Schleppende Platzierungen bei geschlossenen AIF´s

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Kaum Emissionstätigkeit im dritten Quartal. Sieben Fonds länger als ein Jahr im Vertrieb. Fokus der Anbieter verschiebt sich weiter von privaten zu institutionellen Investoren.

(fw) Im dritten Quartal 2015 wurden nur fünf geschlossene Alternative Investmentfonds (AIF) für Privatanleger emittiert. Das kumulierte Eigenkapitalvolumen beträgt dabei nur 106,3 Mio. Euro:

  • Buss – Investment 1 (Container; EK: 15 Mio. Euro)
  • IMMAC Austria Sozialimmobilie XIV (Immobilien; EK: 26,3 Mio. Euro; Scope Rating: a-AIF)
  • ÖKORENTA Erneuerbare Energien VIII (Erneuerbare Energien; EK: 15 Mio. Euro)
  • WealthCap Private Equity 19 (Private Equity; EK: 37,5 Mio. Euro)
  • WealthCap Private Equity 20 (Private Equity; EK: 12,5 Mio. Euro)

Zum Vergleich: Im Vorquartal wurden noch 14 Fonds mit einem geplanten Eigenkapitalvolumen von insgesamt 355 Mio. Euro emittiert.

Was sind die Gründe für den Rückgang der Emissionen in Q3? Neben der Schwierigkeit, attraktiv gepreiste Assets anzukaufen, ist nach Ansicht von Scope vor allem die zähe Platzierungsgeschwindigkeit ein wesentlicher Grund für die vergleichsweise geringe Emissionsaktivität der Anbieter. Von 38 geschlossenen Publikums-AIF, die seit Inkrafttreten des KAGB aufgelegt und von Scope untersucht wurden, befinden sich noch 24 in der Platzierung. Sieben Fonds sind bereits länger als ein Jahr im Vertrieb.

Zum Hintergrund: Scope Ratings hat die Platzierungsstände und -zeiträume von 38 geschlossenen AIF untersucht, die seit Inkrafttreten des KAGB im Juli 2013 bis zum September 2015 emittiert wurden und zu denen belastbare Platzierungsdaten vorliegen. Diese 38 Fonds haben ein geplantes Eigenkapitalvolumen in Höhe von insgesamt 1,8 Mrd. Euro.

Ergebnis: Von den 38 Fonds konnten immerhin 14 Fonds inzwischen vollständig platziert werden. Die durchschnittliche gewichtete Platzierungsdauer betrug 8,6 Monate – das Spektrum reicht dabei von einem halben Monat bis zu 16 Monaten.

24 Fonds befinden sich hingegen noch in der Emission. Der durchschnittliche, nach Eigenkapitalvolumen gewichtete Platzierungsstand dieser Fonds liegt bei knapp über 30%. Sieben Fonds sind zudem bereits länger als ein Jahr im Vertrieb.

Besonders bei den großen, nicht risikogemischten Fonds gestaltet sich die Platzierung zum Teil zäh. Der Grund: Banken und Vertriebe ziehen risikogemischte Produkte in der Tendenz vor, da die Anforderungen und Dokumentationspflichten im Vertrieb geringer sind als bei klassischen Ein-Objekt-Fonds.

Nischensegmente mit hohem Platzierungstempo
Entgegen dem Trend beschleunigt sich die Platzierung in Nischensegmenten. Dies gilt vor allem für Pflegeimmobilienfonds der Initiatoren IMMAC und INP. Sie konnten ihr Eigenkapital in durchschnittlich nur 2,6 Monaten vollständig einsammeln.

Ein noch höheres Platzierungstempo zeigte der Einzelhandelsfonds Hahn – Pluswertfonds 163 (EK: 22,2 Mio. Euro). Er konnte in lediglich 1,4 Monaten vollständig platziert werden. Damit hat sich der Trend hin zu Nischensegmenten, den Scope bereits in 2012 prognostiziert hat, weiter fortgesetzt.

Ein Grund für den Erfolg: Zahlreiche Nischenanbieter haben eine etablierte und treue Anlegerschaft, die Ausschüttungen oder Rückflüsse aus aufgelösten Fonds dem gleichen Anbieter erneut anvertrauen.

Neben den Nischenanbieter/-fonds gibt es aber auch in den klassischen Segmenten Fonds mit nur kurzer Platzierungsphase. Beispielhaft sei hier der risikogemischte Fonds von Hannover Leasing „Die Direktion Münster“ genannt. Dieser konnte das prospektierte EK-Volumen in Höhe von 28,2 Mio. Euro in weniger als drei Monaten ausplatzieren.

Ausblick
Der Markt für geschlossene AIF befindet sich weiterhin in einer Konsolidierungsphase. Nischenprodukte und risikogemischte AIF haben derzeit im Vertrieb die Nase vorn. Bei den nicht-risikogemischten Fonds werden die Anforderungen für Vertriebe insbesondere hinsichtlich des Nachweises zur Eignung der Kapitalanleger weiterhin für Zurückhaltung sorgen.

In Kürze wird Scope die Ergebnisse der Marktbefragung veröffentlichen. Sie geben weitere Einblicke in das Stimmungsbild der Branche.

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