Niedrigzinsen stimulieren Wirtschaft

09.06.2014

VRD - Fotolia.com

**Die Entscheidung der EZB-Hüter, die Zinsen im Euroraum nochmals zu senken, ist auf unterschiedliches Echo gestoßen. Für **Karsten Junius, Chefvolkswirt Bank J. Safra Sarasin, überwiegen die Vorteile der Zinssenkung, die die Wirtschaft zusätzlich ankurbeln sollten.

(fw/ah) „Die Europäische Zentralbank (EZB) hat wohl kaum einen enttäuscht, der auf einen ordentlich Stimulus für die Konjunktur und die Finanzmärkte gesetzt hat. Mit einem breiten Strauß an Maßnahmen hat sie jeden Zweifel zerstreut, dass sie nur halbherzig der Gefahr zu niedriger Inflationsraten entgegentreten würde.

Stattdessen setzt sie auf eine Vielzahl an Effekten, welche die Wirtschaft in der Währungsunion stabilisieren: (1) Die niedrigeren Leitzinsen unterstützen die Wirtschaft im Allgemeinen. (2) Die negativen Zinsen für Einlagen der Banken bei der EZB sollen zu einem schwächeren Euro beitragen. (3) Die Bereitstellung von zusätzlichen Refinanzierungsmitteln für die Kreditvergabe der Banken von bis zu 400 Milliarden Euro für bis zu vier Jahren wird die Finanzierungsbedingungen vor allem in der Euro-Peripherie verbessern. (4) Das Versprechen bis Ende 2016 unlimitierte Refinanzierungsoperation anzubieten wird die Geldmarktzinsen auch mittelfristig noch einmal senken. (5) Die Ankündigung, den Ankauf verbriefter Kredite (ABS) vorzubereiten, sollte diesen derzeit brach liegenden Markt stimulieren und die Bankbilanzen entlasten. (6) Und letztlich ist auch das Signal der EZB wichtig, dass sie auch bereit ist noch mehr zu tun, um die angestrebte Inflationsrate von 2 % wieder zu erreichen. Damit hält sie die Spekulation im Markt, falls notwendig auch Staatsanleihen anzukaufen. Das sollte den Anstieg der langfristigen Renditen begrenzen, der sich normalerweise einstellt, wenn Rentenmärkte höhere Wachstums- und Inflationsphantasie einpreisen. Entsprechend würden höhere Aktienkurse, geringere Risikoprämien für die Euro-Peripherie und ein niedrigerer Euro nicht überraschen.

Aber die EZB Maßnahmen haben aber auch Nebeneffekte. Sparer erhalten eine geringere Verzinsung auf ihre Einlagen. Nach Abzug der Inflationsrate bleibt gar kein Ertrag mehr übrig. Ist dies fair? Die Frage stellt sich für die EZB nicht. Stattdessen möchte sie ja sogar den privaten Verbrauch und damit die Wirtschaft stimulieren. Und daher senkt sie indirekt den Anreiz zu sparen und erhöht den zu investieren. Ein anderer Nebeneffekt ist die Gefahr von Vermögenspreisblasen. Preisblasen möchte die EZB natürlich nicht kreieren, steigende Vermögenspreise dagegen schon. Denn die Bilanzen der verschuldeten privaten Haushalte und der Unternehmen sind umso solider, je höher ihre Aktiva bewertet sind. Ob daraus später eine gefährliche Immobilienpreisblase in einigen Ländern resultiert, ist kein Problem von heute, sondern von morgen, oder übermorgen. Und schließlich bleibt der Nebeneffekt auf den Schweizer Franken. Je niedriger die Zinsen in Euroland, desto höher wird der Aufwärtsdruck hierzulande. Es ist fair zu sagen, dass dies nicht die Hauptsorge der EZB ist. Sie wird froh sein, wenn ihre Maßnahmen die Euroland-Wirtschaft stimulieren. Für ihren Optimismus, dass dies geschieht, hat sie nun deutlich mehr Grund."

www.jsafrasarasin.com