Professionelles Rating: Hohe ESG-Qualität ins Portfolio

Faire Beurteilung der Nachhaltigkeit einer Kapitalanlage schwierig

Der Aktionsplan für ein nachhaltiges Finanzsystem beziehungsweise zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums folgt dem Pariser Klimaabkommen 2016 und der Agenda 2030 der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung. Mit der Verordnung über nachhaltigkeitsbezogene Offenlegungspflichten wurde die Finanzbranche verpflichtet, ihren Kunden detaillierte Informationen über die Nachhaltigkeit ihrer Anlagen zu geben. In der Taxonomie- wurden Kriterien festgelegt, wann eine Wirtschaftstätigkeit ökologisch nachhaltig ist.

Eine Investition gilt im Wesentlichen als nachhaltig, wenn sie wesentlich zur Verwirklichung eines oder mehrerer von sechs Umweltzielen beiträgt. Dazu gehören Klimaschutz, Anpassung an den Klimawandel, nachhaltige Nutzung und Schutz von Wasser- und Meeresressourcen, Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft, Abfallvermeidung und Recycling, Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung sowie der Schutz gesunder Ökosysteme. An den sozialen Kriterien wird noch gearbeitet, bei den Governance-Kriterien steht die Arbeit noch aus.

Das Problem: Viele Anlageprodukte werden als „grün“ beworben. Ein Vergleich ist kaum möglich. Zwar sollen Unternehmen ab 2022 Daten von 17 vorgeschriebenen und weiteren optionalen Bewertungskriterien veröffentlichen. Doch es fehlen noch die Daten und die Fertigstellung der Taxonomie. Daher sind diese Veröffentlichungen noch Zukunftsmusik und zunächst nicht umsetzbar. Wie ein Anleger sich aus 17 und mehr Kriterien ein Urteil über die Nachhaltigkeit eines Unternehmens bilden soll, steht ebenfalls noch in den Sternen. Daher ist die Verwendung bestehender ESG-Ratings die zunächst beste Lösung. Im BaFin-Merkblatt zu ESG wird dies auch ausdrücklich bestätigt.

Da sich in der Realität allerdings nur die wenigsten Unternehmen in eindeutiger Weise als „gut“ oder „schlecht“ etikettieren lassen, ist eine faire Beurteilung der Nachhaltigkeit einer Kapitalanlage eine so komplexe und ressourcenintensive Aufgabe, dass selbst große Banken und Vermögensverwalter dabei auf die Hilfe externer Anbieter von ESG-Ratings angewiesen sind. Es existieren etwas ein Dutzend solcher Ratings, die aber häufig sehr unterschiedlich ausfallen. Daher ist die Auswahl des geeigneten Ratings für jeden Anleger wichtig, aber hoch komplex. Das Institut für Vermögensaufbau AG (IVA) hat im Auftrag einer Bank im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie diverse Anbieter von ESG-Ratings verglichen.

ESG-Siegel bietet dauerhafte Qualitätsprüfung

Das Greenwashing sowie die Komplexität und Unterschiedlichkeit der Ratings bedeuten: Man braucht eine externe Verifizierung, dass die versprochene ESG-Qualität tatsächlich im Portfolio zu finden ist. Entscheidend ist, dass die ESG-Qualität Titel für Titel aus der Sicht mehrerer etablierter ESG-Datenanbieter berechnet wird. Vor diesem Hintergrund hat das Institut für Vermögensaufbau 2020 eine spezifische ESG-Zertifizierung entwickelt. Diese basiert auf einem regelmäßigen Prüfprozess, bei dem der Anbieter des Portfolios mindestens ein Jahr lang einmal pro Quartal die aktuelle Zusammensetzung des Portfolios vollständig übermittelt. Anhand dieses Bestandes bestimmt der Rating-Dienstleister ein differenziertes Nachhaltigkeitsprofil des Portfolios, das in einem Zertifikat als eigenes Dokument dargestellt wird. Das Siegel soll bei der Auswahl eines Produkt- beziehungsweise Strategieanbieters helfen und eine dauerhafte Qualitätsprüfung bieten.

Eine solche erfolgreiche ESG-Zertifizierung sagt also aus, dass die ökologische und soziale Nachhaltigkeit eines Portfolios von mehreren unabhängigen ESG-Ratingagenturen deutlich positiver bewertet wird als bei anderen Portfolios mit vergleichbaren Anlageschwerpunkten.

Gastbeitrag von Dr. Dirk Rathjen,
Vorstand des Instituts für Vermögensaufbau AG (IVA) aus München