Noch nie so wertvoll wie jetzt!

Die gesetzliche Rentenversicherung wird auch künftig immer an ihre Grenzen stoßen. Daran würde auch eine nochmalige Verlängerung der Lebensarbeitszeit nichts ändern. Kaum ein Experte zweifelt daran, dass es auf Dauer die bAV wird richten müssen. Doch mit der Umsetzung hapert es. Gerade in den KMU wartet viel Arbeit auf fachkundige Vermittler.

Mit der Rente alleine ist eine auskömmliche Altersvorsorge nicht darstellbar. Diese Auffassung setzt sich immer stärker durch. Doch nur ein Drittel der Arbeitnehmer besitzt eine bAV. Vor allem die Direktversicherung steht dabei im Fokus, wie Bernhard Rapp, Direktor Marketing und Produktmanagement bei Canada Life, für sein Unternehmen bestätigt: „In Verträgen gemessen macht sie im Neugeschäft 2014 und auch im Bestand fast 85 % des bAV-Geschäfts aus.“ Besonders bei den KMU liegt jedoch vieles im Argen. Während in größeren Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern 84 % der Beschäftigten eine bAV besitzen, sind es in kleinen Firmen mit bis zu zehn Mitarbeitern lediglich 30 %. Bei Letzteren gilt das volle Interesse den Kernaufgaben, Zeit für Versorgungswerke bleibt da nur selten.

Viele Arbeitnehmer scheuen die bAV aus rudimentären Gründen.
Umso mehr ist der Vertrieb gefordert.

Weil auf die Beiträge in der Erwerbsphase keine Sozialversicherungsbeiträge anfallen, sinkt auch die Zahl der Entgeltpunkte in der gesetzlichen Rentenversicherung. Gleichzeitig müssen von der Betriebsrente Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge abgeführt werden. Doch Dr. Henriette Meissner, Generalbevollmächtigte für die bAV bei der Stuttgarter Lebensversicherung und Geschäftsführerin der Stuttgarter Vorsorge-Management GmbH, hält dies nicht für schlüssig: „Die Abgabenbelastung der bAV in der Leistungsphase hat sich tatsächlich deutlich erhöht. Das liegt vor allem am Gesundheitsmodernisierungsgesetz und am Alterseinkünftegesetz 2004/2005. Dennoch haben fundierte wissenschaftliche Untersuchungen gezeigt, dass sich die bAV bis auf wenige Fälle weiterhin lohnt. Sie ist gerade dann positiv zu bewerten, wenn der Arbeitgeber etwas zuschießt, wie es mittlerweile häufig anzutreffen ist. Allerdings ist die Politik in einem wichtigen Punkt gefordert: Gerade bei Arbeitnehmern mit gebrochenen Erwerbsbiographien und bei Niedrigverdienern ist die Anrechnung auf die Grundsicherung eine große Hürde.“ Und Robert Dickner, bAV-Produktmanager beim VOLKSWOHL BUND, beantwortet die Frage, ob sich eine bAV lohnt, eindeutig: „Für alle, die nicht im Alter mit einer Grundsicherung rechnen müssen, lohnt sich die bAV. Im Vergleich der Anlagemöglichkeiten fürs Alter kann man in den Einkommensgruppen bis etwa 25.000 Euro mit einem klaren ‚Ja, eine bAV rechnet sich‘ antworten, da die Sozialversicherungs- und Steuerersparnis in der Anwartschaftsphase die enorme Vorteilhaftigkeit der bAV ausmacht. Der Verlust an GRV sowie die Belastungen der bAV-Rente werden in aller Regel dadurch überkompensiert.“ Sobald der Arbeitgeber seinen Arbeitnehmer jedoch beispielsweise durch die Weitergabe seiner Sozialversicherungsersparnis unterstütze, sei die bAV grundsätzlich unschlagbar. (hwt)

Betriebliche Altersversorgung – Printausgabe 02/2015