„Oma wär ein verdammt guter CEO – 10 handfeste Regeln für Führungskräfte“

27.02.2025

Buchcover und Autor Paul Johannes Baumgartner / Foto: © Gabal Verlag, Paul Johannes Baumgartner

Exklusiv

finanzwelt: Sie schreiben, dass viele Unternehmen ein veraltetes „Betriebssystem“ haben. Welche typischen Fehler beobachten Sie in der aktuellen Führungskultur?

Baumgartner» Diese Frage ist sehr schwer zu beantworten, weil es eben „die Führungskultur“ nicht gibt. Jede Führungskraft hat, glaube ich, eine Vorstellung, wie Führung gelingen kann und macht ihr eigenes Ding draus. Was allerdings schon zu beobachten ist, dass beim Thema Wertschätzung noch Luft nach oben ist. Es geht um sehen und gesehen werden. Als Person mit all seinen Stärken und Schwächen - aber eben auch die Leistung. Bekommen Mitarbeiter beides nicht, verlassen sie das Unternehmen.

Dr. Gabriella Rosen-Kellerman, Expertin für mentale Gesundheit am Arbeitsplatz, hat in einer Studie, durchgeführt an Kliniken, nachgewiesen, dass bereits 10 Sekunden Reden das Wohlbefinden des Gegenübers verbessert. Schon kurze Botschaften der Wertschätzung von 10 bis 45 Sekunden waren wirksam darin, das Stress- und Angsterleben von Patienten zu reduzieren. Auf den Unternehmenskontext umgelegt bedeutet das: 10 Sekunden mit den Mitarbeitern reden und ihnen das Gefühl geben, sie zu sehen, ihnen vermitteln „Ich freue mich, Dich kennenzulernen, Dich im Team zu haben, ich sehe Deinen Arbeitsprozess“ hat einen unglaublichen Impact auf das Wohlbefinden und das allgemeine Betriebsklima.

finanzwelt: Wie können Unternehmen sicherstellen, dass eine wertschätzende, menschliche Führung nicht nur ein Trend bleibt, sondern langfristig in der Unternehmenskultur verankert wird?

Baumgartner» Eine Führungskraft fragte mich im Seminar: „Müssen wir denn überhaupt noch Positive Leadership machen, wenn der Arbeitsmarkt sich entspannt?“ Meine Antwort: Wenn Euch Unternehmenskultur egal ist, dann nein. Ich gab allerdings auch zu bedenken, dass die besten Köpfe nie nur nach Gehalt wählen, sondern auch nach Führung und Atmosphäre. Insofern ist vielleicht jetzt ein guter Zeitpunkt, sich Gedanken darüber zu machen, wie man generell das Neue Miteinander in den Unternehmen für die Zukunft gestalten möchte.

finanzwelt: Gibt es ein konkretes Beispiel aus der Praxis, in dem eine „Oma-Weisheit“ einem Unternehmen tatsächlich geholfen hat, seine Führungskultur zu verbessern?

Baumgartner» Omas Regeln sind universell und laden Führungskräfte aller Couleur ein, ihre Rolle neu zu definieren. Viele großartige Unternehmen beschäftigen sich bereits mit Positive Leadership und machen damit sehr gute Erfahrungen. Lidl Österreich zählt dazu, T-Systems, IKEA und auch die Polizei Niedersachsen.

finanzwelt: Ihr Buch soll inspirieren, aber auch praxisnah sein. Welche ersten Schritte empfehlen Sie Führungskräften, die ihre Unternehmenskultur positiv verändern möchten?

Baumgartner» Machen Sie den wichtigsten Schritt zuerst: Weg mit dem Benefitquatsch. Die Benefitschlacht ist die Mutter alle Katastrophen. Es gibt immer einen Mitbewerber, der bessere Benefits hat. Und außerdem: Mitarbeiter, die für Benefits kommen, gehen auch für Benefits. Eine zentrale Botschaft im Buch lautet: Lasst die Unternehmenskultur den Benefit sein. Schaut, was bereits alles an Gutem da ist und entwickelt das im Sinne eines positiven und produktiven Miteinanders weiter. Culture eats benefits for breakfast.

finanzwelt: Welche Weisheit oder Erfahrung hat Ihnen Ihre eigene Oma mit auf den Weg gegeben, die Sie bis heute begleitet?

Baumgartner» Meine Oma war eine sehr ruhige, weise und bescheidene Frau und taucht auf in Regel Nummer 2 „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“. Da geht´s um Erfolg, Mut und die Erkenntnis, dass Erfolg ohne ein bisschen Mut undenkbar ist. Meine Oma hat mich immer wieder ermutigt, neue Dinge auszuprobieren, kalkuliert ins Risiko gehen – und dabei sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen. Ein guter Rat, für den ich ihr heute noch dankbar bin. (mho)

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