Jeder Fünfte hat Maklerdeckung

Die Bereitschaft Risiken zu decken nimmt im Mittelstand mit der Größe der Unternehmen zu. Eine Studie zeigt, dass nur ein Fünftel der Betriebe Maklerdeckungen nutzt. Da ist noch sehr viel Potential.

2015-11-23 (fw/db) Fast 50 Prozent der kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) sichern sich mit nur bis zu drei Versicherungsdeckungen ab, ein weiteres Drittel besitzt weniger als sechs Policen. Das belegt die KMU-Studie 2015 der Gothaer Versicherung, bei der 1.009 Betriebe befragt wurden.

Zum dritten Mal hat die Gothaer beim Versicherungsschutz von KMU genauer nachgefragt. Dieses Jahr lag der Fokus neben dem Umfang der jeweiligen Deckungen auch auf dem Gefahren- und Sicherheitsbewusstsein der Firmen. Erstaunliches Nebenergebnis: Nur jede fünfte Unternehmung hat eine Deckung vom Versicherungsmakler.

Startups zögern bei der Absicherung

Vor allem in jüngeren Unternehmen, die seit 2006 gegründet wurden, ist die Anzahl derjenigen, die sich mit mehr als vier Policen schützen, mit 24 Prozent deutlich geringer als im Durchschnitt. Über sechs Policen haben sogar nur acht Prozent.

„Doch gerade zu Beginn des Geschäftswachstums ist die richtige Absicherung durch einen starken Partner wichtig. Unvorhergesehene Ereignisse können das Unternehmen so nicht aus der Bahn werfen“, erklärt Thomas Leicht, Vorstandsvorsitzender der Gothaer Allgemeine Versicherung AG.

Der Umfang der Risikoabsicherung steigt allerdings mit der Größe der Betriebe: Deutlich mehr Versicherungen, nämlich mehr als sechs, sind bei 31 Prozent der größeren Unternehmen (mit 201 bis 500 Mitarbeitern) zu finden. 40 Prozent dieser KMU besitzen zwischen vier und sechs Verträgen mit Versicherungsunternehmen.

Betriebshaftplicht ist Pflicht, der Rest ist Kür

Bei der Art der Versicherungen dominiert mit 87 Prozent die Betriebshaftpflicht-Versicherung, gefolgt von der betrieblichen Gebäude-Versicherung mit 64 Prozent.

Knapp ein Drittel der KMU geben pro Monat weniger als 500 Euro für den Versicherungsschutz aus.

Auffällig ist, dass selbst größere Unternehmen mit 201 bis 500 Mitarbeitern 28 Prozent unter 2.000 Euro ausgeben, elf Prozent sogar unter 500 Euro im Monat. Abgeschlossen werden die Verträge in 64 Prozent der Fälle bei einem Vertreter der Versicherung, was bei allen Unternehmensgrößen der bevorzugte Weg ist. Nur 22 Prozent der Policen sind Maklerdeckungen.

Regelmäßige Überprüfung nicht optimal

Was die turnusmäßige Kontrolle der Absicherung betrifft, kümmern sich 46 Prozent der Firmen jährlich um die Überprüfung ihres Versicherungsschutzes. 28 Prozent der KMU nehmen sich nur alle zwei Jahre Zeit für einen Policen-Check. 16 Prozent kennen sogar das Prüfintervall nicht.

„Die jährliche Überprüfung des Versicherungsschutzes ist ein Muss. Denn durch Innovationen, neue Anschaffungen oder neue rechtliche Vorgaben ändert sich auch der erforderliche Versicherungsumfang. Die Studie zeigt, dass Unternehmen, die von einem Versicherungsvertreter oder Makler betreut werden, ihren Versicherungsschutz häufiger überprüfen“, warnt Leicht.

