Rallye um Japan

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Japans Aktienmarkt ist stark in Bewegung geraten: Der Topix First Selection Index stürzte im Zeitraum von August 2015 bis Mitte Februar 2016 um fast 30 Prozent ab – in der Lokalwährung Yen gerechnet. Darauf folgte in den vergangenen Wochen ein beachtliches Wettrennen.

(fw/rm) „Viele Investoren fragen sich jetzt: Ist das nur eine kurzfristige Aufhellung der Stimmung oder haben sich die fundamentalen Daten für japanische Aktien geändert?“, sagt Archibald Ciganer, Portfoliomanager der Japanese Equity Strategy bei T. Rowe Price. Sorgen über das globale Wachstum, verschlechterte Aussichten für China und das Wiedererstarken des Yen hätten einige Anleger zuletzt dazu bewegt, die Perspektiven für den japanischen Aktienmarkt neu zu bewerten. Ciganer schätzt Japan trotz der insgesamt verschlechterten Rahmenbedingungen weiterhin positiv ein. „Wir werden weiter aktiv nach Unternehmen suchen, die langfristig gute Zukunftsaussichten haben und in der Lage sind, auch wirtschaftliche Turbulenzen zu überstehen. Trotz des starken Yen sind wir überzeugt, dass die Gewinne japanischer Unternehmen auch zukünftig stärker wachsen werden als die Profite vergleichbarer Unternehmen weltweit“, erklärt der Portfoliomanager.

Japanische Aktien neu bewerten

Für eine Neubewertung sei es wichtig zu verstehen, wie sich die Rolle Japans in den vergangenen drei Jahren verändert habe. „Noch im Sommer 2012 galt Japan als die ultimativ gegensätzliche Investment-Idee“, blickt Ciganer zurück. Das Vertrauen der Investoren sei so gering gewesen und die Aktienkurse so niedrig, dass die Tiefstände mehrerer Dekaden erreicht wurden – doch ein Investment in japanische Aktien habe sich tatsächlich ausgezahlt. Verantwortlich dafür seien zwei Katalysatoren gewesen: Strukturreformen und die globale Erholung. „Viele Investoren haben ihre Einschätzung Japans zwischen 2012 und 2015 drastisch geändert“, erklärt Ciganer. Vor allem über Exchange Traded Funds (ETFs) floss viel Kapital in den japanischen Aktienmarkt. Es sei die hohe Qualität der Kursgewinne gewesen, die Investoren von Japan überzeugt habe, meint Ciganer. Denn die Rally der vergangenen drei Jahre sei von einer realen Erholung der japanischen Unternehmensgewinne angetrieben worden. „Das ist eine Besonderheit, die wir so sonst selten auf der Welt gesehen haben“, betont Ciganer. „Auch jetzt sind japanische Aktien vergleichsweise preiswert.“

Die Wirtschaft Japans ist sehr zyklisch

„Ein wichtiger Punkt, den wir bereits das gesamte vergangene Jahr lang immer wiederholt haben ist, dass Japan eine zyklische Volkswirtschaft bleibt“, so der Portfoliomanager. Die Gewinne japanischer Unternehmen reagierten sehr sensibel auf die Weltwirtschaft. Daran habe sich auch durch die Strukturreformen nichts geändert, zumal es bei den Plänen von Ministerpräsident Shinzo Abe hinsichtlich Löhnen, Konsum und Inflation wenig Fortschritte gebe. Hinzu komme, dass die japanische Wirtschaft stark vom Handel mit China abhänge.

Stärke des Yen

Auch das derzeitige Erstarken des Yen nach einer dreijährigen Schwächephase sei für eine Neubewertung japanischer Aktien wichtig. Denn die Yen-Schwäche habe in dieser Zeit die Unternehmensgewinne angekurbelt, was wiederum zu einer Rally am Aktienmarkt führte. Das Wiedererstarken der japanischen Währung setze nun die Unternehmensgewinne unter Druck. Zurzeit sei es allerdings sehr schwierig, die weitere Entwicklung des Yen vorherzusagen. „Während der Turbulenzen am Aktienmarkt im Januar wurde der Yen zu einem sicheren Hafen für Anleger. Untypischerweise erstarkte die Währung weiter, sogar als die japanische Notenbank Bank of Japan die Leitzinsen in den negativen Bereich absenkte – mit dem eigentlichen Ziel, den Yen zu schwächen“, blickt Ciganer zurück. „Die aktuelle Stärke des Yen kann also auch ein Anzeichen dafür sein, dass die Zentralbank ihre Munition bereits verschossen hat. Das wäre sehr bedeutsam, sollte es sich als wahr erweisen“, meint der Japan-Experte. „Neben den Fundamentaldaten, die wir analysieren können, ist es wohl auch die Stimmung an den Märkten, die für die Schwankungen verantwortlich ist. Wir sehen angesichts der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung derzeit keine Faktoren, die für eine weitere Aufwertung des Yen sprechen. Trotzdem haben wir unsere Gewinnerwartungen überprüft und werden das auch zukünftig tun“.

Weiterhin hohe Unternehmensgewinne erwartet

Ciganer geht davon aus, dass japanische Unternehmen künftig höhere Gewinne erwirtschaften könnten als globalen Mitbewerber. Auf dieser Annahme basierten viele der wichtigsten Aktien-Ideen. Allerdings würden sich die Unternehmensgewinne verringern, wenn die Aufwertung des Yen anhielte. Ein zweiter kritischer Faktor sei der Zustand der Weltwirtschaft. „Wir erwarten ein niedriges, langsam besser werdendes Wachstum der Weltwirtschaft. Davon sollten vor allem Qualitätsaktien profitieren“, prognostiziert Ciganer. Weitere Faktoren dürften japanische Aktien in diesem Jahr begünstigen: Die Aktienrückkaufprogramme würden 2016 voraussichtlich ein Allzeithoch erreichen, ebenso die Kapitalerträge, wenn man dabei die Dividendenzahlungen berücksichtige. „Das Investment am japanischen Aktienmarkt funktioniert am besten über aktives Management. Ein Index-basierter Ansatz ist weniger gut geeignet“, resümiert Ciganer. www.troweprice.com