Populismus bedroht wirtschaftliche Stabilität

Karsten Junius, Chefökonom, Bank J. Safra Sarasin AG / Foto: © Bank J. Safra Sarasin

Das Brexit-Referendum und die amerikanische Präsidentschaftswahl haben gezeigt, dass populistische Wahlprogramme und Kandidaten auch in hochentwickelten Ländern Mehrheiten finden können. Trotz der Korrekturen beim britischen Pfund und bei US-Anleihen wurde aber auch deutlich, dass die Finanzmärkte diese Wahlergebnisse gut verdauen können. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit einer Ablehnung der Verfassungsreform in Italien und dass populistische Parteien in anderen kontinentaleuropäischen Ländern Erfolge verbuchen können.

Gelegenheiten, bei denen sich der Populismus auch in Kontinentaleuropa ausbreiten könnte, sind zahlreich. In den nächsten 12 Monaten ist der Wahlkalender voll. Auch gibt es genügend Themen, die sich für populistische Wahlkämpfe eignen. In den USA und UK richtete sich der Populismus gegen (1) die Globalisierung, (2) Einwanderer und (3) die gesellschaftliche Dominanz und Entfremdung der hauptsächlich städtischen Eliten. In Kontinentaleuropa wäre das vermutlich nicht anders. Jahre wirtschaftlicher Enttäuschung haben nicht nur finanzielle Wunden, sondern auch in Teilen der Bevölkerung den Eindruck hinterlassen, dass sich das «System» weg von den Bedürfnissen der Bürger entwickelt. Je stärker Wähler sich von der Gesellschaft ausgeschlossen, hilflos und nicht wertgeschätzt fühlen, desto eher erodiert auch der Konsens, auf den unsere Gesellschaft baut; desto höher ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass Wähler sich Politikern zuwenden, die Verständnis, Sympathie und Empathie für ihre Werte, Leistungen und Probleme zeigen. Es ist daher wohl kein Zufall, dass der Populismus in den westlichen Demokratien bislang seine größten Erfolge in UK und den USA zeigen konnte, wo die Lebensunterschiede zwischen London und dem Rest des Landes und zwischen den Küstenmetropolen und dem Inneren der USA stark ausgeprägt sind.

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