Neues vom EEG

Nach der Reform des EEG, das eine Senkung der Einspeisevergütung bringt, werden von den Anbietern der Solarfonds Altanlagen entdeckt. Der Blick der Windfondsinitiatoren geht verstärkt ins Ausland. Neben Frankreich sind Polen, Finnland und Großbritannien attraktive Investitionsstandorte.

Die Anbieter von New Energy Fonds, die in Deutschland investieren, sind derzeit gleich doppelt geschlagen. Neben der Regulierung, der alle Kategorien geschlossener Fonds unterliegen, sorgt die Reform des Erneuerbare Energiegesetzes EEG für weitere Verunsicherung. Denn das EEG sichert den New Energy Fonds 20 Jahre lang die einmal zugesagte Einspeisevergütung. Das wird auch in Zukunft so sein. Aber die Vergütung wird ein weiteres Mal herabgesetzt. Nötig ist die Reform nicht etwa, weil das EEG nicht funktioniert. Bernd Neitzel, Chef des Initiators Neitzel & Cie., betont: „Das EEG ist zur Erfolgsgeschichte geworden.” Es wurde zum Vorbild vieler entsprechender Fördergesetze im Ausland. Dem EEG ist es zu verdanken, dass im ersten Quartal dieses Jahres 27 % des Brutto-Inlandsstromverbrauchs aus regenerativen Energien (Solarenergie, Windkraft, Biomasse, Wasserkraft) stammte, das ermittelte der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Vor einem Jahr waren es erst 23 %.

New Energy Fonds

Das EEG wird so gut genutzt, dass es den Bundesbürgern teuer zu stehen kommt. Die Förderung der erneuerbaren Energien ist keine Subvention des Staates, sondern wird von der Allgemeinheit bezahlt – über den Strompreis. Die Folge sind steigende Strompreise. Dem soll Einhalt geboten werden. So sieht die Reform vor, dass neue Anlagen (wenn der Antrag auf Förderung nach dem 23. Januar dieses Jahres gestellt wurde) eine deutlich geringere Einspeisevergütung erhalten als Kraftwerke, die im letzten Jahr ans Netz gingen. Und der Zubau soll eingeschränkt werden.

Neue Anlagen in Deutschland, ob Windkraft oder Solar, müssen also mit einem geringeren Cashflow rechnen. Gleichwohl können neue Fonds attraktiv sein. Neitzel & Cie., der bereits drei deutsche Solarfonds platziert hat, plant einen weiteren, der in Altanlagen investiert, die in den letzten Jahren errichtet wurden und noch 15 bis 17 Jahre die seinerzeit festgelegte höhere Vergütung erhalten. So macht es auch die IBC SOLAR AG, die den Bürgersolarpark Schandelah im Landkreis Wolfenbüttel als Fonds vermarktet. Der Solarpark, der 2012 fertiggestellt wurde, erhält noch die damals gültige Einspeisevergütung von rund 13 Cent pro Kilowattstunde. Heute gäbe es für aktuell neu erstellte 9,13 Cent. Einer der Marktführer bei Solarfonds, Voigt & Collegenm, bietet derzeit nur Projekte für institutionelle Kunden an, will aber auch wieder Fonds für Privatanleger (Solar mit Windbeimischung) auflegen. „Dies wird jedoch voraussichtlich erst 2015 sein”, erklärt der geschäftsführende Gesellschafter Hermann Klughardt. Als Grund führt Klughardt die Zurückhaltung der Vertriebe bei Publikumsfonds an.

Nach der drastischen Kürzung der Einspeisevergütung für Solarenergie setzen Emissionshäuser wieder verstärkt auf Windenergie. „Bereits im Jahr 2013 haben die New Energy Fonds die Windkraft wiederentdeckt”, meint Markus Lentz, Analyst für Anlagen in erneuerbaren Energien bei Scope. „Für Windenergie spricht vor allem, dass diese dabei ist, die Netzparität zu erreichen”, so Thomas Hartauer, CEO der Lacuna AG, die bereits vier deutsche Windkraftfonds aufgelegt hat. Der mit Windkraft erzeugte Strom wäre also damit kaum mehr teurer als der aus der Steckdose. Derzeit ist Lacuna mit dem Lacuna Windpark Zedtwitz auf dem Markt, der exklusiv von der GLS Bank vertrieben wird. Der Windpark Zedtwitz ist der fünfte Teilabschnitt von Bayerns größtem zusammenhängenden Windkraftprojekt (60 Megawatt), mit eigenem Umspannwerk. Aufgelegt wurde der Fonds bereits im Dezember 2013, nach einem Prospektnachtrag wird er seit April 2014 vertrieben. Die Einspeisevergütung beträgt 9,13 Cent, weil der Antrag bereits vor dem Stichtag für die EEG-Reform (23. Januar) zugesagt wurde. Der Fonds wurde als operatives Unternehmen außerhalb des Finanzsektors konzipiert, unterliegt also nicht dem KAGB.

Andere Initiatoren der Assetklasse erneuerbare Energie planen ebenso, Fonds als operativ tätige Unternehmen zu konzipieren. Aber noch scheuen sich einige, damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Man will die BaFin nicht provozieren. Peter Heidecker, der Chef der CHORUS-Gruppe, die noch im letzten Jahr mit Solar-Publikumsfonds auf dem Markt war, meint: „Ich sehe in operativ tätigen Unternehmen anstelle von geschlossenen Fonds keinen Königsweg.” Er zweifelt, dass die BaFin auf Dauer mitspielen wird, wenn dutzendfach und systematisch diese Lösung angewandt wird. Auch bei Leonidas, die derzeit den Frankreich Wind XIV platziert, will diese Lösung prüfen. „Am Markt Frankreich werden wir festhalten”, meint Leonidas Chef Max-Robert Hug. Der Frankreich Wind XIV ist der fünfte Frankreich-Fonds.

Auch wenn das operativ tätige Unternehmen keinen Königsweg zu einer BaFin-Genehmigung eröffnet, ist diese aber offenbar leichter und schneller zu erreichen. Keine Probleme damit hatte die Lacuna, inzwischen liegt noch ein weiterer positiver Bescheid auf eine Anfrage bei der BaFin vor. Der CFB-Fonds 180 von Commerz Real wird kein Nachfolgeprodukt mit der aktuellen Vergütungsstruktur haben, weil die Förderung künftig auf Dach- und Freiflächenanlagen mit einer Leistung bis zehn Megawatt beschränkt wird. „Chancen sehen wir aber für uns aufgrund der strategischen Partnerschaft mit Belectric im neu eingeführten Ausschreibungsverfahren, nach dem der günstigste Anbieter eine bestimmte Förderung erhält”, erklärt Heiko Szczodrowski, Executive Director der Commerz Real AG. Der nach altem Recht konzipierte CFB-Fonds 180 ist noch im Vertrieb, aber zu 80 % platziert.

Fazit
Die Fonds für erneuerbare Energien werden mit der Senkung der Einspeisevergütung und der Begrenzung des Zubaus trotz der heftigen Proteste der Interessengruppen leben können. Auch die Regulierung hat etwas von ihrem Schrecken verloren, nachdem erste Fonds, die als operative Unternehmen konzipiert wurden, grünes Licht von der BaFin erhalten haben. (lf)

New Energy – Printausgabe 03/2014