Nebenwerte bleiben interessant

Christian von Engelbrechten, Manager des Fidelity Germany Fund / Foto: © Fidelity

2017 war für Börsianer ein guter Jahrgang. Nicht nur das Dickschiff DAX, sondern insbesondere die Indizes der 2. und 3. Reihe (MDAX, SDAX und TecDAX) haben außerordentlich gut performt. Ist die Rallye nun zu Ende? Welche Branchen erscheinen lukrativ? Wie steht es um Immobilien-Aktien? finanzwelt sprach hierzu exklusiv mit Christian von Engelbrechten, Fondsmanager des Fidelity Germany Fund.

finanzwelt: Herr von Engelbrechten, auch im ablaufenden Jahr haben deutsche Indizes viele Anleger mit ihrer Performance überzeugt. Wie schätzen Sie die wichtigsten Fundamentaldaten der deutschen Wirtschaft zur Jahreswende ein?

Engelbrechten: Die Fundamentaldaten zeigen sich robust, insbesondere die Stimmungsindikatoren der Wirtschaft. Allerdings ist schwer vorstellbar, dass sie sich von den Rekordständen noch weiter nach oben bewegen. Das langsamere Wachstum der Weltwirtschaft mahnt davor, nicht zu euphorisch zu sein.

In den Gewinnaussichten der Unternehmen spiegelt sich die positive Stimmung ohnehin nicht vollständig wider – der Markt ist teurer geworden, da die Gewinnaussichten den Kursen nicht komplett gefolgt sind. Da nicht nur in Deutschland der Arbeitsmarkt eng geworden ist, ist auch die Gefahr von Inflation und Zinserhöhungen gestiegen.

Langfristig gibt es weiterhin signifikante Wachstumsbremsen. So sind zum Beispiel die Verschuldungslevels heute in den meisten Ländern höher als vor der Finanzkrise. Das Wachstum wird daher in Zukunft strukturell wahrscheinlich schwächer sein als im Durchschnitt der vergangenen 20 Jahre und erfordert eine Selektion innovativer Unternehmen. Diese Selektion wird auch vor dem Hintergrund wichtiger, dass der DAX in seinem 9. Bullenmarktjahr in Folge ist und die Bewertungsniveaus deutlich über den historischen Durchschnitten liegen.

finanzwelt: Mitunter schauen Sie sich intensiver und detaillierter bei den Nebenwerten um. Die Anstiege bei S- und TecDAX sind seit Jahresbeginn überdurchschnittlich. Wird hier die Luft langsam dünner und Sie blicken wieder vermehrt auf größere Titel

Engelbrechten: 2016 haben sich SDAX und insbesondere TecDAX schwächer entwickelt als der DAX. Dass sich das dieses Jahr deutlich gedreht hat, halte ich aufgrund der Wachstumsraten und Gesamtkapitalrenditen (ROIC) für gerechtfertigt.

Bei den Nebenwerten finde ich weiterhin interessante Unternehmen, die noch nicht so sehr im Marktfokus stehen und die wir mit unserem großen Analystenteam unter die Lupe nehmen können. Nebenwerte bleiben ein Kernbestandteil der Strategie.

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