Rücken- oder Gegenwind?

finanzwelt: Wie schätzen Sie in diesem Kontext die Attraktivität der Emerging Markets in 2019 ein? Wo lohnt ein Investment?
Eilers» Interessant sind langfristig Indien als größte Demokratie weltweit oder auch China nach den deutlichen Rückgängen. Gleiches gilt auch für die Fast-Emerging-Markets, wie beispielweise die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien, die Philippinen, Indonesien, Vietnam etc. Dort sollten die Wachstumsraten signifikant bleiben. Brasilien hingegen sehen wir nach dem extremen Anstieg eher kritisch. Falls der erhoffte wirtschaftliche Aufschwung nicht kommen sollte, besteht ein erhebliches Rückschlagrisiko.
von Königsmarck» In Hartwährungen gerechnet, haben wir in den vergangenen Monaten bereits eine starke Entwicklung in den Emerging Markets gesehen. Im Vergleich zum Beispiel zu US-Investmentgrade-Anleihen oder US-High-Yield-Anleihen ist der Bereich Emerging Markets Debt weiterhin attraktiv. Anleger sollten allerdings beachten, dass wir nach der jüngsten Rallye nun in eine Phase der Konsolidierung eintreten könnten. Zu den Ländern, deren Anleihen weiterhin gut performen dürften, zählen die Türkei, Argentinien und die Ukraine. Diese Länder haben zwar jeweils spezifische Besonderheiten und Probleme, bieten aber aus Sicht unserer EMD-Experten derzeit interessantes Potenzial. Aber auch im Bereich EMD ist es sinnvoll, die Risiken breit zu streuen, zum Beispiel mittels eines ETF oder eines aktiv gemanagten Fonds.

finanzwelt: Neben der breiten Streuung über Anlageklassen und -stile hat in den vergangenen Monaten ein Trend an Fahrt aufgenommen – nachhaltiges Investieren. Wird „grün“ jetzt Mainstream?
von Königsmarck» Wir sehen, dass der Faktor Nachhaltigkeit für Investoren eine wachsende Bedeutung hat – insbesondere im Bereich ETFs. Eine wachsende Zahl von Anlegern wünscht sich, dass Asset Manager ihre Einflussmöglichkeiten nutzen, um einen positiven Einfluss auf die Unternehmensführung auszuüben. Wir arbeiten deshalb aktiv mit Unternehmen zusammen, um eine starke Governance zu gewährleisten, die zu einer langfristigen Performance führt – auch bei passiven Investitionen. Eilers» Nachhaltiges Investieren klingt zunächst wunderbar! Leider sind nur die Definitionen, was Nachhaltigkeit überhaupt bedeutet, extrem vielfältig. Das macht nachhaltiges Investieren letztendlich schwierig. Auch die Abgrenzung ist überaus schwer: Ist ein Hersteller von Dichtungsringen, die auch für Militär-Jets oder Panzer gebraucht werden können, überhaupt für ein Investment geeignet? Wirklich nachhaltiges Investieren fällt aus den genannten Gründen schwer, zumal jeder Anleger eigene Kriterien und Schwerpunkte setzt.

finanzwelt: Herr Grünewald, Berater und Anleger müssen sich nicht nur um die „richtige“ Portfolioaufstellung Gedanken machen, der ganze Prozess wird auch von viel Dokumentation begleitet. Wie fällt Ihr Fazit von mehr als einem Jahr MiFID II aus?
Grünewald» Natürlich begrüße ich einen verbesserten Anlegerschutz und somit eine passende Regulierung der Finanzbranche. Hierzu gehört eine umfassende Informationspflicht rund um die angebotenen Produkte und Dienstleistungen sowie eine hohe Kostentransparenz. Insoweit begrüße ich den Kostenausweis eindeutig. So weit, so gut! Aber was wir derzeit aufgrund der europäischen Finanzmarktrichtlinie erleben, ist für Anleger und Finanzdienstleister ein Bürokratie-Tsunami. Die Dokumentationspflichten überfordern sowohl Kunden als auch Dienstleister. Der Anleger überblättert die Informationen nur noch bzw. er klickt in der digitalen Welt auf „Weiter“ und bestätigt per Haken setzen etwas gelesen zu haben, was er noch nicht einmal geöffnet hat. Die Eintrittshürden für eine individuelle Betreuung liegen aufgrund des gestiegenen Aufwandes mittlerweile so hoch, dass Privatanleger zunehmend aus dem Kreise der Zielkunden herausfallen. Dies kann und darf nicht Ziel des Anlegerschutzes sein! (hsd)