Resignieren Deutsche bei Altersvorsorge?

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Eine Studie von Swiss Life zeigt, dass die Deutschen zwar fürchten, dass sie von Altersarmut betroffen sein könnten, dagegen unternehmen sie allerdings nur wenig. Stattdessen wird mehr staatliche Unterstützung gefordert, auch um Wissenslücken beim Thema Finanzen zu schließen.

Knapp jeder zweite Befragte gab an, dass er es für wahrscheinlich hält, dass er im Alter von Armut betroffen sein könnte. Trotz des Problembewusstseins wird nur wenig unternommen, um der Altersarmut vorzubeugen. So sorgen nur 61 % über die gesetzliche Rentenversicherung hinaus für das Alter vor. Von diesen haben 47 % sowohl eine betriebliche als auch eine private Altersvorsorge. Ausschließlich privat sorgen 40 % und 13 % sorgen nur betrieblich vor. Sowohl bei denjenigen die betrieblich als auch diejenigen die privat für das Alter vorsorgen investiert ca. die Hälfte bis zu 100 Euro monatlich.

Die beliebtesten Instrumente der privaten Altersvorsorge sind die Riester-Rente, die von 40 % der Befragten genutzt wird. Knapp dahinter folgen Sparguthaben (36 %) und Aktien/ Investmentfonds/ ETFs (29 %). Bei der betrieblichen Altersvorsorge wird die Direktversicherung bevorzugt (29 %), knapp vor der Pensionskasse (24 %).

Bei der privaten Altersvorsorge steht für 62 % der Befragten Sicherheit an erster Stelle. Mit deutlichem Abstand folgen Verfügbarkeit (20 %) und Rendite (18 %).

Warum wird auf sonstige Vorsorge verzichtet?

Die Hälfte derjenigen, die die sich bislang rein auf die gesetzliche Vorsorge verlassen, gaben zudem an, in Zukunft nicht aktiv bleiben zu wollen. Doch wird die sonstige Vorsorge so stiefmütterlich behandelt? Mit 57 % häufigste Antwort der Befragten: “Ich kann es mir nicht leisten”. Das könnte auch damit zusammenhängen, dass nur  56 % mit ihrer finanziellen Situation und nur 50 % mit ihrer Anlagestrategie zufrieden sind. Grund hierfür könnte sein, dass 46 % der Befragten ihr Finanzwissen als schlecht oder sogar sehr schlecht einschätzen.

Dazu Jörg Arnold, CEO von Swiss Life Deutschland: „Gerade Geringverdiener müssen stärker unterstützt werden. Im Rahmen des Betriebsrentenstärkungsgesetzes passiert das gerade – ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.“ Dennoch rät er jedem, möglichst früh mit der Vorsorge zu beginnen, selbst wenn nicht viel Geld zur Verfügung steht. „Schon kleine Summen lohnen sich bei einer langen Laufzeit. Hierbei wird oft die Wirkung des Zinseszinseffekts deutlich unterschätzt.“

Lauter Ruf nach Politik

Was tun gegen massenhafte Altersarmut? Nach Meinung von 62 % der Befragten ist hier vor allem die Politik gefordert, denn sie fordern eine Erhöhung der staatlichen Rente. „Ein verständlicher Wunsch – aber woher soll das Geld kommen? Ich kann nur jedem raten, selbst Verantwortung für sich zu übernehmen“, so Arnold. Sein Tipp: „Wer eine attraktive Zusatzversorgung im Alter anstrebt, kommt nicht umhin, sich mit Produkten zu befassen, die weniger garantieren und stattdessen stärker renditeorientiert anlegen. Sehr sichere Renditen gleichen in dieser Ära der Niedrigzinsen nicht einmal die jährliche Geldentwertung aus.“

Immerhin 42 % sprechen sich dafür aus, die betriebliche Altersvorsorge zu stärken. Gleichzeitig wird gefordert, dass die Politik auch etwas gegen das schlechte Finanzwissen der Bevölkerung unternehmen soll. So halten es 87 % der Befragten für sinnvoll, wenn ein Schulfach Finanzen eingeführt würde.

Persönlicher Kontakt weiterhin wichtig

Die Studie widerlegt zudem einmal mehr die These, dass digitale Möglichkeiten den persönlichen Kontakt überflüssig macht. So gaben 51 % der Befragten an, dass ihnen eine persönliche Beratung von Banken und Versicherungen in Bezug auf Finanzen und Geldanlage wichtig ist. 66 % bevorzugen dabei das persönliche Gespräch. (ahu)

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