Lukas Daalder, Chief Investment Officer bei Robeco Investment Solutions. Daalder begründet seine Beobachtung mit der Historie: Seit Mitte der 1970er Jahre ist allen Rezessionen eine Phase mit umgekehrter Zinsstrukturkurve vorausgegangen, bei der die Rendite zehnjähriger Papiere niedriger war als die zweijähriger Anleihen. Dieses Phänomen war ein korrektes Signal bei fünf von fünf Rezessionen.

Abbildung 1: Eine fallende Zinsstrukturkurve steht für Unheil – so wirkt es jedenfalls. Quelle: St. Louis Fed, Robeco

„Obwohl der Kurvenverlauf ein zuverlässiger Frühindikator zu sein scheint – für mich sprechen mehrere Gründe dafür, dass das ganze Thema um eine kurz bevorstehende Rezession völlig übertrieben ist”, so der Robeco-Experte.

Vorsicht vor falschen Signalen

Für Daalder ist eine invertierte Zinsstrukturkurve als Frühwarnsystem nicht unfehlbar. Das gelte vor allem dann, wenn sich die Durationen der verwendeten Anleihen ändern (siehe Abbildung 2). „Die Sache sieht schon anders aus, wenn wir das Zeitfenster etwas erweitern, zum Beispiel durch einen Wechsel von der Rendite 2-jähriger Schatzanleihen zu einem 3-Monats-Zinssatz. Hier haben wir nun zwei falsche Signale: Weder die Invertierung von 1966 noch die von 1998 waren Vorzeichen einer Rezession. Es ist somit klar, dass die Zinsstrukturkurve nicht immer als zuverlässiges Frühwarnsystem fungiert hat. Und es ist fraglich, ob sie in den heutigen Zeiten der Zentralbankinterventionen an den Anleihemärkten immer noch dasselbe Prognosepotenzial wie zuvor hat”, erklärt der Robeco-Stratege.

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