PIMCO: Rezession könnte notwendig sein, um Preisstabilität wiederherzustellen

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Die US-Notenbank hat getagt. Die Zinsen werden um 0,75 Basispunkte erhöht. Tiffany Wilding, Ökonomin für Nordamerika beim Vermögensverwalter PIMCO, kommentiert den gestrigen Zinsentscheid.

  • Wie allgemein erwartet, hat die Federal Reserve ihren Zielzinssatz um 75 Basispunkte angehoben. Damit setzt sie den Mittelpunkt ihrer Zielzinsspanne auf 2,35 Prozent – knapp unterhalb ihrer Schätzung für einen längerfristig neutralen geldpolitischen Kurs.
  • Auf der Pressekonferenz erklärte der Vorsitzende Powell außerdem, dass die derzeitigen wirtschaftlichen Fundamentaldaten, einschließlich der hohen Inflation, eine „mäßig restriktive“ Geldpolitik rechtfertigen. Er merkte außerdem an, dass im September eine weitere übermäßige Anhebung der Fed Funds Rate erforderlich sein könnte, um eine restriktive Geldpolitik zu gewährleisten.
  • Der Markt für Staatsanleihen reagierte auf die Erklärung und die Äußerungen von Powell mit einem Anstieg. Diese Reaktion deutet darauf hin, dass die Märkte angesichts der jüngsten Inflationsüberraschungen das Risiko eines aggressiveren Vorgehens einpreisen.
  • In der Tat war die Inflation in weiten Teilen der Welt hartnäckiger, als viele Zentralbanker erwartet hatten. Dies hat die Besorgnis geweckt, dass eine Rezession – und nicht nur eine Periode unterdurchschnittlichen Wachstums – notwendig sein könnte, um die Preisstabilität wiederherzustellen. Dies scheint insbesondere auf die USA zuzutreffen. Dort wird aufgrund des jüngsten Rückgangs der weltweiten Öl- und Agrarpreise zwar ein Rückgang der Gesamtinflation erwartet, doch die Lohn- und Mietmarktinflation – zwei Bereiche, in denen die Preistrends tendenziell hartnäckiger sind – hat sich zuletzt sogar beschleunigt (siehe beispielsweise den Wage Growth Tracker der Atlanta Fed).
  • Zwar besteht Unsicherheit über die genaue Höhe des Leitzinses, die mit der „mäßig restriktiven“ Leitlinie des Vorsitzenden Powell übereinstimmt, doch es ist klar, dass die Vertreter des Fed-Offenmarktausschusses glauben, diesen Wert noch nicht erreicht zu haben. Er könnte näher an der Vier-Prozent-Marke für 2023 liegen, die in der Median-Wirtschaftsprognose der Fed (SEP, Summary of Economic Projections) vom Juni genannt wurde. (ah)