VW – Der Anfang vom Ende?

08.10.2015

Björn Siegismund

VW hat betrogen. Die Abgaswerte der Dieselfahrzeuge wurden manipuliert und der VW Konzern sieht sich einer Milliarden Strafzahlung und einem gewaltigen Imageverlust gegenüber gestellt.

Die Reaktion der europäischen Börsen war eindeutig. Neben den Aktien des Wolfsburger Konzerns gerieten auch die anderen europäischen Automobilbauer in Sippenhaft und verloren stark an Wert.

Bietet der Kursverfall eine gute Einstiegschance?

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass Anleger bei Bekanntwerden derartig schockierender Nachrichten oft das gesamte Geschäftsmodell in Frage stellen. Ihre Reaktion lässt sich anhand der Börsenkurse in einem teils dramatischen Kursverfall erkennen. Die VW-Aktie ist dabei keine Ausnahme – ihr Kurs viel innerhalb von zwei Tagen nach Bekanntwerden der Manipulationsvorwürfe um knapp 40 Prozent.

In der Realität stellt sich oft heraus, dass solche Untergangsszenarien übertrieben sind. Im April 2010 sorgte die Explosion der BP-Bohrplattform „Deep Water Horizon“ zu einer der größten Umweltkatastrophen der Menschheit. Die BP-Aktie verlor daraufhin 54 Prozent. Eine Milliardenstrafe des US-Justizministeriums stand damals im Raum, die den Fortbestand der Gesellschaft hätte gefährden können. Nachdem sich der Nebel um die Zukunftsaussichten gelichtet hatte, stieg die Aktie von BP in den folgenden Monaten um rund 50% an. Auch bei den Rückrufaktionen von General Motors, Toyota und Nissan wurde die systemische Bedrohung deutlich höher eingeschätzt, als die Realität schließlich war. Anleger, die damals die Ruhe bewahrten, konnten sich später über große Gewinne freuen.

Bedeutet der VW-Skandal mehr?

Es gibt jedoch auch Skandale, welche die Spielregeln verändern und systemischer Natur sind. Treten diese auch noch am Ende eines Marktzyklus ein, maximieren sich die Auswirkungen. Beispiel hierfür ist die Finanzindustrie, die mit ihren Exzessen und Skandalen 2007/2008 den Beginn der großen Finanzmarktkrise einleitete. Ohne massive Stützungen der Staaten wären viel mehr Banken untergegangen. Trifft diese Situation auf den aktuellen VW-Skandal zu, so muss der panikartige Verkauf der europäischen Automobilaktien als ernstzunehmender Warnhinweis für die gesamte Branche verstanden werden. Und da die europäische Automobilindustrie ein wesentlicher Stützpfeiler der europäischen Wirtschaft ist, werden die Auswirkungen insgesamt für Europa gravierend ausfallen.

Automobilindustrie vor historischem Umbruch

Auch ohne Abgasskandal steht die Automobilindustrie vor einem Umbruch historischen Ausmaßes. Ein sich veränderndes Konsumverhalten (Carsharing), neue Technologien (Elektroantrieb) und neue Wettbewerber (Tesla Motors, Apple, Google) fordern die Automobilindustrie, wie sie heute noch besteht, existentiell heraus.

Wie wir in unseren Kommentaren mehrfach erwähnt haben, ist das Wachstum der Weltwirtschaft nicht so nachhaltig, wie es aus Anlegersicht wünschenswert wäre. Viele vermeintliche Gewinne an den Kapitalmärkten lösen sich in Luft auf, weil Unternehmen nicht zu nachhaltigen Gewinnsteigerungen in der Lage sind. Das Beispiel VW führt dies deutlich vor Augen. Schummeleien sind nötig, um weiterhin Wachstum präsentieren zu können. Diese Verhaltensweisen sind typisch am Ende eines Zyklus.

Investieren bedeutet Risiken und Chancen im Portfolio gut auszubalancieren

Die Antwort auf dieses herausfordernde Umfeld liegt in einem disziplinierten Portfolioansatz. In dieses Portfolio gehört eine Vielzahl von Assetklassen, die für eine vernünftige Balance von Risiken und Chancen im Portfolio sorgen. Denn nicht selten stellen sich vermeintliche „Schnäppchen“ als teure Fehlinvestitionen heraus, welche der gesamten Vermögensentwicklung empfindlich schaden.

Autor: Björn Siegismund, Chief Investment Officer der LARANSA PWM GmbH