Procuratie Vecchie – Nachhaltige Sanierung eines Denkmals aus dem 16. Jahrhundert

Paolo Micucci, Head of European Engineering & Project Management, Generali Real Estate / Foto: © Generali Real Estate

Mit ihren 500 Jahren ist die Procuratie Vecchie eines der bemerkenswerten Gebäude am Markusplatz. Die Sanierung des in der ersten Hälfte des 16. Jahrhundert errichteten ehemaligen Sitzes der Generali dauerte insgesamt fünf Jahre. 2022 wurde der Palast als kohlenstoffneutrales Gebäude nun für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Der Name Procuratie rührt daher, dass das Gebäude ursprünglich als Wohn- und Amtssitz der Prokuratoren von Sankt Markus diente. Diese waren städtische Beamte, denen die Verwaltung der Basilika und die Betreuung der Armen und Waisen oblag. Als die Procuratie Vecchie im 12. Jahrhundert an der Nordseite des Markusplatzes erbaut wurde, war sie ein einstöckiges Gebäude über einer langen Arkade im Erdgeschoss. Bei einem Brand im Jahr 1512 stürzte ein Teil der Fassade ein und die Stadtverwaltung Venedigs beschloss den um ein Stockwerk erhöhten Wiederaufbau. Dadurch verwandelte sich der Markusplatz damals von einem mittelalterlichen Stadtzentrum in ein Renaissance-Stadtforum im klassizistischen Stil.

Generali in Venedig

Die 1831 in Triest gegründete Generali Versicherung richtete 1832 ihre ersten Büros in der ehemaligen Procuratie ein, verlegte ihren Hauptsitz nach Venedig und übernahm sogar den Markuslöwen als Logo. In den 1930er und 1940er Jahren erwarb Generali weitere Teile des Gebäudes und nahm trotz der Schwierigkeiten der Kriegsjahre Verbesserungen an dem historischen Bau vor.

Die Räume mit ihren historischen Dekorationen und Fresken beherbergten über einen Großteil des 20. Jahrhunderts hinweg den italienischen Hauptsitz von Generali, bis die Anforderungen an eine moderne Bürogestaltung im Jahr 1989 den Umzug der Zentrale ans Festland, nach Mogliano Veneto, erforderlich machten. 2021 schloss Generali die Feierlichkeiten zum 190-jährigen Bestehen mit der Wiedereröffnung der Procuratie Vecchie ab. Heute liegt der Generali Hauptsitz wieder in Triest, aber im ersten Stock der alten Procuratie befinden sich immer noch einige Büros der Versicherung.

Umfassende Sanierung

Die Herausforderung der Sanierung eines monumentalen Gebäudes von solch historischer Bedeutung sind gewaltig. Hier galt es, eines der Meisterwerke der venezianischen Architektur des 16. Jahrhunderts zu neuem Leben zu erwecken, seine Geschichte und Architektur zu respektieren und es gleichzeitig an die Bedürfnisse einer modernen Nutzung unter Beachtung neuster Nachhaltigkeitsstandards anzupassen.

Generali Real Estate, der Immobilienzweig der Generali-Gruppe, leitete das komplexe, von David Chipperfield Architects entworfene Sanierungsprojekt. Das rund 500 Jahre alte Objekt umfasst auf einer Länge von 152 m eine Bruttofläche von insgesamt 12.800 m². Die Renovierung beinhaltete die Restaurierung der ersten und zweiten Etage und die Neugestaltung des Einlasses durch neue Treppen. Der zentrale Pavillon im dritten Stock mit Zugang zu den erhöhten Höfen, den für die Öffentlichkeit bestimmten Ausstellungsräumen sowie zu Arbeitsräumen und einem Auditorium war ebenso Bestandteil der Arbeiten.

Grüne Zertifizierung eines historischen Gebäudes

Heute ist die Procuratie Vecchie ein Vorzeigeobjekt für zeitgemäße Technologien und Nachhaltigkeit. Unter Energie- und Umweltgesichtspunkten hat das Objekt die internationale LEED Silver Core & Shell-Zertifizierung erhalten. Hierzu musste an dem historischen Gebäude mit seinen kunsthistorischen Schätzen jeder technische Eingriff mit äußerster Sorgfalt durchgeführt werden. Die alte Procuratie ist bisher das größte und älteste Gebäude in Venedig, das eine solche Zertifizierungsstufe in diesem Protokoll erreicht hat.

Dazu war die Umgestaltung der Heizungs- und Luftaufbereitungssysteme notwendig, die den Einsatz fossiler Brennstoffe überflüssig macht und dadurch ein effizienteres und nachhaltigeres Energiemanagement gewährleistet. Durch den ausschließlichen Bezug von Energie aus zertifizierten erneuerbaren Quellen ist die Procuratie ein kohlenstoffneutrales Gebäude im Herzen von Venedig, das bereits das Netto-Null-Kohlenstoffziel erfüllt, welches Generali Real Estate für sein gesamtes Portfolio ausgegeben hat.

Soziale Verantwortung

Mit dem Ziel, die Nutzung der Procuratie Vecchie wieder stärker mit der Stadt Venedig zu verbinden, hat Generali seiner Stiftung, The Human Safety Net, weiträumige Flächen in der dritten Etage zur Verfügung gestellt. Somit ist ein großer Teil des alten Prokuratoren-Amtssitzes zum ersten Mal seit einem halben Jahrhundert der Öffentlichkeit wieder zugänglich.

The Human Safety Net verfolgt das Ziel, das Potenzial von Menschen in prekären Lebensumständen zu wecken, damit sie die Lebensbedingungen ihrer Familien und Gemeinschaften verbessern können. Die Ausstellung „A World of Potential“ bietet den Besuchenden einen persönlichen Einblick in die Arbeit der Stiftung mit benachteiligten Menschen in 23 Ländern. Damit schließt sich der Kreis zu den Procuratori, die sich vor Jahrhunderten um die benachteiligten Bevölkerungsschichten von Venedig kümmerten.

Konsequent verantwortliches Investieren

Generali Real Estate war es im Sinne seiner Investoren ein bedeutendes Anliegen, die unter sozialen und Umweltaspekten nachhaltig restaurierte Procuratie Vecchie an Generali, die Stadt Venedig und die Welt zurückzugeben. Unter allen Sanierungsprojekten, die Generali RE im Rahmen der Immobilienportfolios in ganz Europa durchführt, ist dies ein herausragendes Beispiel für konsequent verantwortungsbewusstes Investieren. Die wiedereröffnete Procuratie Vecchie ist nun Bestandteil des von den Regionalbehörden vorgeschlagenen ehrgeizigen Projekts, Venedig zur Welthauptstadt der Nachhaltigkeit zu machen.

Gastbeitrag von Paolo Micucci,
Head of European Engineering & Project Management,
Generali Real Estate

In unserer Bildergalerie finden Sie einige Eindrücke des historischen Gebäudes während und nach der Sanierung: