P&R Insolvenz schadet der ganzen Branche

Volker Stache, Geschäftsführer der Müller & Veith Investment GmbH / Foto: © Müller & Veith Investment GmbH

Die Insolvenz von P&R ist ein herber Rückschlag, wenn nicht sogar eine Katastrophe für die Vermittler, da die Anlage in Container wie seit über 40 Jahren problemlos mit dem Produktanbieter P&R verlaufen ist. Die Kunden waren meist sogenannte Wiederholungstäter, weil sie die regelmäßigen Ausschüttungen geschätzt und an ein Investment in reale Güter geglaubt haben und dass, obwohl die Renditen seit Jahren rückläufig waren (aber das ist ja ähnlich wie bei Spareinlagen und Lebensversicherungen, der Kunde nimmt alles einfach so hin).

Nach den Pleiten vieler Immobilienfonds und unzähliger Schiffsbeteiligungen seit Ausbruch der Finanzkrise verbleibt dem Geschäftsfeld „Unternehmerische Beteiligungen“ jetzt kaum noch ein Angebot mit entsprechender Historie und reiner Weste. Aus dem Markt kenne ich mit dem Kölner Anbieter Jamestown nur noch einen Anbieter mit ähnlicher Leistungsbilanz.

Die Provisionen aus der Vermittlung lagen im Verhältnis zur Anlagedauer nicht über den Provisionen, die bei der Verwaltung von Wertpapierdepots liegen. Allerdings musste für die Vermittlung lange kein Sachkundenachweis oder besondere Gewerbeerlaubnis zu Grunde gelegt werden, sodass das Geschäftsfeld sehr unbürokratisch und lukrativ war.

Dieses Geschäftsfeld dürfte nun endgültig versiegt sein. Natürlich ist mit der Insolvenz von P&R auch das Vertrauen der Anleger in ihren Berater schwer beschädigt und Vermögensverluste leider bei den Investoren vorprogrammiert. Daher werden bestimmt viele kritische und panische Gespräche geführt, die der Sache aber nicht wirklich dienlich sind. Anlegeranwälte sind bereits aus ihrer Löchern hervorgekrochen und werden die nächsten Tage mehr oder weniger seriös auf Mandantenfang gehen.

Die Vermittler können aktuell gar nichts tun, da das Wohl oder Übel der Investitionen ab sofort in der Hand des Insolvenzverwalters liegt. Um sich selbst ein wenig zu schützen, sollte – falls vorhanden – die eigene Vermögensschadenhaftpflicht informiert werden, damit eintreffende Ansprüche von Kunden gegenüber dem Berater professionell begegnet werden.

Jede Insolvenz schadet dem Ruf der Branche und zerstört Vertrauen in unternehmerisches Investieren. In letzter Konsequenz werden die Kunden noch ängstlicher und legen sich das Geld unters Kopfkissen. Was historisch daraus geworden ist, zeigen die Geschichtsbücher eindrucksvoll, nämlich in Krisen nur heiße Luft.

Wenn es eine Bank oder ein bekanntes Industrieunternehmen getroffen hätte, würde die Politik – mit Blick auf das Volumen – bereits über entsprechende Hilfsmaßnahmen und Rettungspakete diskutieren, um den Ruf der Branche nicht zu gefährden. Bei P&R ist das anders. Hier geht man davon aus, dass es eh nur „reiche“ Menschen trifft und nicht Kleinstsparer. Ich bin mir sicher, dass dies hier anders ist, aber es fehlt die Lobby.

Kolumne von Volker Stache, Geschäftsführer der Müller & Veith Investment GmbH in Wiehl