Provisionsverbot wäre Herausforderung – und Chance

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Diesen Schluss lässt eine Umfrage der Liechtenstein Life zu. Ob Nettopolice und Honorarberatung zu den Gewinnern zählen würde, ist jedoch fraglich.

Aus Großbritannien kommt die Sprache, mit der man sich (fast) überall auf der Welt verständigen kann und die Wochenende wären für viele Menschen wohl deutlich ereignisärmer, wäre nicht auch der Fußball von der Insel auf den Kontinent exportiert worden. Doch müssen wir deshalb alles übernehmen, was von jenseits des Ärmelkanals kommt, bspw. ein Provisionsverbot? Was eine solche Maßnahme für Folgen hätte, hat die Liechtenstein Life auf der DKM in einer Umfrage unter 77 Experten ermitteln, darunter 57,1 % Makler, 10,4 % sonstige Mitarbeiter von Versicherungsunternehmen, 5,1 % Ausschließlichkeitsvertreter und 1,3 % Honorarberater. Von den Befragen glauben 40,3 %, dass ein mögliches Provisionsverbot eine Herausforderung für die Branche darstellen würde. Aber es gibt auch eine nicht zu verachtende Minderheit, die darin eine Chance sehen würde: 7,7 % sagten aus, dass sich durch ein Provisionsverbot die Qualität der Versicherungsprodukte verbessern würde.

Ein großer Gewinner eines Provisionsverbot wäre sicherlich die Honorarberatung, schließlich wird der Finanzberater auch in Zukunft noch gebraucht. Ob die Beratung gegen Honorar aber wirklich stark von einem Provisionsverbot profitieren könnte, wird innerhalb der Branche aber durchaus angezweifelt. So sehen 45,5 % der Befragten als mögliche Konsequenz einer solchen Maßnahme eine Stärkung der Honorarberatung, was aber auch bedeutet, dass mehr als die Hälfte der Befragten offenbar nicht davon überzeugt ist. Als weitere mögliche Folge sehen die Befragten, dass die Kosten an anderer Stelle steigen könnten. Dieser Meinung waren 44,2 % der Umfrageteilnehmer. Genauso viele sind der Meinung, dass die Nettopolice eine geeignete Einführung auf die mögliche Einführung eines Provisionsdeckels wäre. Jedoch schätzen nur 29,9 % der Studienteilnehmer, dass sich die deutschen Verbraucherschutzverbände mit der flächendeckenden Einführung einer Nettopolice zufrieden geben würden – ein überraschend niedriger Wert, wenn man bedenkt, dass Honorarberatung und Provisionsverbot zu den wichtigsten Themen des Verbraucherschutzes zählen. Dazu passt auch die Aussage, dass nur 23,4 % Befragten davon ausgehen, dass Nettopolicen das Ansehen der Versicherungsvermittler verbessern würde.

Diese Alternativen gäbe es zur Provision

Wenn es tatsächlich zu einem Verbot von Abschlussprovisionen kommen würde, stellt sich die Frage, wie Vermittler stattdessen für ihre Dienstleistung bezahlt werden sollen. In der Umfrage zeigen sich dabei drei Lösungswege für Nettopolicen auf: So plädieren 15,5 % der Teilnehmer für Vergütungen über Stundensätze, 10,4 % sind für das vergleichsweise neue Factoringverfahren, das Abschlussvergütungen der Kunden durch Banken vorfinanzieren lässt und 13 % bedienen sich dafür den Nettoplattformen wie Nettowelt.de.

„Die bestehende Unsicherheit über eine mögliche Einführung eines Provisionsdeckels hat die Versicherungslandschaft letzten Endes kreativ beflügelt. Allein in diesem Jahr wurden zahlreiche Lösungsmöglichkeiten entwickelt, Nettoprodukte entworfen und alternative Vertriebskonzepte vorgestellt. Liechtenstein Life hat in diesem Jahr gemeinsam mit cashyou eine eigenständige Factoringlösung für Abschlussvergütungen entwickelt, die sich seitdem erfolgreich auf dem Markt etablieren konnte. Die Befragung während der Messe spiegelt nicht nur Ängste der Makler wider, sondern beweist auch, dass der Markt bereits Antworten gefunden hat, bevor der Regulator die entscheidende Frage gestellt haben wird“, so Stephan Bruckner, Head of Sales Germany der Liechtenstein Life Assurance AG. (ahu)