Schadet die Geldpolitik mehr als sie nützt?

Mark Burgess zur aktuellen Lage an den Märkten

Die Sommermonate waren angesichts der wirtschaftlichen und politischen Herausforderungen und Schocks, mit denen wir uns in der ersten Hälfte des Jahres 2016 konfrontiert sahen, eindeutig durch Unsicherheit und Volatilität gekennzeichnet. Doch im Großen und Ganzen blieb es an den globalen Märkten relativ ruhig, da die Liquiditätsspritzen der Zentralbanken in das Finanzsystem die Anleger weiterhin zuversichtlich stimmten und die Bewertungen von Vermögenswerten stützten.

Den meisten Marktbeobachtern ist jedoch klar, dass die Anreizmaßnahmen der Zentralbanken und insbesondere das Anleihenkaufprogramm der EZB an den globalen Märkten zu Verzerrungen führen. Wir sind uns durchaus bewusst, was dies für die globalen Zinssätze und darüber hinaus für die Defizite von Pensionsplänen, die Unternehmensgewinne und relativen Bewertungen bedeutet. Es ist zweifelhaft, ob die Konjunktur mit diesem geldpolitischen Kurs wirklich angekurbelt wird. Eine der zentralen Fragen ist nun, ob wir – vor allem in Großbritannien und Europa – in eine Lage geraten, in der die Behandlungsmethode schädlicher sein könnte als die Krankheit selbst.

Ohne quantitative Lockerung würden die Renditen von Anleihen aus Kernländern sicherlich steigen. Schwieriger abzuschätzen ist dagegen, welche Entwicklung ohne quantitative Lockerung mit Blick auf das hohe globale Schuldenniveau sowie die Schwäche und Anfälligkeit des Finanzsystems zu erwarten wäre. Ohne die Maßnahmen der Zentralbanken wäre die Lage vermutlich noch misslicher. Dennoch kann nicht geleugnet werden, dass die geldpolitischen Anreize zu einer Verzerrung der Bewertungen von Vermögenswerten geführt haben.

So war in den letzten Wochen insbesondere an den Rentenmärkten eine bemerkenswerte Entwicklung zu beobachten, sowohl bei Unternehmens- als auch bei Staatsanleihen. Europäische Hochzinsanleihen legten kräftig zu und erreichten ein Niveau, das uns früher zu einer Verringerung unseres Engagements veranlasst hätte. Britische Staatsanleihen mit längeren Laufzeiten verzeichneten seit dem britischen Referendum zur EU-Mitgliedschaft ein Plus von mehr als 30 % und ließen damit die Aktienmärkte weit hinter sich. Diese Entwicklung ging natürlich weitgehend mit einem Einbruch der Renditen einher.