Rücken- oder Gegenwind?

finanzwelt: Gleichwohl ist die Gefahr einer Konsolidierung nicht gänzlich gebannt. Wird es ein „unruhigeres“ zweites Halbjahr geben?
Philipp Graf von Königsmarck» Trotz unseres grundsätzlich positiven Börsenausblicks und trotz des zyklischen Rückenwindes dürfte den Investoren in der Tat weiterhin Gegenwind ins Gesicht wehen. Bedingt wird der Gegenwind auf längere Sicht durch strukturelle Faktoren wie der demografischen Entwicklung, dem Verschuldungsgrad und der Ungleichheit im Hinblick auf die Einkommen in einzelnen Ländern sowie dem neuen politischen Paradigma des Populismus. Hinzu kommen kurzfristige politische Risiken wie der aktuelle Handelsstreit zwischen den USA und China. Wir sind der Meinung, dass Anleger vor diesem Hintergrund weiterhin global diversifiziert bleiben sollten, um die Auswirkungen von geopolitischen Risiken abzufedern. Zudem sind Anleger gut beraten, auf langfristige Investmenttrends zu setzen, die kurzfristigen Faktoren weniger stark unterworfen sind.
Eilers» Es ist damit zu rechnen, dass das zweite Halbjahr deutlich ungemütlicher wird als die ersten Monate dieses Jahres. Es gibt einige weltpolitische Fußangeln. Die US-Administration unter 21Trump ist und bleibt unberechenbar. Neben den Zoll-Unsicherheiten spielen auch außenpolitische Themen immer wieder eine Rolle, allen voran der Dissens zwischen den USA und dem Iran. Die Sanktionen schlagen sich bereits auf die Öl-Fördermenge nieder, und damit sind bereits steigende Ölpreise sichtbar. Nun ist die Frage, welche wirtschaftlichen Rückgänge in den Aktienmärkten eingepreist sind. Wahrscheinlich werden sich Bullen und Bären in Form von deutlich volatileren Aktienmärkten abwechseln und die Nervosität der Anleger entsprechend zunehmen. Sofern Anleger mit einem unruhigen Jahr rechnen, könnte es sinnvoll sein, langlaufende Verkauf-Optionen auf den DAX, bzw. den S&P500 zu kaufen, deren Basispreise deutlich unter dem aktuellen Niveau liegen. Damit kann man Depots gegen extrem fallende Kurse absichern.

finanzwelt: Nun fiel schon das Stichwort der globalen Diversifikation im Portfolio. Welche regionalen Schwerpunkte favorisieren Sie derzeit?
Grünewald» Favorisiert sind unsererseits breit gestreute Investitionen in dividendenstarken Weltmarktführer, deren Geschäftsmodelle an den globalen Entwicklungen (beispielsweise demografische Entwicklung und steigender Konsum in den aufstrebenden Staaten) langfristig partizipieren und deren Unternehmenswert nicht bereits überbewertet ist. Darüber hinaus sollte als Ergänzung insbesondere der Blick nach Asien und hier insbesondere nach China nicht vergessen werden.
von Königsmarck» Generell empfiehlt es sich für Anleger, ihre Investments breit über Länder hinweg zu streuen, um die Risiken in ihrem Portfolio zu reduzieren. Interessant sind bei einer global ausgerichteten Asset Allokation derzeit die Anlageregionen Europa und USA. Wir vertrauen hierbei auf die Einschätzungen unseres Multi Asset-Teams, wonach die Aktienmärkte in Japan und Europa derzeit attraktivere Bewertungen aufweisen als die USA. Und wir teilen die Ansicht, dass es sich durchaus lohnen könnte, den Blick auf China zu richten. China hat ein umfangreiches Konjunkturprogramm gestartet. Das bestärkt uns in der Überzeugung, dass sich die chinesische Wirtschaft in den kommenden Monaten erholen wird.

Wie die Experten die Emerging Markets und den Nachhaltigkeitsbereich einschätzen, lesen Sie auf Seite 3