„New Retail” – Evolution oder Revolution?

Während auf dem Arbeitsmarkt fixe Kernzeiten, klassische „Nine-to-five-Job“ und Mietverträge durch flexible Modelle wie Homeoffice und Coworking ergänzt werden, sind auch die festgelegten Öffnungszeiten spätestens seit Amazon und Co. zumindest im World Wide Web passé. Zudem verschiebt sich der „Point of Sale“ zum „Point of Experience“. So geben 78 % der Millennials an, ihr Geld lieber für Erfahrungen auszugeben als für Materielles. Das klassische Angebot reicht nicht mehr aus. Erlebnisse stehen im Vordergrund sowie die Zentrierung der Branchen. Einzelhandelszentren sollen fortan mehr bieten: Virtual sowie Augmented Reality, eSports Anbieter, Hotels, Wellness, Coworking und Coliving. Alles vereint an einem Ort. Die Synergien der Branchen ermöglichen dem klassischen Einzelhandel, eine breitere Masse anzusprechen und können z. B. zur Revitalisierung von Kaufhäusern und Shopping Centern führen. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach Premiumstandorten und lebensmittelgetriebenen Lokalitäten zusehends, während das Interesse an Sekundär- und Tertiärstandorten sinkt. Sie werden wohlmöglich mit anderen Nutzungen revitalisiert, aber erscheinen auf Grundlage aktueller Entwicklungen als weniger lukrativ.

Es liegt nun an den Investoren und Eigentümern, den Wandel zu erkennen und anzunehmen, um anschießend die nötigen Konsequenzen zu ziehen. Neue Flächenkonzepte, die Umstrukturierung von Portfolios, das Investieren in Premiumstandorte, kurzum die strategische Redefinition von Einzelhandelsimmobilien stehen an oberster Stelle. Das Zeitalter „New Retail“, die dynamische Evolution der Shoppingwelt, steht nicht erst vor der Tür, sondern ist bereits in vollem Gange. Wer zu lange wartet, verpasst womöglich den Anschluss und muss diesen fortlaufenden Veränderungsprozess abrupt vollziehen – ein Moment, in dem die allmähliche Evolution schnell zur Revolution werden kann.

Gastbeitrag von Jörg Krechky,
Director und Head of Retail Investment Services bei Savills