Neues von den Finanzmärkten

Johannes Flieckenschildt

Donald Trump, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika – dieses Szenario ist nicht (mehr) ausgeschlossen. In den letzten Wochen ist der republikanische Präsidentschaftskandidat zwar deutlich ins Hintertreffen geraten und deswegen schon fast abgeschrieben worden, aber nun steigen seine Umfragewerte überraschend wieder an. Unterstützend wirkt dabei unter anderem die neu aufgeflackerte „E-Mail Affäre“, die Hillary Clinton, die Kandidatin der demokratischen Partei, in der Gunst der Wähler schwächt. Die Finanzmärkte reagieren auf solche Nachrichten kurz vor der Wahl zunehmend nervös. Gut ablesbar ist diese Nervosität zum Beispiel am Mexikanischen Peso, der in Folge besserer Umfragewerte für Donald Trump deutlich abwertete. Auch wenn das auf die Spezifika der Beziehungen zwischen den USA und Mexikos zurückgeführt werden kann, so zeigt es, dass die Marktteilnehmer eine stabile Wirtschaftspolitik eher unter der Führung der demokratischen Kandidatin erwarten. Für Hillary Clinton spricht derzeit noch ein leichter Vorsprung bei den Umfragen und dass vor den neuerlichen Veröffentlichungen rund um ihre E-Mails ein wichtiger Anteil der Stimmberechtigten ihren Wahlzettel bereits abgegeben hat. Auf der anderen Seite spricht die Dynamik, mit der die neuen Umfrageergebnisse für Trump ansteigen, für den Republikaner. Es bleibt also unerwarteter Weise spannend bis zum Wahltag am 8. November.

Dem amerikanischen Aktienmarkt sollte ein Sieg der demokratischen Kandidatin neuen Schwung geben, indem das unsicherheitsbehaftete „Trump-Szenario“ wieder ausgepreist wird. Für den leidgeprüften Aktienanleger wäre das ein willkommener Lichtblick. Zumal die volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den USA stimmen. Aber auch im etwas weniger wahrscheinlichen Fall eines Sieges des republikanischen Präsidentschaftskandidaten sehen wir für den US-Aktienmarkt nicht gänzlich schwarz, denn der US-Dollar sollte kurzfristig ein Puffer für deutsche Anleger sein. Zwei wichtige Gründe sprechen dafür: Einerseits sollten bei einem Trump-Sieg Kapitalanlagen von US-Amerikanern, die im Ausland getätigt wurden, in den US-Heimatmarkt zurückgeholt werden. Das ist ein Phänomen, das bei US Krisen in der Vergangenheit häufiger zu sehen war. Zum anderen hat Donald Trump angekündigt, die expansive Geldpolitik der US-Zentralbank Fed zu stoppen. Beides spricht für ein zumindest kurzfristiges erstarken des US-Dollars bei einer Wahl Donald Trumps, was US-Aktien für deutsche Anleger attraktiver macht. Abgesehen von den Risiken, die aus der politischen Sphäre stammen, liegt der Kern für unsere positive Meinung zum US-Aktienmarkt in der guten wirtschaftlichen Situation der US-Unternehmen. Das wird derzeit durch die Quartalsberichte untermauert, die breit über die Sektoren hinweg mit positiven Gewinnen überrascht haben. Zusätzlich raten wir aber weiterhin dazu, Gold als Ergänzung in die Vermögenstruktur aufzunehmen. Das Edelmetall ist nach wie vor für viele Anleger der sichere Hafen in stürmischen Zeiten.

Mit Blick auf die Rentenmärkte fallen derzeit die anziehenden Renditen auf. Das ist bei der weltweit vorherrschenden expansiven Geldpolitik ein rares Bild. Auch hier sind verschiedene Mechanismen am Werk. Abschwächende Brexit-Sorgen durch gute Daten aus Großbritannien sind eine Erklärung für die steigenden Zinsen. Eine weitere Ursache für dieses Phänomen sind steigende Energiepreise und ein statistischer Effekt, was dafür sorgt, dass die Inflationsrate bis Anfang nächsten Jahres kurzzeitig nach oben gehievt wird. Dieser Effekt sollte aber nur von kurzer Dauer sein – ein klassisches Strohfeuer. Nichtsdestotrotz verleitet das den Markt dazu, auch für die Zukunft mit einer höheren Inflation zu rechnen. Wir sehen das zumindest für die Eurozone etwas skeptischer, denn mittelfristig fehlt uns schlicht das Futter, um uns ein Bild höherer Inflation und dadurch auch höherer Zinsniveaus vorstellen zu können. Notwendig dafür wäre nämlich ein nachhaltig höheres Wachstum, als jenes moderate, das wir derzeit in der Eurozone sehen. Der positive ifo-Geschäftsklimaindex im Oktober ist zwar ein gutes Zeichen für die deutsche Wirtschaft, muss aber erst seine Nachhaltigkeit unter Beweis stellen. Dementsprechend tendieren wir weiterhin dazu, kurzlaufende Anleihen zu halten, um nicht von den kurzfristigen Renditeanstiegen getroffen zu werden. Auf der anderen Seite sind weitere Renditeanstiege aber auch interessante Einstiegspunkte in den Rentenmarkt. Denn mit der Erwartung, dass das Strohfeuer in der ersten Hälfte 2017 wieder erlischt, geht einher, dass die Zinsen wieder fallen und somit Rentenpapiere an Wert zulegen. In diesem Szenario, wie so oft an der Börse, ist natürlich der richtige Zeitpunkt der Schlüssel zum Erfolg.

Marktkommentar von Johannes Flieckenschildt, Weberbank