Pflege – schön, wenn sie da ist

Samuel Koch dankt Pflegeberufen
Samuel Koch (Bildmitte) dankt allen Menschen die bereit sind Menschen zu pflegen © Continentale

Körperliche und emotionale Erschöpfung – Zwei Drittel der Pflegenden in Deutschland sind stark belastet, sagt eine aktuelle Studie. Samuel Koch dankt allen pflegenden Menschen in Deutschland.

2016-09-15 (fw/db) Ein Betroffener bringt das Thema Pflege auf den Punkt: „schön, wenn sie da ist.“ Auf dem diesjährigen 16. PKV-Forum in Köln setzte der Verbund der Gegenseitigkeitsversicherer Continentale einen ungewöhnlichen Weg fort, das Thema Pflege aus der Praxis in den Fokus der Wahrnehmung zu bringen. In einem Forum zuvor, hatte sich der Philosoph Richard David Precht über die Gründe gesprochen warum Menschen nicht für die Pflege vorsorgen, deren nahezu jeder Mensch in seinem Leben zu einem Zeitpunkt bedarf. „Pflege ist eines der Themen die wir Menschen gerne beim Bedarf unpersönlich als Situation nur auf Dritte übertragen, ohne den eigenen Bedarf zu erkennen. Bedarf entstehe mit der Erkenntnis: Du bist betroffen und ich bin betroffen“, so damals Richard David Precht. Als einer von vielen Betroffenen war Samuel Koch auf dem diesjährigen PKV-Forum zu Gast. Schon seine Person zeigt wie viele Vorurteile zum Thema Pflege nicht greifen: Koch ist jung und nicht alt. Koch war nicht ausreichend versichert. Koch ist nicht durch eine Erkrankung ein Pflegefall geworden, sondern durch einen selbst verursachten Unfall. „Der Mensch ist des Menschen beste Medizin, so ein afrikanisches Sprichwort, und das ist wahr“, berichtet Koch, „aber meine Pfleger müssen neben meiner psychischen Arbeit meine Arme und Beine ersetzen – oder minimal mich am Leben erhalten.“ Zur Situation der Pflege in Deutschland sagte Koch: „Die Qualität der Pflege leidet unter dem Mangel durch Quantität. Im Heim ‚ab gefrühstückt‘ zu werden, bedeute heute, dass eine einzige Pflegekraft im günstigsten Fall für zehn Pflegebedürftige zuständig ist.“ „Gute Pflege zeichne sich dadurch aus, dass sie da ist“, mit der Aussage umschrieb Samuel Koch nicht nur seine Dankbarkeit für seine Pflege, sondern verwies auf seine Ausnahmesituation, in einem Land, wo ein großer Mangel an fair bezahlten und qualifizierten Pflegekräften vorherrsche. Mehr als zwei Drittel aller Menschen, die in Deutschland einen Mitmenschen pflegen oder betreuen, fühlen sich durch die Aufgabe stark belastet. Die häufigsten negativen Auswirkungen sind dabei: körperliche und emotionale Erschöpfung sowie die Vernachlässigung eigener Bedürfnisse. Dies sind Ergebnisse der Continentale-Studie 2016 der Continentale Krankenversicherung. Für diese wurden bundesweit 1.000 Menschen befragt, die eine andere Person privat pflegen oder betreuen.

Belastung der Pflegenden steigt mit Pflegestufe

Im Detail fühlen sich 23 Prozent sehr stark belastet, 48 Prozent stark. Unter den Befragten, die sich um eine Person mit der Pflegestufe 3 kümmern, sind sogar 36 Prozent sehr stark belastet. Gar keine Belastung empfinden nur 5 Prozent aller Befragten. Nur 31 Prozent der Pflegenden sagen, sie würden ihrer Aufgabe auf jeden Fall gerecht. Dies alles hat viele negative Folgen: 63 Prozent der Befragten fühlen sich körperlich erschöpft, 62 Prozent emotional und seelisch. 60 Prozent der Pflegenden sagen, sie würden ihre persönlichen Bedürfnisse vernachlässigen. 43 Prozent fühlen sich bei der medizinischen Versorgung überfordert. Rund ein Drittel berichtet von negativen Auswirkungen auf den Beruf und von finanziellen Nachteilen.

Pflege sorgt für Zufriedenheit

Die Pflege eines anderen Menschen hat aber auch für die Pflegenden positive Auswirkungen. Drei Viertel der pflegenden Angehörigen sagen, die Pflege gebe ihnen die Möglichkeit, einem Menschen etwas zurückzugeben, die selbst schon viel für sie getan habe. Ebenfalls drei Viertel ziehen aus der Aufgabe positive Energie und Zufriedenheit. 63 Prozent freuen sich über die Unterstützung durch Partner, Familie oder Freunde. In die Zukunft blicken viele Pflegende mit Sorgen. Die größte Sorge ist, dass sich der Zustand der gepflegten Person verschlechtert. Jeweils rund 60 Prozent befürchten auch, die Pflege in Zukunft körperlich oder emotional nicht mehr bewältigen zu können. Die Hälfte hat Angst davor, Pflege und Beruf nicht mehr in Einklang bringen zu können.

Gepflegt wird aus finanziellen Gründen

Die Gründe, warum Menschen pflegen, sind sehr vielfältig. 91 Prozent sagen, sie pflegen aus Liebe, 85 Prozent aus Pflichtgefühl. 64 Prozent sagen aber auch, ein Pflegeheim sei zu teuer und 58 Prozent nennen als Grund eine regelmäßige Geldleistung, zum Beispiel aus der Rente des Gepflegten. Fragt man die Pflegenden, wie man sie entlasten könnte, nennen 53 Prozent mehr praktische, tätige Hilfe und 38 Prozent mehr emotionalen Beistand. 37 Prozent wünschen sich eine bessere finanzielle Unterstützung.

Pflegezusatzversicherung entlastet finanziell

„Einen anderen Menschen privat zu pflegen, verdient Bewunderung. Wir sehen deutlich, wie sehr diese Menschen belastet sind. Als Versicherer können wir hier nur einen kleinen Beitrag leisten. Die gesetzliche Pflegeversicherung ist im besten Falle eine Teilkaskoversicherung, die zum Beispiel bei stationärer Pflege höchstens die Hälfte der Kosten deckt. Wir raten dringend zum Abschluss einer privaten Pflegezusatzversicherung, denn eines sehen wir in unserer Befragung: Eine bessere finanzielle Situation entlastet die Pflegenden nachhaltig“, so Dr. Marcus Kremer, Vorstand der Continentale Krankenversicherung auf Gegenseitigkeit.

80 Prozent mit Pflegestufe

80 Prozent der Personen, die von den Befragten gepflegt oder betreut werden, haben eine Pflegestufe. Dabei pflegen 55 Prozent die Eltern oder Schwiegereltern und 14 Prozent den Partner. 38 Prozent werden bei ihrer Tätigkeit durch einen Pflegedienst unterstützt, während 27 Prozent völlig allein pflegen. 60 Prozent der Befragten sind Frauen. Die Continentale-Studie erscheint jährlich. Die komplette aktuelle Studie kann kostenfrei unter www.continentale.de/studien abgerufen werden.