Pioneer: im Auge des Sturms

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Die Probleme der italienischen Banken, namentlich bei UniCredito, strahlen nun auch auf den deutschen Markt aus: Die italienische Mutter muss frisches Geld anschaffen um ihre Kapitaldecke auszupolstern und verkauft in diesem Zusammenhang ihre Fonds-Tochter Pioneer an die französische Amundi.

Es gibt Anzeichen, dass die Probleme bei Unicredit bereits eine Art Erosionsprozess bei Pioneer ausgelöst haben: In der vergangenen Woche wurden mit Tanguy Le Saout (Leiter europäische Renten) und Ali Chabaane (Leiter Portfolio-Konstruktion) zwei hochrangige Manager suspendiert. Den vorliegenden Informationen zufolge soll eine interne Untersuchung des italienischen Geldhauses ergeben haben, dass die beiden planten, ihrem Arbeitgeber durch die Gründung eines  neuen Vermögensverwalters Konkurrenz zu machen. Angesichts dieser Unruhen im Hause Pioneer ist nicht recht absehbar, ob Amundi an diesem Erwerb Freude haben wird. Die Researchfirma Morningstar hat jedenfalls vorläufig die Ratings der betroffenen Fonds ausgesetzt.

Daneben wird hier ein grundsätzlicheres Problem sichtbar: Viele Untersuchungen und Vergleiche deuten daraufhin, dass vor allem die bankabhängigen unter den deutschen Anlagegesellschaften ihre Stärken eher im Vertrieb über die eigene Bank als im Kernbereich des Asset-Managements haben. Von daher ist grundsätzlich offen, wie sich solche Gesellschaften wie die deutsche Pioneer im Falle eines Verkaufs ohne eine Abstützung auf ein starkes Netz von Bankfilialen schlagen würden. Indes gehört zu den Vereinbarungen zwischen Amundi und Unicredito allerdings auch eine zunächst auf 10 Jahre angelegte Vertriebskooperation, die der Amundi die Vertriebskanäle auf dem deutschen Markt offen hält, die die Unicredito mit der Hypovereinsbank (HVB) und deren Filialnetz übernommen hat.

Mit dem Verkauf an Amundi geht die deutsche Pioneer durch ihre nächste Umwandlung in einer längeren Kette. Am Anfang steht die Hypo-Invest der Bayerischen Hypobank. Nach der Fusion von Hypobank und Bayerischer Vereinsbank zur HVB wurden auch deren Fonds-Töchter neu aufgestellt: Aus der Hypo-Invest wurde die Activest während die Vereinsbank ihre Anteile an der gemeinsam mit der Commerzbank betriebenen Investmentgesellschaft Adig abgab. Mit der späteren Übernahme der HVB durch die Italiener wurde die Activest zur Pioneer Deutschland. (mk)