Sarasin: Globaler Aufschwung gibt Aktienmärkten Rückenwind

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Seit Jahresbeginn kennen die Aktienmärkte nur eine Richtung: aufwärts. Skeptiker kommentieren dazu: “Alles nur Liquidität!“. Wie nachhaltig ist diese Erholung der Finanzmärkte vor dem Hintergrund der makroökonomischen Marktlage? Jan Amrit Poser, Chefökonom der Bank Sarasin & Cie AG, sieht positiv in die Zukunft.

(fw/ah) “Tatsächlich hat die Europäische Zentralbank die Geldschleusen geöffnet, um eine drohende Kreditklemme abzuwenden. Damit hat sie aber auch die konjunkturelle Abwärtsspirale gestoppt. Zugegeben ist dies keine hinreichende Bedingung für einen Aufschwung, dafür jedoch eine notwendige. Skeptiker merken zudem an, dass die für den Monat Januar veröffentlichten Exportzahlen aus Asien erstmals seit zwei Jahren wieder einen Rückgang aufweisen. Noch stärker als in China (-1,4 % yoy) war der Rückgang der Exporte in Südkorea und Taiwan, wo die Ausfuhren um -6,6 Prozent beziehungsweise -16,8 Prozent im Jahresvergleich einbrachen. Bei genauem Hinsehen wird jedoch offensichtlich, dass die asiatischen Daten aufgrund des chinesischen Neujahrsfestes, das zwischen Januar und Februar hin- und herwandert, immer erheblichen Schwankungen ausgesetzt sind. Eine Überprüfung der Einkaufsmanagerindizes der asiatischen Länder zeigt, dass sich die Stimmung im Januar nicht verschlechtert, sondern im Gegenteil verbessert hat. Dies deutet auf höhere Exporte und Industrieproduktion in den kommenden Monaten hin.

Die Erholung der Stimmungsindikatoren Asiens ist eine direkte Folge des Aufwärtstrends der US-Industrieindikatoren über die Auftragseingänge. Diese haben schon im vierten Quartal 2011 eine Talsohle erreicht, ungeachtet der Eskalation der Euroschuldenkrise im Dezember. Tatsächlich scheinen Unternehmen, sowohl in den USA als auch im Rest der Welt, im Zuge der Unsicherheiten um die Euroschuldenkrise und die Schuldengrenze der USA im Sommer 2011 übervorsichtig geworden zu sein. Sie haben die Lagerbestände reduziert und Aufträge zurückgefahren oder kurzfristiger terminiert. Gegen Ende des Jahres realisierten die Industrieunternehmen, dass die Produktion zu gering war um die Nachfrage zu befriedigen und fuhren den Output wieder hoch. Die USA sind zwar seit der Finanzkrise nicht mehr die Lokomotive der Weltkonjunktur und haben im Zuge des Aufstiegs der Schwellenländer an Bedeutung verloren. Doch die Globalisierung führt dazu, dass die Welt enger vernetzt und der Konjunkturzyklus globaler geworden ist. Die US-Konjunkturindikatoren stehen also stellvertretend für den globalen Zyklus. Dieser befindet sich demnach ganz klar im Aufschwung. Die Analysen der Bank Sarasin zeigen, dass Europas Geschäftsklima dem Rest der Welt immer ein bis zwei Quartale hinterherläuft. Daher ist davon auszugehen, dass Europa ab dem zweiten Quartal 2012 wieder wachsen wird. Der globale Aufschwung sollte die Aktienmärkte bis in den Sommer hinein beflügeln.”

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