Rohstoffe bieten gute Anlagechancen

Wolfgang Schrage (li) und Yanjun Gast (re) , Rohstoff-Experten der LBBW Asset Management / Fotos: © LBBW

Die Erholung der chinesischen Wirtschaft und der zunehmende Einsatz von Elektroautos sorgen für eine dauerhaft hohe Nachfrage – vor allem nach Metallen. Ein Kommentar von Yanjun Gast und Wolfgang Schrage, Rohstoff-Experten der LBBW Asset Management.

Nach ihrer jahrelangen Talfahrt haben sich die Preise der meisten Rohstoffe wieder erholt. Die anhaltende Aufhellung der Weltkonjunktur hat dazu ebenso beigetragen wie die Tatsache, dass viele Produzenten ihre Kapazitäten angepasst haben. Bei einigen Industriemetallen wie etwa Kupfer ist die Marktsituation sogar ins Gegenteil umgeschlagen. Die unerwartet anziehende Nachfrage hat den Preis des Buntmetalls in den vergangenen Monaten nach oben katapultiert. Für Anleger ist ein Einstieg in den Rohstoffmarkt derzeit immer noch günstig, denn historisch gesehen liegen die Preise für Rohöl, Gold, und Industriemetalle immer noch auf niedrigem Niveau – und mittel- bis langfristig zeigt der Preistrend nach oben. Dafür sprechen vor allem drei Faktoren: Die zunehmende Elektromobilität, die Stabilisierung der Wirtschaft in China und die Pläne zur Errichtung einer neuen Seidenstraße zwischen China und den etablierten Industriestaaten im Westen.

Insbesondere Industriemetalle erhalten dabei vom Trend zur Elektromobilität einen Schub. Anhand von Angaben der Automobilindustrie ist davon auszugehen, dass die Zahl der Elektroautos bis 2025 um das 25-fache auf rund 50 Millionen steigen könnte. Damit wächst die Nachfrage nach Industriemetallen wie zum Beispiel Lithium und Kobalt, die für die Produktion von leistungsfähigen Akkus benötigt werden. Aber auch klassische Basismetalle sind infolge des zunehmenden Verkaufs von Elektrofahrzeugen stärker gefragt. Nickel zum Beispiel wird heute schon als Substitut von Kobalt verwendet. Und für die Ladestationen und ihre Vernetzung werden große Mengen an Kupfer benötigt.

Für die Preisentwicklung von Basismetallen kommt es auch auf die wirtschaftliche Entwicklung in China an. Mit der Stabilisierung der chinesischen Wirtschaft dürfte die Nachfrage Chinas nach Rohstoffen hoch bleiben – erst recht, wenn die Pläne zum Bau einer „Neuen Seidenstraße“ vorangetrieben werden. Hinter diesem ehrgeizigen Großprojekt verbirgt sich der Bau neuer Handelsrouten von China nach Europa und Afrika. Dies umfasst neue Flug- und Seehäfen, Bahnlinien, Gas- und Stromleitungen – insgesamt beträgt das Investitionsvolumen schätzungsweise rund eine Billion Dollar. Die positiven Effekte dieses Projekts für die Weltwirtschaft und die Rohstoffnachfrage sind derzeit nur grob abzuschätzen, aber sie dürften erheblich sein. Denn grundsätzlich sind Infrastrukturprojekte, wie sie derzeit weltweit notwendig sind, sehr rohstoffintensiv.

Anleger sollten sich allerdings bewusst sein, dass es an den Rohstoffmärkten immer wieder zu Schwankungen kommt. Denn in Hochpreisphasen führen steigende Produktionsmengen zu Angebotsüberschüssen und bewirken fallende Preise. In Niedrigpreisphasen wiederum führen Angebotsverknappungen meist zu steigenden Preisen. Anleger, die die wechselnden Preiszyklen nicht ständig im Blick haben wollen, können auf Fondslösungen zurückgreifen. Erfolgversprechend erscheinen zum Beispiel Fondskonzepte, die regelbasiert entsprechend dem aktuellen Marktszenario in die jeweils aussichtsreichsten Rohstoffe investieren und dabei auch Absicherungsinstrumente nutzen. Das gilt zum Beispiel für den LBBW RS Flex. So ist der Anleger in Aufwärtsphasen zu 100 Prozent investiert, während in Phasen fallender Preise der Rohstoffanteil gesenkt wird. Mit einem solchem Ansatz können Anleger auch Zeiträume mit fallenden Rohstoffpreisen überbrücken und vom langfristigen Aufwärtstrend dieser Anlageklasse profitieren.