Pflegerisiko, Patientenverfügung und Erbschaft

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Werden Billionen Euro Privatvermögen in Zukunft noch vererbt? Die Risiken Langlebigkeit, Pflege und Demenz sorgen dafür dass die eigene Vorsorge als individuell passende Lösung immer wichtiger wird.

2015-11-19 (fw/db) Streit unter Erben ist in Deutschland leider keine Seltenheit. 28 Prozent der Deutschen haben bereits einen Kampf ums Erbe miterlebt. Mehr als die Hälfte aller Konflikte zwischen Hinterbliebenen resultieren aus unklarer Erbfolge und fehlendem Testament.

Das sind Ergebnisse der Studie “Patientenverfügung und Erbschaft”, die im Auftrag der Hannoversche Leben, Direkt- und Maklerversicherer der VHV Gruppe, im Juli 2015 online durchgeführt wurde. Das Marktforschungsinstitut Toluna hat dafür 1.000 Bundesbürger ab 18 Jahren repräsentativ befragt.

Rollt eine Erbschaftswelle über Deutschland?

Mehrere Billionen Euro könnten in den nächsten Jahren den Besitzer wechseln. Das bedeutet damit auch enormes Streitpotenzial, wenn vorab nicht geklärt ist, wie die Angehörigen sowie weitere Personen und Organisationen bedacht werden.

Viele Deutsche beschäftigen sich, laut der Studie, nicht oder zu spät mit dem Thema Erben und Vererben. Der häufigste Grund bei den Streitigkeiten sind dabei die unklare Aufteilung (39 Prozent) und fehlende Absprachen im Vorfeld (29 Prozent).

Je größer das eigene Einkommen ist, desto häufiger sind die Bundesbürger in Erbstreitigkeiten verwickelt. 39 Prozent der Deutschen mit einem Einkommen von mehr als 4.000 Euro haben sich schon einmal um ein Erbe gestritten.

Bei Menschen, die weniger als 1.000 Euro netto im Monat verdienen, sind es nur 21 Prozent.

Das zeigt: Wer selbst viel hat, reagiert nicht unbedingt gelassener im Erbfall. Bei Menschen mit großem Einkommen hat Geld naturgemäß eher einen höheren Stellenwert als bei Geringverdienern.

Risikolebensversicherung hilft

Grundsätzlich ist es ratsam, eine Risikolebensversicherung abzuschließen. Dies gleich in mehrerer Hinsicht: Die Hinterbliebenen sind abgesichert und etwaige Schulden, z.B. Hypotheken, können
getilgt werden. Auch können Ansprüche einer Erbengemeinschaft an eine Immobilie ausgezahlt und Zwangsversteigerungen vermieden werden.

Schwiegermütter sind beliebter als ihr Ruf
Wem würden die Deutschen auf keinem Fall etwas vererben? Nur sieben Prozent schließen die eigene Schwiegermutter kategorisch aus, lediglich vier Prozent würden ihren eigenen Kindern nichts vermachen. Der Ex-Partner bekäme von 33 Prozent nichts.

Die wenigsten Menschen gönnen ihr Erbe der Politik oder dem Staat. 73 Prozent würden einer Partei definitiv nichts vererben, 66 Prozent schließen den Staat als Nutznießer von vornherein aus.

Trend zum Eigenverbrauch statt Vererben

Bereits acht Prozent gönnen ihren Hinterbliebenen keinen Cent, sondern wollen alles vorher ausgeben – getreu dem Motto: “Auf eine Lebensversicherung kann ich verzichten. Ich will meinen Familienmitgliedern das hinterlassen, was sie verdient haben – nämlich nichts.”

Wem die Deutschen auf keinen Fall etwas vererben würden:

  1. Einer politischen Partei (73%)
  2. Dem deutschen Staat (66%)
  3. Chef (53%)
  4. Einer Kirche oder religiösen Vereinigung (52%)
  5. Arbeitskollegen (36%)
  6. Nachbarn (33%)
  7. Ex-Partner(in) (33%)
  8. Wohltätigen Organisationen (14%)
  9. Tante, Onkel, anderen Verwandten (9%)
10. Schwiegermutter (7%)
11. Schwiegervater (6%)
12. Geschwistern (6%)
13. Eigenen Kindern (4%)
14. Sonstige (1%)
15. Ich würde alles vorher ausgeben (8%)

Die Deutschen haben oft auch für den Fall wenig Vorsorge getroffen, dass sie krankheitsbedingt ihren Willen nicht mehr äußern können:

Drei von vier Deutschen über 18 Jahren haben nicht per Vollmacht festgelegt, wer im Fall der Fälle dafür sorgen soll, dass bestimmte medizinische Maßnahmen durchzuführen oder zu unterlassen sind, falls sie nicht mehr selbst entscheiden können. Immerhin 50 Prozent wollen sich darum kümmern.

finanzwelt-Tipp: Die Information und Hilfe bei Patientenverfügung und Regelung für den Erbfall sind ein guter Ansatz für Versicherungsmakler und Vermittlungsunternehmer. Zumeist lässt sich dann auch das Thema Vorsorge für den Pflegefall und die Risikoabsicherung sehr gut ansprechen.

Dietmar Braun