Outperformer und Nachzügler

In Deutschland, um die Konjunkturlokomotive Europas hinzuzuziehen, ist ein differenziertes Bild erkennbar. Gedämpfter Optimismus bis leichte Skepsis trifft es wohl ziemlich genau. Die flauen wirtschaftlichen Daten, Meldungen über Arbeitsabbau und Stagnation erschweren Höhenflüge im DAX. Uns geht es hierzulande gut, doch viele fürchten sich vor dem Abschwung. Insofern nicht verwunderlich, dass DAX-Werte im direkten Vergleich zu den USA den Kürzeren zogen. Im Windschatten der US-Börsen ging es zwar auch hierzulande mit den Indizes bergauf, doch mit dem Tempo aus Übersee konnte nicht mitgehalten werden. Im weltweiten Ranking sind Fonds mit Fokus Deutschland deshalb im oberen Mittelfeld. Dabei fällt auf, dass kleinere Werte – ablesbar am S-DAX- nicht mit dem großen Bruder DAX mithalten konnten. Insofern ging das erste Halbjahr an das Dickschiff der 30 Werte. Zu bedenken gilt aber, dass M- und S-DAX in den zurückliegenden Jahren außerordentlich gut performten. Sollte allerdings die wirtschaftliche Zukunft etwas bescheidener ausfallen als erhofft, dann fließen die Gelder eher in die großen Werte. In der Summe bleiben deutsche Aktienfonds ein Kernbestandteil im Portfolio, zumal Konzerne sowieso international und diversifiziert aufgestellt sind. Eher auf der Verliererseite fanden sich diejenigen wieder, die auf steigende Notierungen britischer Aktien/Fonds setzten. Das ewige Gezerre um den Brexit, die politische Ratlosigkeit in London haben der dortigen Wirtschaft und dem Aktienmarkt nicht gutgetan. Großbritannien steht nicht für Stabilität, Anleger meiden daher eher die Unsicherheit und harren der Dinge. Aus der Versenkung auferstanden ist der griechische Index mit einem Plus von circa 35 % im ersten Halbjahr – allerdings sind die Exoten nur etwas für sehr erfahrene Investoren, die entsprechende Investments als Kick im Gesamtportfolio beimischen. Im Gegensatz hierzu sind spanische Titel/Indizes weniger gut gelaufen – sie hatten sich bereits in den zurückliegenden Jahren gut entwickelt. Insofern ist es schwer, ein allgemeingültiges Urteil über die Lage am Mittelmeer und entsprechende Assets zu geben.

Mit Blick auf den asiatischen Kontinent bietet sich ebenfalls ein differenziertes Bild an. Das Megareich Indien, fast schon auf Augenhöhe mit China, hat weiterhin Potenzial. Gleichwohl war die Wertentwicklung an der indischen Börse seit Jahresbeginn eher bescheiden. Das hat aber sicher auch mit dem fulminanten Anstieg in 2017/18 zu tun. Indiens Regierung sagte kürzlich, dass die Wirtschaft voraussichtlich um 7 % in 2019/20 wachse. Das zumindest ist schon mal ein Wort. Gleichwohl bedarf es auch struktureller Reformen und eines Absenkens der Inflation. Sollte die Weltwirtschaft nicht den Sinkflug machen (dann wären die Emerging Markets besonders betroffen), sind Staaten/Schwergewichte wie Indien und natürlich auch China für den langfristigen Anlagehorizont durchaus interessant und ertragreich. Ähnliches gilt für Japan. Branchenbezogen hat die Informationstechnologie weltweit bis dato das Tempo angegeben und viele Sektoren quasi abgehängt. Entsprechend allokierte Aktienfonds mit Schwerpunkt Technologie gehörten zu den Highflyern; hier könnte ein Umdenken im zweiten Halbjahr einsetzen. Gesundheits- und Nachhaltigkeitsfonds zählten, aus unterschiedlichen Gründen, ebenfalls zu den Gewinnern, wohingegen Finanztitel weltweit bezogen sich eher auf der Verliererstraße wiederfanden.

Fazit

Die Supermacht USA bestimmte im bisherigen Jahresverlauf das Rennen. Deutsche Aktienfonds tauchten auf den vorderen Plätzen auf, gleichwohl sie eine Platzierung auf dem Podest verpassten. Exotischere Märkte haben ihren speziellen Reiz, hier bedarf es aber eines profunden Know-hows bei Beratern und Anlegern. Und über allem schwebt die Geldpolitik der Notenbanken. (hsd)