Rezession aktuell nicht erkennbar

Jan Meister, Geschäftsführer Meritum Capital Managers GmbH / Foto: © finanzwelt

Das letzte Quartal läuft und es wird langsam Zeit, das Jahr schon einmal Revue passieren zu lassen. Wo gab es Überraschungen? Was waren bis dato eher die Enttäuschungen? Der Gap zwischen den USA und Europa ist offensichtlich. Jan Meister, Geschäftsführer Meritum Capital Managers GmbH, analysiert die Lage und schaut voraus.

finanzwelt: Die US-Wirtschaft brummt noch, Europa schwächelt – ein sehr herausforderndes Jahr 2018. Hat Sie manche Entwicklung überrascht?

Jan Meister: Das gute US-Wirtschaftswachstum im ersten Jahr nach der erfolgten Steuerreform war durchaus zu erwarten. Die wirtschaftlichen Rahmendaten in den USA waren ohnehin schon gut und die Steuersenkungen gaben einen erwartbaren zusätzlichen Schub. Die europäische Entwicklung stellt sich aber besser dar als sie medial dargestellt wird. Anfang dieses Jahres waren die Wachstumszahlen in Europa besser als es mittelfristig zu erwarten wäre, die Abschwächung im Laufe des Jahres ist entsprechend einzuordnen. Wir haben in Europa weiterhin durchaus solides Wachstum. An der Börse zeigt sich aber ein anderes Bild: Hier sind europäische Aktien 2018 im Minus und haben sich deutlich schlechter entwickelt als US-Aktien. Dies hat vor allem mit den politischen Unsicherheiten von Italien ausgehend zu tun. Zudem gibt es in Europa nicht die überragenden Technologiewerte, die in den USA im Index hoch gewichtet sind. Negativ überrascht hat uns die schwache europäische Börsenentwicklung, weil die wirtschaftlichen Eckdaten und die Gewinne der Unternehmen besser sind als an der Börse reflektiert. Der Markt, die EU und vor allem der italienische Sparer wird die italienische Regierung aber zu einem Kompromiss zwingen, der gangbar ist. Immer wenn die politischen Unsicherheiten in Europa in den Hintergrund treten, hellt sich das Börsenbild auf.

finanzwelt: Nun wurden die Wirtschaftsprognosen weltweit gesenkt. Was erwarten Sie für 2019? Wie positioniert sich Meritum?

Meister: 2019 wird sich vor allem das sehr hohe US-Wachstum abschwächen, weil weder die Unternehmensgewinne in Folge der Steuerreform noch die Unternehmensinvestitionen in vergleichbarer zweistelliger Größe weiterwachsen sollten. Es gibt aber auch keinen Grund bereits die nächste Rezession auszurufen. Dafür bräuchte es eine höhere Verschuldung im privaten Sektor oder relevanterer Überkapazitäten. Die Börse ist unseres Erachtens vor allem in Bezug auf Europa und die Schwellenländer zu negativ eingestellt. So leiden Schwellenländer unter Kapitalabflüssen in den US-Dollarraum und Sorgen um einen Handelskrieg. Wenn sich das US-Wachstum aber 2019 verlangsamt, dürfte der Aufwertungsdruck auf den Dollar nachlassen und zudem haben Schwellenländer mittelfristig mehr Wachstumspotenzial. Wir mögen europäische Aktien sowie Anleihen und Aktien aus Schwellenländern. Wegen der niedrigen Zinsen im Euroraum in Verbindung mit der Erwartung, dass die EZB 2019 die Zinswende vollzieht, vermeiden wir hingegen Zinsänderungsrisiken in Euro. Gleichzeitig haben wir erstmals seit der Finanzmarktkrise bei Renditen um 3,25% eine 10-jährige US-Staatsanleihe gekauft, weil wir nicht wesentlich mehr Zinserhöhungen in den USA erwarten als derzeit vom Markt eingepreist wird. Somit ist unser Portfolio gut ausbalanciert.

finanzwelt: Banken sind erneut in den Fokus geraten. Dänemark, Südeuropa als Beispiel. Wie sehen Sie das Attraktivitätspotenzial dieser Branche, auch vor dem Hintergrund von Kryptowährungen, Blockchain etc.?

Meister: Europäische Banken sind eine große Enttäuschung im Jahr 2018, weil sie unter den niedrigen Zinsen, den politischen Unsicherheiten und der Regulierung leiden. Zusätzlich machen den Banken diverse Fintechs das Leben schwerer bzw. erhöhen den Druck auf die Margen. Kryptowährungen dürften hingegen noch reguliert werden und ihren Reiz verlieren. Dies alles ist aber hinreichend bekannt und so notiert der europäische Bankensektor auch nur um den Buchwert, ganz anders als z.B. die US-Konkurrenten. Es wird unseres Erachtens deutlich unterschätzt wie viel Ertragspotenzial die Banken in einem Umfeld mit steigenden Euro-Zinsen haben. Die operativen Kosten wurden in den Banken gesenkt, die Kapitalpuffer der Banken sind hoch und der Regulierungsdruck wird erstmal nicht höher. In einem gesunden wirtschaftlichen Umfeld 2019  in Verbindung mit dem ersten Zinsschritt der EZB sehen wir sehr gutes Potenzial.

finanzwelt: Vermittler sollten mitunter einen Blick auf Ihren Fonds werfen, weil..

Meister: … es keinen vergleichbaren antizyklischen Investor wie uns gibt, der weltweit die verschiedenen Börsen- und Wirtschaftszyklen für sich nutzt. In der Eurozone, wo die Zinsen historisch niedrig sind, sind wir konsequent für die Zinswende positioniert. Gleichzeitig konnten wir dieses Jahr in Schwellenländern zu attraktiven Bewertungen zukaufen. Wer nicht mit dem kurzfristigen Strom schwimmt, sondern auf Bewertungen achtet und langfristig anlegt, wird über die verschiedenen Zyklen hinweg nachhaltig wirtschaften. Diese Philosophie leben nur wir so konsequent und das schon seit über sechs Jahren.