Prognosen für das Börsenjahr 2023

Dr. Marc-Oliver Lux, Dr. Lux & Präuner GmbH & Co. KG / Foto: © Dr. Lux & Präuner GmbH & Co. KG

Zum Jahreswechsel sind wie immer die Auguren gefragt. Offensichtlich erwarten die Kapitalmarktprofis in diesem Börsenjahr keine großen Sprünge mehr.
Die Bank-Prognosen für den DAX zum Jahresende liegen etwa auf dem aktuellen Niveau von 15.000 Punkten. Für zehnjährige Bundesanleihen wird mehrheitlich eine Rendite von mehr als 2,5 % am Ende des Jahres 2023 erwartet (Ende 2022: 2,13 %). Der Euro-Dollar-Wechselkurs soll um die Parität plus/minus 10 % liegen (geht’s vielleicht etwas genauer!?) und der Goldpreis zwischen 1.500 und 1.750 US-Dollar je Feinunze landen (aktuell über 1.900 Euro).

Naja, irgendwie bisschen unbefriedigend, diese Umfragen. Die Unsicherheit unter den Experten ist spürbar. Als Risikofaktoren nennen die Befragten eine wirtschaftliche Rezession (66 %), die Energiekrise (59 %) und die Inflation (58 %). Auch der Krieg in Europa sowie der Konflikt zwischen China und Taiwan bereiten ihnen Sorgen. Alles schon ein alter Hut könnte man denken.

Die Prognosen der Ökonomen zur Wahrscheinlichkeit einer Rezession sind im Laufe 2022 immer weiter gestiegen. Für Großbritannien und die Eurozone wird eine Rezession inzwischen zu 80 % als wahrscheinlich angesehen. Auch die US-Notenbanker sehen gemäß Sitzungsprotokoll vom November die Wahrscheinlichkeit, dass die USA in eine Rezession rutscht, bei fast 50 %.

Bundesbank rechnet mit Rückgang der Inflation

Die hiesige Bundesbank rechnet in den kommenden Monaten mit einem Wirtschaftseinbruch in Deutschland und über 2023 hinaus mit hohen Teuerungsraten.
Vor allem die Energiekrise verstärke die Inflation in Deutschland. Doch immerhin ist der Öl- und Gaspreis wieder 30 % zurückgekommen. Und so rechnet auch die Bundesbank wegen der staatlichen Strom- und Gaspreisbremse mit einem Rückgang der Inflation auf 7,2 % im Laufe des Jahres.

„Die Wirtschaftsleistung dürfte zwar zunächst schrumpfen, ab der zweiten Jahreshälfte 2023 erwarten wir jedoch eine allmähliche Erholung“, erläutert Bundesbankpräsident Joachim Nagel. Nach 1,8 % Wachstum im laufenden Jahr rechnen die Fachleute der Bundesbank 2023 mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Deutschland um 0,5%. Die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute sind da etwas optimistischer. Das Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW) geht sogar davon aus, dass es nächstes Jahr zu keiner Schrumpfung kommt.

Unser Rat: Schlechte Aussichten und Nachrichten hindern die Börse nicht daran, trotzdem zu steigen. Meist verbessert sich das Nachrichtenumfeld dann, wenn die Kurse bereits Wegstrecke nach oben zurückgelegt haben.

 Kolumne von Dr. Marc-Oliver Lux von Dr. Lux & Präuner GmbH & Co. KG in München