Notenbanken müssen jetzt eingreifen

Handelskonflikt bleibt omnipräsent

Neben der konjunkturellen Entwicklung leistet auch die politische Unsicherheit ihren Beitrag zur Intervention der Notenbanken. So ist der Handelskonflikt zwischen den USA und China tonangebend und wird wohl noch einige Zeit lang andauern. Immerhin zeigten die beiden Kontrahenten auf dem G20 Gipfel Ende Juni, dass sie ihre Verhandlungen wieder aufnehmen und sich die Fronten zunächst nicht weiter verhärten. Der Handelskrieg ist ein sehr komplexes Thema, weil es nicht nur um Strafzölle und Handelsungleichgewichte geht, sondern auch um Technologieführerschaft. Die Wirtschaftsmacht China beansprucht einen hervorgehobenen Platz auf der Weltbühne und folgt dabei konsequent der Vision, in vielen Bereichen federführend zu sein. Spannungen zwischen China und ihrem wichtigsten Handelspartner USA sind die logische Konsequenz.

Aus unserer Sicht sind im derzeit vorherrschenden Umfeld der konjunkturellen Abkühlung und politischen Unsicherheit Aktieninvestments nach wie vor gefragt. Zwar wird der Markt fragiler, die Maßnahmen der Notenbanken sind jedoch eine wichtige Stütze. Der Ausblick auf zusätzliche Stimuli hat die Risikoneigung der Investoren an den Börsen erhöht, dementsprechend stiegen die Notierungen. Insgesamt schätzen wir die Chancen und Risiken am Aktienmarkt zurzeit als etwa ausgeglichen ein. Daher positionieren wir uns im Aktienbereich neutral. Bei der regionalen Allokation haben wir die Übergewichtung bei US-Titeln wegen ihrer hohen Bewertungen abgebaut und die Untergewichtung bei europäischen Titeln reduziert. Am Rentenmarkt wiederum wird sich nicht viel ändern. Die EZB wird die Zinsen noch auf längere Zeit sehr tief halten, wodurch die Renditen bei europäischen Staatsanleihen niedrig bleiben. Renditestärkere Alternativen im Bereich Anleihen identifizieren wir in Schwellenländern oder im Hochzinsbereich.

Marktkommentar von Christian Nemeth,
Mitglied des Vorstands Wien/ Salzburg
CIO der Zürcher Kantonalbank Österreich AG