Pendeln? Kein Problem

Die deutschen Pendler lassen sich von Staus auf dem täglichen Weg zur Arbeit nicht die Laune verderben / Foto: © Alexandra Gl - stock.adobe.com

Für deutsche Arbeitnehmer ist es kein großes Problem, längere Strecken zur täglichen Arbeit zurückzulegen: Andere Aspekte als die Wohnortnähe werden als entscheidend das Wohlfühlen am Arbeitsplatz angesehen.

Was macht einen attraktiven Arbeitgeber aus? Das hat das Personaldienstleister Orizon in seiner Arbeitsmarkstudie 2018 untersucht. Mit deutlichem Abstand die wichtigsten Faktoren sind die Bezahlung (70,7 %) und das Betriebsklima (67,1 %). Hingegen ist für nicht einmal jeden zweiten Befragten (47 %) wichtig, dass die Arbeitsstelle nicht allzu weit vom eigenen Wohnort entfernt ist. Der Faktor Work-Life-Balance hat in den letzten Jahren zwar deutlich an Bedeutung gewonnen, wird jedoch nur von 8,1 % der Befragten als Faktor für einen attraktiven Arbeitsplatz genannt.

Dass monetäre Aspekte und ein Wohlfühlklima auf der Arbeit als wichtiger erachtet werden als die Nähe zum Arbeitsplatz und eine gute Work-Life-Balance könnte auch erklären, warum viele Deutsche bereit sind, täglich weite Strecken zur Arbeit zurückzulegen. So arbeiten laut Pendleratlas der Bundesagentur für Arbeit 39 % aller Sozialversicherungsbeschäftigten in Deutschland nicht in dem Landkreis in dem sie wohnen – das sind 12,5 Mio. Menschen.

Arbeitnehmer trotz Pendeln zufrieden

Überfüllte Züge, Stau auf der Autobahn etc.: Das tägliche Pendeln dürfte für viele vor allem mit Stress verbunden sein, sollte man meinen. Dem ist aber nicht so, wie die Orizon Arbeitsmarktstudie 2018 zeigt: So nennt nur ein knappes Fünftel der Befragten „lange Fahrzeiten“ als Faktor, der psychischen und körperlichen Stress bei der Arbeit verursacht. Deutlich mehr Stress verursachen hohe Aufgabenlast oder Ärger mit den Vorgesetzen oder Kollegen. Doch auch davon scheint es bei den meisten Arbeitnehmern nicht allzu viel zu geben: 83,2 % der Befragten gaben an, sich an ihrer jetzigen Arbeitsstelle wohl zu fühlen. Zudem geht die empfundene körperliche und seelische Belastung am Arbeitsplatz weiter zurück. Die Studienautoren schließen daraus, dass die Menschen bereit sind, weite Arbeitswege in Kauf zu nehmen, weil sie andere Aspekte bewusst höher schätzen, bspw. die Wünsche der Familie oder die Kosten für Immobilien. Letzteres könnte gerade in Augsburg eine große Rolle spielen: Die Stadt hat mit ca. 100.000 Menschen, die täglich zur Arbeit in einen anderen Landkreis fahren, einen Auspendleranteil von 61 %. Viele der Auspendler zieht es nach München, das über die A 8 und die ICE-Verbindung relativ leicht zu erreichen ist. Für viele Menschen ist es deshalb attraktiv, in Augsburg mit seinen, im Vergleich zu München, geringeren Immobilienpreisen zu leben und täglich in die Landeshauptstadt zu pendeln.

„Die Menschen sind offenbar flexibler als wir oft denken. Um ihren Wunscharbeitsplatz und persönliche Belange in Einklang zu bringen, gehen sie Kompromisse ein. Mit ihren flexiblen Einsätzen kann die Zeitarbeit solche Modelle hervorragend unterstützen“, fasst Dr. Dieter Traub, CEO von Orizon, die Ergebnisse der Studie zusammen. (ahu)

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