Reallohn-Stagnation ist ein Mythos

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Ein wesentliches Problem bei Statistiken ist, dass sie oft falsch interpretiert werden. Dieses Problem trifft auch auf die Reallohnentwicklung in Deutschland zu, meint Buchautor Hartmut Görgens.

Anlässlich seines neuen Buches stand der ehemalige Gewerkschaftsfunktionär Hartmut Görgens dem Deutschen Institut für Altersvorsorge (DIA) Rede und Antwort. Er gab dabei zu bedenken, dass die angebliche Stagnation der Reallöhne in Deutschland 1990 auf einer falschen Interpretation von Zahlenreihen beruhe. „Die oft genutzte Zahlenreihe der Bruttolöhne und -gehälter pro Kopf aller Beschäftigten aus der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung des Statistischen Bundesamtes wurden gleichgesetzt mit der Entwicklung der Löhne der Arbeitnehmer. Preisbereinigt war zum Beispiel dieser Durchschnittslohn in Deutschland im Jahr 1992 nicht höher als 2014“, erklärt Görgens. „Das führte vorschnell oder unbedacht zu der Aussage vieler Autoren und Politiker, die Realverdienste der Arbeitnehmer seien in diesem Zeitraum nicht angestiegen.“

Es sei übersehen worden, dass die Zahl der Teilzeitbeschäftigten einschließlich der Beschäftigten mit geringfügiger Arbeitszeit zum Beispiel von 1991 bis 2016 um neun Millionen auf 15 Millionen zugenommen hat. Dadurch wird der Durchschnittslohn pro Kopf aller Beschäftigten ganz erheblich nach unten gedrückt. Bei steigender Teilzeitquote lasse sich aus der Entwicklung des gesamtwirtschaftlichen Durchschnittslohns nicht auf die Entwicklung der Löhne der Arbeitnehmer schließen, so Görgens. „Aber genau in diese Statistikfalle sind viele getappt.“

Mit dem seit 2007 erstellen Reallohnindex des Statistischen Bundesamtes werden diese teilzeitbedingten Verzerrungseffekte inzwischen ausgeschaltet. „Allerdings segelten für die Jahre vor 2007 die Durchschnittslöhne der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung unter dem falschen Namen Reallohnindex bis vor kurzem mit“, so Görgens. Erst aufgrund seines statistisch-methodischen Einwandes wurden sie seit einem Jahr nicht mehr aufgeführt. Für die Jahre davor hat er ein Verfahren entwickelt, wie die Verzerrung durch die Teilzeit eliminiert werden kann. (ahu)

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