Safe-Haven-Effekt

Michael Blümke, Portfolio Manager für die Asset Allokation des Fonds Ethna-AKTIV / Foto: © ETHENEA

Der Ethna-AKTIV feierte Mitte Februar sein 20-jähriges Jubiläum. finanzwelt nahm dies als Anlass zum Gespräch mit Michael Blümke, einem der Lead Portfolio Manager für die Asset Allokation des Fonds.

finanzwelt: Geopolitik und Inflationssorgen sind aktuell die zentralen Schlagwörter am Kapitalmarkt. Welche Lehren haben Sie aus den vergangenen Wochen/Monaten
gezogen?
Michael Blümke» Bei Inflationsdaten und noch viel mehr bei geopolitischen Krisen ist eine exakte Prognose nicht möglich. Beides hängt von vielen sich gegenseitig beeinflussenden Determinanten ab, so dass wir Szenarioanalysen nutzen. Die gern zitierte Börsenweisheit ‚politische Börsen haben kurze Beine‘ ist so lange richtig, wie sich durch eine Krise nicht auch das fundamentale wirtschaftliche Umfeld ändert. Im Zuge der Ukraine-Krise werden aber Sanktionspakete und die hohe Unsicherheit um Rohstoffpreise sowohl Wachstums- als auch Inflationszahlen – insbesondere in Europa – negativ beeinflussen. Dementsprechend haben wir den Ethna-AKTIV nicht nur insgesamt defensiver positioniert, sondern auch das Exposure zu Europa reduziert.

finanzwelt: Ihr Flaggschiff-Fonds orientiert sich an keiner Benchmark. Flexibilität pur. Wie wichtig ist Ihnen dieses Merkmal?
Blümke» Sehr wichtig. In der großen Masse der konservativen Multi-Asset-Fonds ist dies – natürlich neben guten Rendite-Risiko-Kennziffern – ein wichtiges Abgrenzungskriterium. Gerade diese Flexibilität erlaubt es uns, gelegentlich auch mal unkonventionelle Positionierungen einzugehen. Hierbei geht es nicht darum, bewusst anders sein zu wollen, sondern darum, für den Kunden, der in der Regel verschiedene Produkte in seinem Depot hat, tatsächlich diversifizierend zu wirken.

finanzwelt: Staatsanleihen dien(t)en als Mittel zur Stabilisierung und Diversifizierung in Multi-Asset-Portfolios. Trifft das auch weiter zu?
Blümke» Absolut. Natürlich sprechen wir in diesem Zusammenhang fast ausschließlich über US-amerikanische und deutsche Staatsanleihen, die aktuell hinsichtlich der Bonität über jeden Zweifel erhaben sind. Zwar ist bei den aktuellen Renditeniveaus der zu erwartende Performancebeitrag geringer als im Schnitt der letzten 30 Jahre, jedoch gilt es, im Portfoliokontext weitere Eigenschaften zu berücksichtigen: In der Regel gehen stärkere Kursverluste bei Aktien mit einer Reallokation in Staatsanleihen einher, was zu fallenden Renditen und steigenden Staatspapieren führt. Dieser Safe-Haven-Effekt wird auf absehbare Zeit weiter funktionieren. Zusätzlich ist anzumerken, dass im Krisenfall über den Verkauf von Staatsanleihen Liquidität zu geringen Opportunitätskosten bereitgestellt wird.

finanzwelt: ESG ist das übergeordnete Thema der Zeit. Inwiefern berücksichtigen Sie das im Fonds?
Blümke» ESG hat für Kunden und uns einen hohen Stellenwert. Kapitalanleger müssen der Verantwortung, die sie durch die finanziellen Mittel erhalten, auch gerecht werden. Mittelfristig wird noch viel stärker differenziert werden zwischen ESG-konformen und nicht konformen Investments. Alle unsere Fonds sind Artikel 8 Fonds nach der EU-Offenlegungsverordnung. In Zusammenarbeit mit Sustainalytics stellen wir sicher, dass neben den üblichen Ausschlüssen gewisse Minimum-Standards bei jedem Investment erfüllt werden. Darüber hinaus ergänzt die individuelle ESG-Analyse die grundsätzliche Risiko-Rendite-Betrachtung bei der Evaluierung jedes einzelnen Investments. (ah)