Photovoltaik-Zubau 2015 unter 1,5 GigaWatt

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Wer die Veröffentlichungen verschiedener Medien über die Photovoltaik-Industrie im ersten Quartal 2016 in Deutschland gesehen hat, könnte meinen, die Photovoltaik sei auf einem absteigenden Ast.

(fw/rm) Im Vergleich dazu betrug der Zubau im Jahr 2012 noch rund 8.200 MW. Auch für Frankreich meldet das französische Umweltministerium einen Rückgang. Lediglich Großbritannien trotzt dem Trend mit Rekordzahlen im Jahr 2015, doch bereits für 2016 wird aufgrund deutlicher Änderungen in der Förderpolitik ein Rückgang erwartet. Die bisherigen Schwergewichte Spanien und Italien haben 2015 erneut nahezu eine Nullrunde eingelegt. Kommt die Photovoltaik-Industrie zum Erliegen? Weit gefehlt. Weltweit hat sich der Zubau erneut verstärkt. Nach einem Zubau von rund 40 GW im Jahr 2014 wurde 2015 mit rund 50 GW ein neuer Rekord erreicht. China hat mit einem Bestand von 40 GW installierter Leistung erstmals den Weltmarktführer Deutschland überholt. Alle Prognosen sind sich einig: Die Photovoltaik wird gemessen am Zubau nach installierter Kapazität für die nächsten Jahre die Spitzenposition unter den traditionellen und den Erneuerbaren Energien einnehmen. 2040 soll bereits die Hälfte des Zubaus an Erzeugungskapazitäten auf Solarenergie entfallen. Der Siegeszug der Photovoltaik ist deshalb nicht zu stoppen. Dank immer geringerer Gestehungskosten werden Erneuerbare Energien bereits in naher Zukunft ohne Fördermechanismen am Markt bestehen. Wo in Europa heute das Wachstum der Photovoltaik still steht – Spanien, Italien oder Griechenland – werden bald die ersten rein kommerziell betriebenen PV Kraftwerke sein. Gibt es eigentlich den einen Strompreis? Nein, den einen Strompreis gibt es nicht. Wenn derzeit vom fallenden Strompreis die Rede ist, geht es um Großhandelspreise, zu denen Erzeuger von Elektrizität und Großabnehmer Strom handeln. Strom wird in unterschiedlichen Zeitabschnitten gehandelt: In Viertelstundenzeitintervallen, in Tagesblöcken, aber auch in langen Zeitabschnitten über mehrere Jahre. Dies kann in Verträgen, den Power-Purchase-Agreements (PPA) geschehen, aber häufig wird dazu die Strombörse genutzt. Wie jede andere Börse standardisiert die Strombörse EEX in Leipzig den Handel mit Strom und bietet Käufern und Verkäufern eine Plattform zur Abwicklung. Endverbraucher zahlen mehr trotz niedrigeren Strompreisen. Was bedeutet das für die Photovoltaik? Noch wird durch Photovoltaik erzeugter Strom z.B. in Deutschland über feste Einspeisetarife gemäß dem jeweils gültigen EEG vergütet, aber er beeinflusst bereits jetzt die Preisfindung. Zu Beginn der Ära des Photovoltaikstroms erzeugten wenige PVAnlagen Strom parallel zum Lastgang des Strombedarfs und damit zu Zeiten der höchsten Preise. Die Photovoltaik hat zu dieser Zeit das Nachfrageprofil idealtypisch unterstützt und konnte zu Zeiten teuren Stroms einspeisen und von den hohen Preisen profitieren. Durch den Ausbau der Photovoltaik in Deutschland übersteigt die photovoltaische Stromerzeugung die ursprüngliche Spitzennachfrage zur Mittagszeit und führt zu einem erhöhten Angebot mit preisdämpfender Wirkung. Statt einer Mittagspreisspitze ergeben sich zwei Preisspitzen je Tag. Dieses mittlerweile nachteilige Produktionsprofil der Photovoltaik führt dazu, dass Photovoltaikstrom am freien Markt Preise erzielt, die unterhalb des durchschnittlichen, zeitgewichteten Strompreises liegen. Strompreisprognosen berücksichtigen dies bereits, indem in den Vorhersagen Abweichungen zu den zeitgewichteten Preisprognosen angegeben werden oder gleich eigene erzeugungsgewichtete Preisprognosen dargestellt sind. Photovoltaikanlagen, die nach Auslaufen eines Fördertarifs am Strommarkt agieren, werden diese Preisbildung spüren. Allerdings sind diese Effekte bereits heute bekannt und können entsprechend berücksichtigt werden. Nachteiliges Produktionsprofil der PV erzielt unterdurchschnittliche Preise . Fazit: Die Stärke der Photovoltaik ist auch ihre Schwäche. Durch ihr starkes Wachstum kannibalisiert sie ihre eigene Ertragskraft. Doch trotz dieses Handicaps wird die PV zu einer tragenden Säule der Stromerzeugung der Zukunft. PV-Zubau2015www.kgal.de www.kgal-gruppe.de