HSBC-Prognose: Rasantes Wachstum der Handelsströme

HSBC-Studie „Trade Winds“: Dritte Globalisierungswelle rollt an; Vervierfachung des globalen Warenhandels bis 2050; Spezialisierter Mittelstand profitiert gegenüber großen Multinationals.

(fw) Der globale Warenhandel wird in den kommenden Jahrzehnten kräftig zulegen. „Wir rechnen mit einer Vervierfachung des weltweiten Handelsvolumens bis zum Jahr 2050“, sagt Alexander Mutter, Head of Global Trade & Receivables Finance bei HSBC Deutschland. Das entspräche einem Anstieg auf 68,5 Bio. US-Dollar pro Jahr.

Die Prognose ist eines der zentralen Ergebnisse der Studie „Trade Winds“, die HSBC gemeinsam mit dem Forschungsinstitut Oxford Economics erstellt hat. „Im Rahmen der Studie haben wir Daten aus den vergangenen 150 Jahren analysiert und vier Wachstumstreiber identifiziert, die auch die künftige Entwicklung prägen werden“, erläutert Mutter.

Vier Faktoren treiben den Welthandel

Auf Basis einer detaillierten Analyse dieser Treiber („Trade Winds“) kommen die Autoren der Studie zu einer eindeutigen Schlussfolgerung: Nach einem Einbruch der Handelsvolumina im Jahr 2009 infolge der Finanzkrise und enttäuschenden Folgejahren rollt derzeit die dritte Welle der Globalisierung an.

Und sie wird – wie schon die letzten beiden Wellen (siehe beigefügte Übersicht) – die Rahmenbedingungen und Handlungsoptionen für Unternehmen fundamental verändern. „Gerade mittelständische Anbieter können von dieser Welle profitieren“, betont Mutter. „Denn Größe und Standort spielen künftig nur noch eine untergeordnete Rolle.“ Dies wird beim Blick auf die einzelnen „Trade Winds“ deutlich:

  • Die Industrialisierung erreicht in Form einer weitreichenden Digitalisierung die nächste Stufe. Neue Technologien erleichtern es, Distanzen zu überwinden. Dienstleistungen gewinnen an Bedeutung, das Innovationstempo steigt.
  • Die Transportkosten sinken weiter, vor allem dank größerer Containerschiffe, neuer Schiffspassagen und niedrigerer Energiekosten.
  • Die Liberalisierung des Welthandels schreitet voran; durch gemeinsame Standards beseitigen immer mehr Staaten Handelshemmnisse.
  • Die Geschäftsmodelle der Unternehmen verändern sich tiefgreifend – unter anderem, weil Produktionsprozesse immer stärker automatisiert werden, der Datenaustausch digitalisiert wird und Kunden individualisierte und nachhaltige Produkte einfordern.

Vorteil für spezialisierte Unternehmen

Diese Entwicklungen stellen Unternehmen vor große Herausforderungen, bergen aber auch erhebliche Chancen – vor allem für gut aufgestellte Mittelständler: Da Standort und Größe an Bedeutung verlieren, haben spezialisierte Unternehmen mit flexiblen Strukturen im globalen Wettbewerb mit multinationalen Konzernen künftig bessere Chancen – vor allem, wenn sie sich mit anderen Spezialisten vernetzen.

Zudem unterstreicht die Studie, dass der Aufstieg Asiens und insbesondere Chinas weitergeht: Im Jahr 2050 wird das Reich der Mitte der mit Abstand größte Exporteur sein – gefolgt von den USA, Deutschland und Korea (siehe Grafik).

HSBC Studie Trade Winds Infografik

HSBC wird 150

Anlass für die Studie „Trade Winds“ ist der 150. Geburtstag der HSBC-Gruppe. Die Bank wurde 1865 in Hongkong und Shanghai gegründet, um den zunehmenden Handel zwischen Europa, Indien und China zu finanzieren. Damals hatte gerade die erste Welle der Globalisierung Fahrt aufgenommen: Weltweit wurden Güter im Wert von 67 Mrd. US-Dollar exportiert – vor allem von Großbritannien und Deutschland. Bis 1913 verfünffachte sich das Volumen auf 310 Mrd. Dollar.

Nach einer Unterbrechung durch die beiden Weltkriege rollte im Jahr 1950 die zweite Welle an, durch die das weltweite Exportvolumen bis 2007 um das 30-fache anstieg. Weitere Informationen zu den drei Wellen finden Sie im Dokument („Trade Winds in fünf Minuten“) und in der Studie im Downloadbereich.

www.hsbc.com

https://finanzwelt.de/wp-content/uploads/HSBC-Studie_Trade_Winds.pdf