Positive Trends bei Insolvenzen

21.06.2016

Coface Hauptsitz in Mainz

Coface-Studie zu Deutschland, Niederlande, Schweden und Dänemark: Die verbesserte wirtschaftliche Situation in Europa wirkt sich günstig auf die Unternehmen aus. So gingen 2015 die Insolvenzen in vier Ländern zurück, die Coface in einem neuen Panorama untersucht hat:

(fw/rm)  Niederlande (-20,7 Prozent), Schweden (-11 Prozent), Deutschland (-4 Prozent) und Dänemark (-0,5 Prozent). Auch dieses Jahr werden nach Einschätzung von Coface die Insolvenzen in drei der betrachteten Länder weiter zurückgehen. "Aber weniger stark als zuvor", erklärt Dr. Mario Jung. Die stärkste Verbesserung erwartet der Senior Regional Economist bei Coface in Mainz für die Niederlande mit minus 11,1 Prozent, Schweden mit minus 8 Prozent und Deutschland mit minus 2,5 Prozent. Anders sieht es für Dänemark aus. "Dort könnten die Insolvenzen sogar deutlich um über 60 Prozent steigen", erwartet Dr. Mario Jung.

Deutsche Unternehmen recht stabil

2016 hält der positive Trend nach Ansicht von Coface in Deutschland an. Die Entwicklung verläuft aber etwas langsamer. Mit Schwankungen über das Jahr dürfte die Gesamtzahl 2016 um 2,5 Prozent sinken. Deutschland hatte 2015 die wenigsten Insolvenzen seit der Insolvenzrechtsreform 1999. Mit einer weiteren Verbesserung 2015 um 4 Prozent sank die Zahl auf 23.000. Fast alle Branchen meldeten weniger Insolvenzen. Ausnahme war der Finanz- und Versicherungssektor mit plus 5 Prozent. Besonders gut lief es in der Informations- und Kommunikationsbranche (-11,1 Prozent) und im Bereich Landwirtschaft/Forst/Fischerei (-9,1 Prozent). Verbesserungen gab es auch in Handel, Transport, Beherbergung/Gastgewerbe. In diesen Branchen gingen die Zahlen um etwa 6 Prozent zurück. In der Industrie - ohne Bau - wurden über 4 Prozent weniger Insolvenzen gemeldet.

Günstiges wirtschaftliches Szenario für die Niederlande

In den Niederlanden hielt der deutliche Trend auch in den ersten drei Monaten 2016 mit -19,4 Prozent an. Coface erwartet aber ein etwas langsameres Tempo: Für das Gesamtjahr errechnet Dr. Mario Jung 11,1 Prozent weniger Insolvenzen. Im vergangenen Jahr gingen sie deutlich um 21 Prozent zurück. Im Jahr zuvor betrug der Rückgang auch schon 20 Prozent. Mit Ausnahme des Sektors Kultur, Sport und Erholung meldeten 2015 alle Branchen weniger Insolvenzen. Die stärksten Verbesserungen gab es im verarbeitenden Gewerbe und bei so genannten "spezifischen Dienstleistungen", die rund 30 Prozent weniger Insolvenzen verbuchten. Auf vier Branchen entfallen rund 70 Prozent der Insolvenzen: Mit Handel, Transport und Beherbergungen, Finanzdienstleistungen und "spezifischen Dienstleistungen" ist besonders der Tertiärbereich betroffen.

Schwedische Nationalbank stimuliert Immobilen- und Bausektor

Für Schweden prognostiziert Coface einen Wert von -8 Prozent im laufenden Jahr. Das wäre das dritte Jahr in Folge. 2015 gingen die Insolvenzen mit -11 Prozent noch deutlicher als 2014 (-6,3 Prozent. Am deutlichsten war der Rückgang im Bausektor (-17 Prozent), der erkennbar von den verbesserten Bedingungen im Bau- und Immobilienbereich profitiert. Die Investitionen in den Hausbau stiegen 2015 um 17 Prozent, hauptsächlich stimuliert durch die expansivere Geldpolitik der schwedischen Reichsbank. Auch im verarbeitenden Gewerbe war die Verbesserung deutlicher als im Durchschnitt. Die wichtigsten Dienstleistungsbereiche machen 52 Prozent aller Insolvenzen in Schweden aus.

Anstieg der Insolvenzen in Dänemark wegen kleiner Unternehmen

0,5 Prozent betrug der Rückgang der Insolvenzen in Dänemark letztes Jahr. Allerdings rechnet Coface für 2016 mit insgesamt 64 Prozent mehr Insolvenzen als 2015. Dazu tragen vor allem inaktive und kleine Firmen bei. Beim Blick auf die Branchen zeigt sich eine sehr viel stärkere Spreizung als in Deutschland, den Niederlanden oder Schweden. So gingen die Insolvenzen im Finanzsektor um 25,4 Prozent zurück, während sie in der Landwirtschaft um 50,9 Prozent stiegen. Andere wichtige Branchen, darunter das verarbeitende Gewerbe, Handel, Transport und das Beherbergungs- und Gastgewerbe, verbuchten um die 5 Prozent mehr Insolvenzen. Der aktuelle Anstieg geht primär auf nicht mehrwertsteuerpflichtige Unternehmen (+130 Prozent) und auf kleine Unternehmen mit weniger als einer Million Kronen Umsatz (+140 Prozent) zurück. Dagegen sanken die Insolvenzzahlen bei größeren Unternehmen. www.coface.de