Potenzial von High Yield in Phasen hoher Marktvolatilität

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Der High Yield-Markt in den Vereinigten Staaten ist gesünder und stabiler als in den vergangenen Jahren. Zu diesem Schluss kommt Peter Becker, Investment Director bei Capital Group. „High Yield-Anleihen haben ihren Namen endlich wieder verdient“, so der Experte. Demnach gebe es viele Faktoren, die diese Aussage belegen: „Die wirtschaftlichen Fundamentaldaten sind günstig, was die Ausfallquoten relativ niedrig halten dürfte und die hohen einstelligen Renditen, die der Sektor bietet, wecken das Interesse der Anleger, selbst wenn das Schreckgespenst einer Rezession einige Bedenken aufkommen lässt.“ 

Insgesamt habe sich der High Yield-Markt in den USA von den vergangenen Jahren erholt. Während das gesamte wirtschaftliche Umfeld aktuell deutlich schwächer erscheine, sei die Anlageklasse stärker und in Verbindung mit einer Rendite von 9,1 Prozent (Stand Ende Oktober) auf der Grundlage des Bloomberg US Corporate High Yield 2% Issuer Capped Index erscheine sie recht attraktiv.

„Einer der wichtigsten positiven Faktoren ist außerdem, dass in nächster Zeit kein großer Refinanzierungsbedarf besteht“, erläutert Becker. „Kluge Unternehmensleitungen haben das niedrige Zinsniveau und das günstige Kreditumfeld der letzten Jahre genutzt, um ihren Finanzierungsbedarf zu decken.“

Insbesondere im Jahr 2021 hätten die Unternehmen ihre kurzfristigen Schulden zu außergewöhnlich niedrigen Renditen refinanzieren und die Fälligkeiten um mehrere Jahre hinausschieben können. Dies habe dazu geführt, dass die Unternehmen in der aktuellen Phase steigender Zinsen mit Finanzierungen arbeiten können, die bereits für einige Jahre festgeschrieben sind. „Aus diesem Grund können viele heute an der Seitenlinie sitzen und müssen keine neuen Schulden zu den vorherrschenden höheren Zinssätzen aufnehmen“, so Becker. „Wir sind jedoch besorgt über das Segment der Hochzinsunternehmen mit niedrigerem Rating, die auf eine Verbesserung ihrer eigenen Aussichten gewartet haben, bevor sie ihre Schulden refinanzierten.“

Kein sprunghafter Anstieg der Zahlungsausfälle

Diese Unternehmen hätten möglicherweise die Chance verpasst, die niedrigsten Zinssätze zu erzielen. Bei der Bewertung künftiger Ausfallwahrscheinlichkeiten würde Becker auch den Anteil der Anleihen mit notleidenden Bewertungen berücksichtigen, da dies ein früher Indikator für künftige Ausfälle sein könne. Dieser liege im High Yield-Universum aktuell im mittleren einstelligen Bereich. „Auf der Grundlage dieser Kennzahl erwarten wir zwar, dass die Ausfallquote von einem sehr niedrigen Niveau aus ansteigen wird, aber wir rechnen nicht mit einem sprunghaften Wachstum“, so Becker.

Auf Sektorebene nimmt Becker eine große Auswahl an Branchen in den Blick. So sei die Telekommunikation beispielsweise seit vielen Jahren ein großer Teil des High Yield-Universums. Ein weiteres, traditionell großes Segment, nämlich zyklische Konsumgüter wie Hotels, Glücksspiele und Kreuzfahrtschiffe, hätte mit der Wiederbelebung der Wirtschaft eine Erholung der Bewertungen verzeichnet. „Darüber hinaus sehen wir einen Wert in bestimmten Untersektoren, die einen kleineren Teil des High Yield-Markets ausmachen“, sagt Becker. Als Beispiele nennt er Vermögensverwalter und Versicherungsmakler. „Angesichts der wiederkehrenden Einnahmemodelle haben diese Arten von Unternehmen das Potenzial, in einer schwachen Wirtschaft oder einem Umfeld steigender Zinsen besser abzuschneiden als die eher zyklischen Emittenten.“ Viele dieser Unternehmen würden über einen vorhersehbaren Cashflow verfügen, sei es durch Managementgebühren aus dem verwalteten Vermögen oder durch Provisionen aus dem Verkauf von Versicherungsprodukten.

Auch die Fundamentaldaten des Energiesektors hätten sich verbessert. Die Welle von Zahlungsausfällen sei nun überstanden und der Sektor heute so gesund wie seit vielen Jahren nicht mehr. „Da sich die Bilanzen verbessert haben, Investitionspläne gekürzt wurden und die Öl-/Gaspreise in die Höhe geschnellt sind, war der Energiesektor der Teilsektor, mit der besten Wertentwicklung innerhalb des Bloomberg US Corporate High Yield 2% Issuer Capped Index“, resümiert Becker. (ah)