Sorge vor Feuer-Risiken steigt

Neben dem Umfang des Versicherungsschutzes, untersuchte die Gothaer KMU-Studie dieses Jahr auch das Risikobewusstsein von KMU: Einbruch und Vandalismus werden bei über der Hälfte der kleinen und mittelständischen Unternehmen als bedrohlichste Gefahren für den Betrieb wahrgenommen, dicht gefolgt von Bränden und Explosionen (50 Prozent) sowie menschlichem Versagen mit 36 Prozent. Während Einbrüche und Vandalismus vor allem kleineren Unternehmen die größten Sorgen bereiten (56 Prozent), fürchten größere KMU eher Brände und Explosionen (64 Prozent). Auch Hackerangriffe sehen 33 Prozent der größeren Unternehmen verstärkt als Bedrohung.

Die Wahrscheinlichkeit, von diesen Risiken betroffen zu werden, wird ebenfalls bei Einbruch/Vandalismus von 40 Prozent der befragten Betriebe als am größten angesehen, knapp dahinter liegen das menschliche Versagen mit 32 Prozent sowie ein Hackerangriff oder ein Datenklau (30 Prozent). Während Brände und Explosionen zwar als bedrohlich gelten, halten es nur 21 Prozent der befragten Unternehmen für wahrscheinlich, davon betroffen zu werden.

Notfallpläne nur bei größeren KMU die Regel

Die größten Einbußen würde ein Schaden an den Computersystemen inklusive des Verlusts der Daten verursachen. Das glauben 31 Prozent der KMU. Auch die Gebäude (23 Prozent) und die Maschinen (21 Prozent) werden als sehr wertvoll eingeschätzt und könnten bei einem Schaden die größten Verluste verursachen. Weniger relevant seien Mitarbeiter in Schlüsselpositionen sowie die Reputation beziehungsweise Kundenbindung (jeweils 13 Prozent).

Trotz dieses Gefahrenbewusstseins hat jedoch nur die Hälfte der Betriebe einen Notfallplan. Vor allem bei kleineren KMU mit 11 bis 20 Mitarbeitern bestehen diese lediglich bei 41 Prozent, in noch kleineren Betrieben sogar nur bei 29 Prozent. In nahezu drei Viertel der Unternehmen mit 201 bis 500 Mitarbeitern gibt es hingegen Notfallpläne für Katastrophen.

Hohe Risikominimierung bei Computersystemen und Daten

Die Gothaer KMU-Studie 2015 erhob außerdem, welche Maßnahmen zur Risikominimierung die Unternehmen bereits anwenden: Zur Gebäudesicherung werden vorrangig Brandmelder (73 Prozent) eingesetzt sowie die Feuerlöscher regelmäßig gewartet (69 Prozent). Als weniger wichtig gelten Sprinkleranlagen (34 Prozent) und Hochwasserschutz (11 Prozent).

Zur Minimierung von Schäden an Maschinen lassen 72 Prozent der KMU ihre technischen Anlagen regelmäßig warten. 36 Prozent sorgen für einen regelmäßigen Austausch. Notstromaggregate besitzen nur 25 Prozent der befragten Unternehmen.

Erfreulich sei hingegen das Risikobewusstsein bei den Computersystemen und Daten: 83 Prozent der KMU haben Virenschutzprogramme installiert, 76 Prozent arbeiten mit einer Firewall. Mit mehrfacher Datensicherung schützen sich 67 Prozent vor Datenverlust.

Um menschlichem Versagen vorzubeugen, bieten 64 Prozent der Unternehmen regelmäßig Schulungen für die Mitarbeiter an. Das Betriebsklima stärken 40 Prozent durch gemeinsame Aktionen. Turnusmäßige Feueralarm- oder Katastrophenübungen werden allerdings nur von 37 Prozent durchgeführt.

„Versicherungstechnisch stellt die Studie auch im Mitarbeiterbereich Lücken in der Absicherung fest: Eine D&O-Versicherung für Manager, Produktionsleiter oder Geschäftsführer haben bisher nur 19 Prozent der kleinen und mittelständischen Unternehmen abgeschlossen“, erklärt Experte Leicht.

Dietmar Braun